Besuch in der Reitschule: „Weißer Riese” sorgt für große Augen

Von: Elisa Zander
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Kennenlernen auf einer anderen Ebene: Martina Reinecke (rechts) führt die jungen Pferde-Narren behutsam an das Volitigier-Pferd „Angelo” heran und erklärt eine Menge zur Pflege und Hygiene der Tiere. Foto: Elisa Zander

Alsdorf. Tropische Schwüle legt sich über den Körper, wenn man den Reitstall betritt. Der Geruch von Stroh und Dung hängt in der Luft. Das Licht ist schwach, durch die Tore am Ende der langen Flure dringt nur wenig Sonne von außen. Ein Schnauben tönt aus der Box, das Geräusch von Hufen, die über Stroh schaben, ist vernehmbar.

Ina bekommt große Augen. Langsam folgt sie - wie fünf andere Kinder - Marita Reinecke. „Das ist Pucky”, sagt die und zeigt auf ein schwarzes Pony, kaum größer als so manches Mädchen, das vor dem Tier steht und es zaghaft streichelt. Pucky bekommt eine Möhre, dann geht die Gruppe weiter zur nächsten Box. Das gescheckte schüchterne Reitpony heißt „Scooby-Doo”. „Das ist ganz kuschelig”, ist Sophia von Fricken überrascht von dem weichen Fell. Der stete Griff nach Mamas Hand lässt nach - die Zurückhaltung ist verflogen.

Langsam und bedacht führt Marita Reinecke, Pächterin der Reitschule Alsdorf auf der Anlage des Reitervereins Alsdorf, unsere Leser an die Pferde heran. Sie erzählt viel Wissenswertes über das Tier und das Verhältnis zwischen Pferd und Reiter. Auf respektvollen Umgang miteinander legt die passionierte Reiterin wert. „Es sind edle, höfliche Tiere, die Menschen nie etwas tun würden”, betont sie.

„Viele Unfälle gehen auf fehlendes Verständnis zurück. Pferde lieben Menschen. Sie würden nie absichtlich auf einen Reiter treten, wenn er runterfällt.” Habe der Reiter jedoch Angst, übertrage sich diese auf das Pferd; „das Reitpferd ist immer der Spiegel des Reiters”. Vor dem Hintergrund nimmt Marita Reinecke die Berührungsängste.

Gemeinsam betritt die Gruppe die große Reithalle. Der rote Sand auf dem Boden ist noch feucht, alle zwei bis drei Tage wird er mit Wasser besprenkelt, damit es nicht staubt. „Das ist auch der Grund, warum die Luftfeuchtigkeit hier so hoch ist”, erklärt Marita Reinecke. Sie deutet auf die „Bahnenpunkte”, das sind Koordinaten, die in jeder Reithalle gleich sind und festlegen, an welcher Stelle etwa bei Turnieren bestimmte Übungen absolviert werden.

„Tür frei?”, ruft jemand von außen, um sicherzustellen, dass ein gefahrloser Eintritt möglich ist. „Bahnregeln” heißt das in der Fachsprache, wie im Straßenverkehr muss man auch im Reitstall Acht geben, was um einen herum passiert. Dann wird das Tor aufgestoßen, herein kommt Rasputin, mit 1,80 Meter das größte Pferd im Stall, auch „weißer Riese” genannt.

Begonnen wird mit dem Aufwärmprogramm. Erst wird Schritt geritten, dann im Trab und schließlich Galopp. Die jungen Frauen, die regelmäßig auf der Anlage reiten und dort ihre Pferde haben, demonstrieren etwa die Grundhaltung im „Leichttrab”. „Seht ihr”, zeigt Marita Reinecke, „sie stehen auf und setzen sich wieder. Damit werden die Rücken von Tier und Reiter entlastet. Vernünftiges Reiten hat auch etwas mit Gesunderhaltung zu tun.”

Immer mehr Tiere werden in die Halle geführt, darunter Angelo, ein Voltigier-Pferd. Die Mädchen schauen ihm hinauf. Bei einigen kehrt die Schüchternheit zurück, aber Lilly Rimbaut ist mutig. Sie will als Erste aufsitzen. Ein Grinsen breitet sich auf ihrem Gesicht aus. „Willst du mal eine Übung probieren?”, fragt Marita Reinecke und hilft ihr bei der so genannten „Mühle”. Dabei werden die Beine des Reiters nacheinander von einer Seite auf die andere gedreht, bis eine 360-Grad-Drehung vollendet ist.

Dann kniet sich Lilly auf Angelo, stellt sich sogar hin. Ihre Patentante Nele Rimbaut bekommt große Augen: „Das hätte ich nie gedacht, dass sie das sofort macht.” Jeder darf ausprobieren, niemand muss. Probieren will das auch unbedingt eine andere kleine Teilnehmerin. Die Neunjährige hat zwar verquollene Augen, „Pferdehaar-Allergie” vermuten die Experten. Aber das hält das Mädchen nicht von ihrem großen Wunsch ab, sich einmal auf ein Pferd zu setzen, Schritt und nachher sogar Trab zu reiten. Ihre Augen strahlen. Während einige auf Pucky oder Rasputin durch die Halle geführt werden, versucht sich Jana auf Angelo im Galopp - und es gelingt.

Ihre Mutter Michaela Goebels bekommt beim Zusehen ein mulmiges Gefühl: „Ich habe schon Respekt vor den Tieren ...” Ihre Augen sollen noch größer werden, nämlich als Marita Reinecke ein kleines Hindernis an die Bande legt, über das Angelo nun springen soll. Jana jauchzt. „Das wackelt ein bisschen”, erzählt sie. „Angst hatte ich nicht. Es hat Spaß gemacht.”

Auch ihre Schwester Ina will es versuchen. Die Stallpächterin nickt anerkennend. Sie hat mittlerweile einen Blick dafür, wer sicher auf einem Pferd sitzt und gerne etwas ausprobieren möchte.

Wie beim Mensch gibt es auch bei Tieren Talent-Tendenzen. „Einem Pferd kann man viel beibringen, aber aufzwingen kann man ihm nichts”, betont Reinecke.

Dass zum Reiten auch Pflege und Hygiene gehört, vermittelt sie eindringlich. Ein Hinweis, den vor allem die Erziehungsberechtigten wichtig finden. Die Pächterin führt die Gruppe in die Sattelkammer, zeigt diverse Satteltypen, erklärt Einsatzbereiche, ebenso beim Zaumzeug. Die Kinder sind langsam erschöpft, über zwei Stunden intensive Reit-Einführung sind anstrengend. Aber alle haben Feuer gefangen. Und Lilly will direkt loslegen: „Mit Turnierunterricht!”
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