Übach-Palenberg/Baesweiler - Boscheln und der Schatten der Windräder

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Boscheln und der Schatten der Windräder

Von: Jan Mönch
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Dieses Foto zeigt vier der fünf Windräder, sie ziehen sich östlich der Bundesstraße 57 in Richtung Norden. Foto: Jan Mönch
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Eine Schutzmauer, die auf einem Schutzwall thront: Maßnahmen wie diese in der Brünestraße musste die Schwarz-Gruppe auch aufgrund der Emissionen durch die Baesweiler Windräder treffen.

Übach-Palenberg/Baesweiler. Zu den Klassikern an deutschen Amtsgerichten zählt es, dass Nachbarn sich wegen der Flora ihrer Gärten beharken. Zum Beispiel pflanzt der eine einen Apfelbaum, in dessen Schatten der andere dann sein Dasein fristen muss. Richtig kompliziert wird es, wenn ein Ast über den Zaun in Nachbars Garten ragt. Darf der dann die Säge ansetzen?

Hat er gar das Recht auf einen leckeren Apfel? Immerhin fällt ja auch das Laub in seinen Garten. Kern der Problemstellung ist, dass die Nachteile nicht auf der Seite des Zauns zu halten sind, auf der sie entstehen.

Was dem deutschen Spießbürger der Apfelbaum ist, ist zwischen Kommunen das Windrad. Das lässt sich zurzeit im Bereich der Bundesstraße 57 beobachten, wo die Stadtgebiete von Alsdorf, Baesweiler, Herzogenrath und Übach-Palenberg aneinanderstoßen. Bis auf Übach-Palenberg haben alle diese Städte dort Windräder aufgestellt. Einige befinden sich sehr nahe an Boscheln, das zu Übach-Palenberg zählt.

Wer die Roermonder Straße in Richtung Süden befährt, sieht ganz gut, was gemeint ist: Schon von Holthausen aus sind die Rotoren zu erkennen. Auf Höhe von St. Fidelis sieht man sie bereits riesenhaft über den Dächern emporragen und ihre Kreise in den Himmel malen. Jede Umdrehung wirft ein bisschen Geld für die Betreiber ab. Übertragen auf das Beispiel mit den Apfelbäumen bedeutet das, dass Alsdorf, Baesweiler und Herzogenrath sich über schöne, dicke Äpfel freuen, Schatten und Laub aber fallen auf Übach-Palenberg.

Fünf der Windräder, die auf Baesweiler Stadtgebiet liegen, sollen nun gegen neue Exemplare ausgetauscht werden. Natürlich werden sie moderner und besser sein als die alten. Die Leistung ist zwei- bis dreimal so hoch, dabei laufen sie langsamer und gleichmäßiger. Gegen dieses Vorhaben geht die Stadt Übach-Palenberg hinter den Kulissen schon seit einiger Zeit vor. Es geht um die Lebensqualität der Einwohner, den Wert von Neubaugebieten und auch wirtschaftliche Interessen.

„Erhebliche Bedenken“

Bürgermeister Wolfgang Jungnitsch (CDU) unterrichtete die Stadt Baesweiler bereits im vergangenen Jahr über seine „erheblichen Bedenken“. In Übach-Palenberg bestehe gesteigerter Bedarf nach Wohnbau- und Gewerbeflächen, und die wiederum würden wahrscheinlich in Bereichen liegen, die durch die neuen Windkraftanlagen beeinflusst würden, schrieb der Bürgermeister.

Anfang dieses Jahres legte der Erste Beigeordnete Helmut Mainz nach. Es komme zu Überschreitungen der Werte für Lärmschutz und Rotorschattenwurf. Und der Abstand zur Wohnbebauung werde nicht eingehalten. „Ich appelliere daher an Sie, die Planung in dem dicht besiedelten Raum mit entsprechender Vorbelastung zu überdenken“, schrieb Mainz.

Die Stadt Baesweiler denkt jedoch gar nicht daran. Die dortige Verwaltung kam zu dem Ergebnis, dass man den Bedenken aus Übach-Palenberg nicht folgen sollte, die Politik schloss sich dem an. Es sei wohl richtig, dass Grenzwerte überschritten würden, hieß es im Bauausschuss. Dafür seien aber nicht die eigenen Anlagen verantwortlich, sondern die anderer Städte (womit Herzogenrath gemeint sein dürfte, weil die dortigen Räder noch näher an Boscheln liegen). Die Werte zum Schattenwurf gedenke man durch Abschaltmodule einzuhalten.

Die Anlagen sind auch für die Schwarz-Gruppe (Lidl) ein Problem. Wie Übach-Palenbergs Wirtschaftsförderer Heinz Waliczek in der jüngsten Sitzung des Bauausschusses erklärte, habe der Konzern Millionen in den Schallschutz investieren müssen, und zwar aufgrund der Vorbelastung durch die Windräder. Wer schon einmal die Hunderte Meter langen Wälle mit ihren obenauf sitzenden Mauern betrachtet hat, die die Lidl-Anlagen von ihrer Umgebung abschirmen, ahnt, was gemeint ist. Letztlich bedeutet das nichts anderes, als dass die Industriegebiete für Investoren weniger attraktiv werden.

Miteinander statt gegeneinander arbeiten

Übach-Palenberg steht mit seinen Bedenken nicht alleine da. Auch die Stadt Alsdorf, deren nördliche Ausläufer der Zone recht nahe kommen, fühlt sich brüskiert. Dort fürchtete man, dass die neuen Windkraftanlagen der Nachbarn dazu führen, auf eigene verzichten zu müssen. Nachdem die Auseinandersetzung rund ein halbes Jahr lang auch öffentlich ausgetragen wurde, scheint dort nun aber eine Einigung in Aussicht zu stehen.

Die Anlagen würden demnach zwar nicht, wie ursprünglich von Alsdorf gewünscht, anders positioniert, teilt die Technische Dezernentin der Stadt Baesweiler, Iris Tomczak-Pestel, auf Nachfrage mit. Es sei aber denkbar, dass alle Windräder untereinander immer so geschaltet werden, dass immer nur die mit der gerade höchsten Leistung laufen. Den Übach-Palenbergern dürfte das natürlich recht wenig bringen.

In der Städteregion Aachen, zu der Baesweiler und Alsdorf gehören, wurden zuletzt Stimmen laut, die sich dafür stark machten, solche Reibereien von vornherein zu umgehen. Und zwar durch eine gemeinsame, kreisweite Planung, bei der miteinander statt gegeneinander gearbeitet wird und niemand zu kurz kommt.

Das wäre doch mal ein Beitrag zu einer guten Nachbarschaft.

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