Herzogenrath - Bürgermeisterkandidaten diskutieren nur zum Thema Verkehr

Bürgermeisterkandidaten diskutieren nur zum Thema Verkehr

Von: mabie
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Friedvolle Kandidaten: Moderator Wilfried Hammers traf auf Bürgermeister Christoph von den Driesch, Dr. Manfred Fleckenstein und Stefan Kuklik (v.l.). Foto: Markus Bienwald
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Rund 70 Anwesende im Klösterchen diskutierten mit den Kandidaten, selbst wenn manche Frage sich in einem langen Erklärungsanlauf verbarg. Foto: Markus Bienwald

Herzogenrath. So ganz zufrieden war Wilfried Hammers mit dem Abend dann doch nicht. Denn am Ende einer mehr als zweistündigen Diskussion mit den drei Bürgermeisterkandidaten im soziokulturellen Zentrum „Klösterchen“ in Merkstein war es kein Schlagabtausch, sondern eher ein friedvoller Austausch von Standpunkten und Ansichten.

„Sie waren sehr nett zueinander“, sagte Moderator Hammers, nachdem sich der amtierende Bürgermeister Christoph von den Driesch (CDU) mit seinen Herausforderern Dr. Manfred Fleckenstein (SPD) und Stefan Kuklik (Piraten) beispielsweise in einer Viertelstunde einem freien Thema ohne Eingreifen des Moderators widmen konnten.

Sie einigten sich zügig auf das Dauerthema Finanzen und ließen mehr oder weniger ihre bekannten Vorgehensweisen durchblitzen. So prangerte der Amtsinhaber das strukturelle Problem der Kommunen an, einerseits von der Gewerbesteuer abhängig zu sein und andererseits nach zwei Jahren dann noch auf die „Überraschung“ der zu erwartenden Beträge aus Umlagen oder Landes- und Bundesmitteln warten zu müssen.

Dr. Fleckenstein kaprizierte sich auf das Konnexitätsprinzip, das vor allem nach einer Anschubfinanzierung, beispielsweise beim Unterhalt von geförderten Projekten, schnell zum Problem werden könne. Newcomer Stefan Kuklik stürzte sich auf den vor zwei Jahren mit einer überaus mäßigen Resonanz gestarteten Versuch eines Bürgerhaushaltes und forderte, hier nachzusetzen und die Bürger, wenn möglich, mehr einzubinden.

Keine Chance zur Umsetzung

Kurze und knackige Diskussionen waren an diesem Abend aber nicht auszumachen. Weder alle Fragesteller unter den rund 70 Anwesenden schienen sich kurz fassen zu können, noch diejenigen, die vorne auf der roten Couch saßen. Einzig beim Thema Verkehr schien ein wenig Feuer in das ansonsten eher von vielen Wahlprogrammen und Parolen geprägte Couchgespräch auf dem Podium zu kommen. „Die Umgehungsstraße wird es nicht geben“, so Dr. Manfred Fleckenstein zur vor einem guten Jahrzehnt bereits angestoßenen Diskussion um die B258n, „auf Herzogenrather Gebiet haben wir keine Chance zur Umsetzung“, sagte der Sozialdemokrat.

„Pirat“ Kuklik dachte laut über die verkehrsflussfördernden Effekte von Kreisverkehren nach, die auch bei einer Belebung der Roermonder Straße mit mehr Zielverkehr funktionieren könne. Und während Mathematiker Dr. Fleckenstein sich deutlich für eine intelligentere Ampelschaltung an eben jener mit 22.000 Fahrzeugen pro Tag hochbelasteten Strecke aussprach, wollte der Jetzt-Bürgermeister zumindest mit Blick auf die Umgehungsstraße erst mal Ruhe walten lassen. „Bevor wird die B258n endgültig begraben, sollten wir die Ergebnisse der Verkehrsuntersuchung abwarten, obwohl diese natürlich auch schon viel zu lange dauert“, so von den Driesch.

Weitere Themen waren die Bahnanbindung, die sich alle drei in Sachen Regionalbahn durchaus ausgebaut und mit einer Rückkehr des RB33-Haltes in Kohlscheid vorstellen können, oder auch die Sportstätten-Problematik in der Stadt, die es nach Aussage der Kandidaten unisono zu verbessern gilt. Knackige Worte fand hier alleine Wilfried Hammers: „Wir haben in Herzogenrath mit Bädern keinen Spaß, auch ohne Spaßbad“, sagte er. Und bei der Anmerkung des Piraten-Kandidaten, dass er in einem Betrieb arbeite, der bislang immer nur schwarze Zahlen geschrieben habe, kommentierte Hammers nur: „Dann müssten sie sich als Bürgermeister ganz schön umgewöhnen.“

Zukunftsentwurf

Auf einen vom Diskussionsleiter angeregten Zukunftsentwurf der Stadt Herzogenrath wollte sich keiner der Drei so richtig einlassen, wohl aber auf das Nachdenken darüber, welche Auswirkungen die Doppelfunktion des Bürgermeisters heute noch hat. „Ich weiß nicht, welches System das Bessere ist“, antwortete der Christdemokrat zur Frage, ob Verwaltungsführung und Ratsvorsitz besser getrennt wären oder nicht. Einig war er sich mit Dr. Fleckenstein, dass es ein großer Vorteil ist, wenn der Verwaltungschef die Gedanken aus dem Rat in die tägliche Arbeit einfließen lassen kann. „Das ist Bürgernähe“, so der SPD-Kandidat.

Dass es sinnvoll ist, eine Spitze zu haben, unterstrich auch Pirat Stefan Kuklik. Und so blieb es am Ende der Diskussion der auf der großen Leinwand des Klösterchens zu verfolgenden zweiten Halbzeit des Dortmund-Spiels überlassen, doch noch für mehr Spannung zu sorgen an diesem harmonischen Abend.

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