Alsdorf - Berufskollegs wollen ganz persönliche Potenziale wecken

Berufskollegs wollen ganz persönliche Potenziale wecken

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Alsdorf. Alexander ist 19 Jahre alt, hat den Hauptschulabschluss nicht geschafft, verfügt über mangelhafte Kenntnisse im Schreiben und Lesen, kann sich allerdings mündlich in der deutschen Sprache verständigen, mit dem Rechnen - oder wie seine pädagogischen Betreuer sagen: mit der mathematischen Basiskompetenz - hapert es aber wieder.

Seine sozialen Kompetenzen wie Kommunikationsfähigkeit, den angemessenen Umgang mit Konflikten, die Teamfähigkeit und Umgangsformen nehmen ihn für sich ein. Erfunden ist der Name, untypisch sein Leistungsniveau leider nicht.

Alexander kommt aus einem zerrütteten Elternhaus, das ihm nur wenig Hilfe beim Start in das Berufsleben mitgeben konnte, er ist leider kein Einzelfall und zählt zur Gruppe derjenigen jungen Menschen, denen Pädagogen bescheinigen, sie seien „funktionale Analphabeten” - wie Tausende anderer Absolventen, die jedes Jahr mit deutlichen Defiziten im Bereich der Grundfähigkeiten Lesen, Schreiben und Rechnen die Schulen verlassen.

In einer zunehmend technisierten Gesellschaft, in der einfach zu bewältigende Arbeitsplätze immer mehr abgebaut werden, haben sie denkbar schlechte Chancen.

Und genau hier setzte der Workshop „Förderplanung und Kompetenzfeststellung” an, der im Berufskolleg Alsdorf zum Thema Fördermaßnahmen stattfand. Dort stellten Karoline Pelzl und Norbert Schultze vom Bildungswerk der Hessischen Wirtschaft in Darmstadt ihre Ansätze vor, wie man jungen Menschen helfen kann, Tritt zu fassen auf einem immer komplizierteren und komplexeren Arbeitsmarkt, obwohl die eigenen Fähigkeiten eher bescheiden sind. Wichtig war ihnen zunächst, nicht nur die Defizite zu benennen, sondern die jungen Leute daraufhin zu untersuchen, welche Kompetenzen sie mitbringen, welche Potenziale es zu sichern gilt.

Kollegialer Erfahrungsaustausch

In dieser Frage stehen die Vertreter von Fördermaßnahmen wie „Fit in Ausbildung und Beruf” (FAuB) oder Maßnahmen der „Berufsvorbereitung” (BVB) vor just denselben Problemen wie die Kollegen im Förderbereich des BK Alsdorf oder in Jülich, wenn sie die Berufsschule für Schüler ohne Ausbildungsverhältnis anbieten.

Was lag also näher, als einen kollegialen Erfahrungsaustausch zu organisieren und einmal zu sehen, welche Verfahren zur Kompetenzfeststellung bei Jugendlichen hilfreich sein können? Angebahnt und vermittelt hat dieses Seminar Helmut E. Klein vom Institut der deutschen Wirtschaft Köln, der mit seiner Mitarbeiterin Dr. Schöpper-Garbe bereits seit Mitte des Jahres mit Kolleginnen und Kollegen beider Berufskollegs in einem vom BMBF geförderten Verbundprojekt „Chancen erarbeiten” erfolgreich kooperiert.

Zum Inhalt: Bereits einfache Tests geben Einblick in die Fähigkeiten jugendlicher Probanden, so etwa indem Schüler Kartei-Registerkarten sortieren, mit Skalpellen Formen aus Papier schneiden oder zeichnerisch symmetrische Formen vervollständigen. Als besonders interessant erwies sich für die Kollegen der Berufskollegs die Einführung in den „Culture Fair Test”, den „Grundintelligenztest”, den Karoline Pelzl vorstellte. Daraus ergaben sich lebhafte Diskussionen, von denen beide Seiten profitierten, Anregungen erhielten, die Perspektiven eröffneten und Wege wiesen, wie man benachteiligten Jugendlichen wie Alexander und anderen einen Zugang zum Arbeitsmarkt bieten kann. Wie Jugendliche ganz handfest ihre praktischen Fähigkeiten unter Beweis stellen können, hatte zu Beginndie hauswirtschaftliche Abteilung des BK Alsdorf demonstriert: Die jungen Leute hatten zur Stärkung ihrer Pädagogen ein kleines Büffet mit einem Imbiss bereitet, das auch höheren kulinarischen Ansprüchen durchaus genügte.

Insgesamt ergab sich ein Nachmittag mit Diskussionen über Bewertung und Nutzen diagnostischer Verfahren zur Förderplanung und Kompetenzfeststellung, der bis zum Schluss spannend blieb und den Beteiligten über den Tag hinaus Stoff zum Nachdenken und eigenem Nachtun geben wird.
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