Bitterböser Sprint auf den Olymp des Neids

Von: Vera Cornette
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Auch so ein Neidobjekt: Das Telefon! In den 50ern wurden jene beneidet, die über ein Telefon mit Verlängerungskabel verfügten - Neid auf die Bewegungsfreiheit war angesagt. Foto: Vera Cornette

Würselen. Horst Schroth ist ein fein gekleideter, wortgewandter Herr, nicht einmal seine Körper„kürze” kann verhehlen, dass er zu den Großen der Kabarett-Szene gehört. Folglich war das Alte Rathaus, wo er mit seinem Programm „Grün vor Neid” gastierte, ausverkauft.

Eine Testamentseröffnung der unlängst verstorbenen Tante und die Querelen mit der angeheirateten Nichte waren die Rahmenhandlung für komische Schwänke und lebenswahre Schilderungen. Begonnen bei der angeheirateten Verwandtschaft („Sie heißt Mandy - Der Name ist Programm”), über Kindergeburtstage, bei denen mindestens Delfinschwimmen geboten werden muss, bis zum Ehrentitel - immenser Neidfaktor! - hielt der Kabarettist dem Publikum augenzwinkernd den Spiegel vor.

„Neidisch sind wir alle, das ist menschlich”, stellte Schroth fest. Auch er sei neidisch gewesen und habe damals seine Eltern gefragt, ob sie das neue Baby nicht zurückbringen könnten, als diese ihm stolz sein Geschwisterchen präsentieren wollten. Fortan musste er mit seiner Schwester teilen, was für Schroth schmerzhaft wurde: „Der Neid rollt wie ein mit Stacheldraht umwickelter Ball durch den Körper.” Für eine bestimmte Berufsgruppe durchaus positiv: „Ganze Scharen von Therapeuten können von den Neid-Patienten gut leben”, so der 62-Jährige.

Manch clevere Idee

Zur besseren Orientierung führte er eine Neidskala ein. Die Tube Senf aus Bautzen wird nach Schrothscher Neidskala mit einer 0 deklariert („will ja keiner haben”), die Designerstiefel sind da schon begehrter und bekommen eine 8. In Höchstgeschwindigkeit trug er die Neidleiter von Frauen vor. Angefangen beim Besitz einer Bulgari-Uhr, wer die hat, möchte eine ganze Sammlung, dafür dann bitte ein schützender Tresor. Nächste Neidleiter-Sprosse: Die Villa an der Elbchaussee. Wer die Villa hat, wünscht sich einen superreichen, attraktiven Ehemann. Dann fehlt noch die Privatinsel in der Karibik. Wer das alles hat, der trifft irgendwann auf die Frau, die den Dalai Lama persönlich kennt - und der all die irdischen Güter nicht braucht.

Nach dem Sprint auf den Neid-Olymp schwelgte er in seiner Kindheit: „Die Zeit nach den Dinos und kurz vor dem MP3-Player, also die 50er Jahre”, erläuterte er. Damals legte sich ein Nachbar einen Fernseher zu, damit aber erst gar kein Neid aufkam, machte der Vater deutlich, dass er sich natürlich auch jederzeit so ein Gerät leisten könnte. Abgehalten sei er schlicht aus pädagogischen Gründen. Kein Wunder also, dass Schroth - immer schon konfrontiert mit dem gesellschaftlichen Neid - über die Jahre auf so manch clevere Idee kam. Die er offenbarte, als er dem Publikum das Steuerthema um die Ohren warf: Wie wäre es denn, würde Steuergeldverschwendung ebenso hart bestrafen wie Steuerhinterziehung?

Nach diversen aktuellen und historischen Themen sowie einem kleinen Ausflug in die englische Sprache offenbarte Schroth die Weisheit: „Geld ist nicht alles - es gibt ja auch noch Kreditkarten.”

Bitterböse, unterhaltsam und superschnell fegte der in Hamburg lebende Kabarettist in seinem zweistündigen Programm über Neid und alles, was damit zusammenhängt, hinweg. Am Ende bekannte er, dass Neid auch eine Triebfeder sei und teilte noch mit, was ihn schon eine ganze Weile beschäftige: Nach dem Tod, wenn man im Paradies unterwegs ist - muss man dann ewig mit den Klamotten, in denen man beerdigt wurde, herumlaufen?
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