Baesweiler/Städteregion - Busfahrer: Ein Beruf, zwei Welten und einige Probleme

Busfahrer: Ein Beruf, zwei Welten und einige Probleme

Von: Katrin Fuhrmann
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Ohne Busse keine Reisen: Wenn private Busunternehmen keine Berufskraftfahrer mehr finden, können Ausflüge nicht mehr angeboten werden. Foto: Imago/ Norbert Schmidt
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Findet keine Berufskraftfahrer: Omnibusbetreiber Hans-Willi Palmen. Foto: kf
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Findet keine Berufskraftfahrer: Omnibusbetreiber Hans-Willi Palmen. Foto: kf

Baesweiler/Städteregion. Hans-Willi Palmen ist besorgt. Ihm gehen nämlich die Busfahrer aus. Ohne Busse keine Reisen. Es geht also um die Existenz für den 58-jährigen Omnibusbetreiber aus Baesweiler. Und so geht es nicht nur Palmen. In den vergangenen zehn Jahren haben bei der Industrie- und Handelskammer Aachen nur zwei angehende Berufskraftfahrer für den Bereich Personenverkehr die Prüfung abgelegt.

Palmen Reisen beschäftigt zurzeit 40 Berufskraftfahrer sowie Fahrbegleiter. Schüler- und Ausflugsfahrten sind die Haupteinnahmequelle des Betriebes. „Wenn sich morgens ein Fahrer krank meldet, schrillen bei mir die Alarmglocken. Ich kann ja einer Reisegruppe nicht sagen, der Bus kommt heute nicht“, sagt Palmen. So schnell Ersatz zu finden, ist für ihn immer wieder eine Herausforderung.

„Das Interesse an diesem Beruf ist eigentlich vorhanden. Es melden sich immer wieder Leute bei uns. Aber die Hürde ist groß“, sagt Palmen. Wer bei ihm fahren möchte, muss entweder eine Ausbildung machen oder braucht zumindest den Führerschein Klasse D und DE. Der kostet aber zwischen 7000 und 8000 Euro. Geld, das nicht jeder hat. Vor allem nicht junge Erwachsene, die gerade die Schule beendet haben.

Nun gibt es zwar beispielsweise für Quereinsteiger die Möglichkeit, eine Kostenübernahme durch das Arbeitsamt zu bekommen, dafür brauchen Interessenten aber eine Zusage eines Omnibusbetriebs, nach einer Testphase übernommen zu werden. Und das ist natürlich schwierig. „Man kauft ja nicht die Katze im Sack. Wenn ich nicht weiß, ob der Mitarbeiter sich gut entwickelt, kann ich im Vorfeld keine Zusage machen“, sagt Palmen. Für ihn sei die Voraussetzung ein zweiwöchiges Praktikum.

Palmen Reisen ist laut Industrie- und Handelskammer Aachen aber der einzige Betrieb in der Städteregion, der in der Sparte Berufskraftfahrer für die Personenbeförderung überhaupt ausbildet. Palmen fordert die Omnibusbetriebe auf, den Nachwuchs zu fördern und den Beruf wieder interessanter zu machen. Das ist auch dringend nötig.

Während private Busunternehmen klagen, geht es bei anderen Busfahrern bergauf. Die Ausbildung zur sogenannten Fahrkraft im Fahrbetrieb, sprich Linienbusfahrer, ist beliebt. Die Ausbildung zum Berufskraftfahrer mit dem Schwerpunkt Güterverkehr, also beispielsweise Lkw-Fahrer, erhält auch Zuspruch.

Die Zahlen der Industrie- und Handelskammer Aachen bestätigen das: 2007 gab es gerade einmal elf Auszubildende in diesen beiden Bereichen in der Region, 2016 waren es immerhin schon 46. Zur Erklärung: Man muss zwischen zwei Ausbildungsberufen unterscheiden. Es gibt die Ausbildung zur Fachkraft im Fahrbetrieb, der Linienbusfahrer, und die Ausbildung zum Berufskraftfahrer, der Reisebusfahrer. Die Fachkraft im Fahrbetrieb hat den Schwerpunkt Personen- und Nahverkehr. Themen wie Kundenwerbung und -betreuung sowie Disposition sind unter anderem Ausbildungsinhalte. Der angehende Berufskraftfahrer mit dem Schwerpunkt Personenbeförderung ist vor allem im Bereich Reiseverkehr eingesetzt. Transport, Pflege, Reparatur und Instandhaltung sind Ausbildungsinhalte.

Allein in der Städteregion fahren täglich mehr als 460 Linienbusse. Mehr als 72 Millionen Personen werden alleine von der Aseag pro Jahr befördert. Die Aseag und ihr Tochterunternehmen Esbus beschäftigen zurzeit 486 Busfahrer. Das ist aber eben nur die eine Seite der Medaille.

Frank Brochhausen, Ausbildungsleiter der Industrie- und Handelskammer Aachen, kennt die Schwierigkeiten der Betriebe, Berufskraftfahrer zu finden. „Die Bezahlung ist schlecht und liegt nur knapp über dem Mindestlohn. Hinzu kommen die ungeregelten Arbeitszeiten. Außerdem sind die Fahrer immer alleine unterwegs“, sagt er.

Hinzu käme, dass die Akzeptanz dieses Berufes in der Gesellschaft kaum vorhanden wäre. Und: Ein junger Fahrer werde von vielen Reisenden nicht akzeptiert, weil er kaum Erfahrung habe. Das zumindest ist die Resonanz.

Schlechte Bezahlung, kaum geregelte Arbeitszeiten. Da liegt es für junge Menschen auf der Hand, eher den anderen Weg, also den der Fahrkraft im Fahrbetrieb, einzuschlagen. Gerade im Linienverkehr ist die Arbeitszeit geregelt.

Bei der Aseag (und ihrem Tochterunternehmen Esbus) werden Busfahrer nach dem Tarifvertrag TV-N Nahverkehr bezahlt. Heißt: Eine Fachkraft im Fahrbetrieb bekommt nach der Ausbildung ein Grundgehalt von 2369 Euro. Die Aseag sagt, dass Busfahrer später auch Aufgaben im Bereich der Disposition von Fahrzeugen und Personal sowie der Verkehrslenkung und Betriebssteuerung übernehmen können. Dann steige auch das Gehalt.

Heinrich Plum ist mehr als 20 Jahre Linienbus gefahren. Mit viel Freude. Allerdings kennt er auch die Probleme des Berufs. „Man ist immer auf sich alleingestellt und hat niemanden, mit dem man sich beraten kann, wie man zu entscheiden hat“, sagt Plum. Hilfe von Fahrgästen könne man nicht erwarten. Man dürfe das aber nicht pauschalisieren. „Die Mehrheit der Fahrgäste ist freundlich gewesen“, sagt Plum. Ein Grund, warum er sich immer wieder für den Beruf entscheiden würde. „Jeder Beruf hat Vor- und Nachteile“, sagt er.

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