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„Blitz-Marathon”: Schwieriger Spagat an der Laserpistole

Von: Stefan Schaum
Letzte Aktualisierung:
Zu schnell: Dank moderner Tech
Zu schnell: Dank moderner Technik kann der Beamte Temposünder sofort erkennen. Foto: Stefan Schaum

Nordkreis. Auch Traktoren können ziemlich flott werden. Eberhard Unglaube habe schon manchen rasenden Landwirt durch die Baesweiler Parkstraße rauschen sehen. Dann bangt der 66-Jährige jedes Mal um seine vier Enkelkinder.

Kinder, die an der Anliegerstraße wohnen und im verkehrsberuhigten Bereich auch spielen. „Irgendwann passiert da was”, sagt er und erschaudert dabei. „Da darf ich gar nicht dran denken!” Deshalb hat er der Polizei den Tipp gegeben, beim „24-Stunden-Blitzmarathon” auch an der Parkstraße die Laserpistole auszupacken.

Rund um die Uhr wurde ab Dienstagmorgen - punkt 6 Uhr in der Frühe - landesweit gemessen, auch im Nordkreis. An sieben Stellen in Alsdorf, an elf in Herzogenrath, an 16 in Würselen und vieren in Baesweiler. Dort, in der verkehrsberuhigten Parkstraße, geben sich sechs Beamte keine Mühe, sich groß zu verbergen.

Gut sichtbar steht ihr Transporter an der Straße, davor das Stativ mit Laserpistole. Man könnte sagen: Sie möchten den Fahrern eine Chance geben, rechtzeitig das Tempo zu drosseln. „Mit diesen Bereichen tun wir uns in der Tat schwer”, räumt der Einsatzleiter, Polizeioberrat Ralf Mallmann, gleich ein.

Viele wüssten nämlich immer noch nicht, dass dort nicht etwa Tempo 30 gelte, sondern nur Schrittgeschwindigkeit, also bloß knapp sieben Stundenkilometer. „Und selbst die, die es wissen, haben Mühe, dieses Tempo einzuhalten. Die Tachonadel schlägt in diesem Bereich ja noch gar nicht aus.” Würde also knallhart aus dem Verborgenen gemessen, „wären sicher gleich ganz viele Führerscheine weg”.

Es ist ein Spagat zwischen Härte und Milde, den die Beamten da hinlegen. Viele „erwischt” es auch am Dienstag nicht. Nur drei Fahrer werden von den Beamten im Lauf der halbstündigen Messung an den Straßenrand gewunken. Eine ertappte Fahrerin nimmt es mit Humor und zeigt lachend ihren alten DDR-Führerschein vor, der selbst die Beamten schmunzeln lässt.

So einen sehen sie hier nur sehr selten. Die Dame kommt aus Görlitz und bringt eine Freundin nach Baesweiler, die bei ihr Urlaub gemacht hat. Am Ziel muss sie blechen: Knapp über zehn Stundenkilometer hat sie drauf, macht 15 Euro Verwarngeld.

Während der Aktion sprechen die Polizisten Passanten an und wollen wissen, wie schnell man hier wohl fahren dürfe. Häufigste Antwort: Tempo 30!

Deshalb soll die Aktion vor allem der Aufklärung dienen: Hier bitte wirklich nur ganz langsam fahren! Eberhard Unglaube, der das alles aufmerksam verfolgt, hofft darauf, dass solch eine Aktion dafür sorgt, dass langsamer gefahren wird.

So recht glaube er aber nicht daran. Während des Berufsverkehrs ist das am Nachmittag ein beliebter Schleichweg, sagt er. Diesen Hinweis notieren sich die Beamten und sagen: „Vielleicht kommen wir wieder...”

Vorläufiger „Rekordhalter” im Nordkreis war in der Zwischenbilanz der Polizei übrigens ein Fahrer in Würselen. Der wurde nach Abzug der Toleranzwerte mit 51 Stundenkilometern in einer Tempo-30-Zone gemessen. Seinen „Lappen” dürfte der Mann los sein. Denn manchmal geht es nur mit Härte.
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