Würselen/Düsseldorf - Cemecon: Stehen 100 Arbeitsplätze auf der Kippe?

Cemecon: Stehen 100 Arbeitsplätze auf der Kippe?

Von: Berthold Strauch
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Damals, im Januar 2008, sagte sie bei einem Betriebsbesuch Unterstützung zu, falls es mal haken sollte: Jetzt ist NRW-Wirtschaftsministerin Christa Thoben - flankiert von den Cemecon-Vorständen Dr. Anton Leyendecker (r.) und Oliver Lemmer - gefordert. Sie wird ihr Wort einhalten. Foto: Berthold Strauch

Würselen/Düsseldorf. Christa Thoben (CDU) wusste Bescheid: „Wir haben uns als Ministerium sofort eingebracht” - als bekannt geworden war, dass die Würselener High-Tech-Perle Cemecon AG den bitteren Gang zum Aachener Amtsgericht antreten musste, um Insolvenzantrag zu stellen.

Im Gespräch mit unserer Zeitung in der Düsseldorfer Staatskanzlei hatte die nordrhein-westfälische Wirtschaftsministerin die Existenzkrise bei Cemecon gleich „auf dem Schirm”, als sie darauf angesprochen wurde.

Und, ein Hinweis für Unternehmen in ähnlicher Zwangslage: „Wenn sie schlau sind, melden sie sich bei uns, bevor sie diesen Schritt tun.”

Wie Thoben anfügte, sei ihr zuständiges Fachreferat für Unternehmenssicherung und -nachfolge „laufend im Gespräch” mit dem im Europark ansässigen Unternehmen. Cemecon baut Anlagen zur Härtung von Metallen.

Wenn die Studie, die der vorläufige Insolvenzverwalter Thomas Georg für das Gericht verfasst, zu der Wertung komme, dass es für eine Unternehmenssanierung im angestrebten Plan-Insolvenzverfahren eine erfolgversprechende Perspektive gebe, „können wir finanzielle Hilfen anbieten”, sagte die Ministerin: „Dazu haben wir eine Reihe von Instrumenten entwickelt.”

Beispielhaft nannte Christa Thoben die Möglichkeit einer Landesbürgschaft. Damit könne ein möglicher Investor unterstützt werden, der das Unternehmen - zumindest in Teilen - weiterführen wolle.

Die Ministerin erwartet, dass zum 1. September über das weitere Insolvenzverfahren entschieden werde. Bis dahin sollen die Cemecon-Mitarbeiter finanzielle Unterstützung von der Agentur für Arbeit erhalten.

Wie Thobens Pressesprecher Joachim Neuser ergänzte, zähle Cemecon aktuell noch rund 310 Mitarbeiter, hinzu kämen Aushilfen - zuvor waren es 347.

Diese Zahl lässt erkennen, dass die Fluktuation schon eingesetzt hat. Viele, die um ihren Job im Unternehmen fürchten, gehen auf die Suche nach alternativen Arbeitsplätzen.

IG-Metall-Sekretär Leo Gehlen geht nicht davon aus, dass Cemecon angesichts der akuten Finanzprobleme ungeschmälert weiterarbeiten kann.

Er bereitet die allererste Betriebsratswahl im Unternehmen vor. Sie soll am Donnerstag, 20. August, stattfinden. Sofort danach werden die gewählten Kollegen von der Gewerkschaft per „Crashkurs” mit den wichtigsten Informationen über Sozialplanverhandlungen vertraut gemacht. Nach seiner Einschätzung könnten mehr als 100 Mitarbeiter ihre Jobs verlieren.
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