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Berufsbild Erzieherin: Arbeitsauftrag umfangreicher geworden

Von: nt
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Geballte Kompetenz bei der Diskussionsveranstaltung in Würselen: Die erfahrenen Leiterinnen von Kindertageseinrichtungen, Melanie Carduck (l.) und Renate Rütters, teilten ihre Sicht der Dinge mit den Besuchern sowie Interessenvertretern der Politik und gaben Vorschläge zur Qualitätsverbesserung. Foto: Nadine Tocay

Würselen. Wie hat sich das Berufsbild der Erzieherin in den letzten Jahren entwickelt? Wie kann man frühkindliche Bildung qualitativ verbessern? Und: Wie wird das Kinderbildungsgesetz weiterentwickelt? Diese Fragen sind jetzt im Euregio-Kolleg bei einer Vortrags- und Diskussionsveranstaltung, zu der die SPD geladen hatte, diskutiert worden.

Unter dem Motto „Von der Betreuung zur Bildung – Kita-Alltag in Würselen“ teilten Melanie Carduck, Fachbereichsleiterin der DRK-Kindertagesstätten in der Städteregion, und Renate Rütters, Leiterin des Familienzentrums „Lebens-Spiel-Raum“, ihre Erfahrungen mit den rund 30 Interessierten. Vor allem der Alltag in den Einrichtungen habe sich verändert, waren sich beide einig. Der Arbeitsauftrag sei umfangreicher geworden.

„Wir haben es mit einer veränderten Klientel zu tun“, erklärte Carduck. Man müsse sich mehr auf die unterschiedlichen Kulturen einlassen, soziale und entwicklungstechnische Defizite erkennen und in den U3-Gruppen für frühkindliche Bildung sorgen. Dazu sind gut geschulte Mitarbeiter nötig. „In der Praxis ist es aber leider so, dass wir einen erheblichen Mangel an qualitativ gut Ausgebildeten und Fachkräften haben“, bedauerte sie ausdrücklich.

Hier sehe sie die Politik im Zugzwang und wünsche sich bei der Ausbildung eine bessere Förderung, auch auf finanzieller Ebene. Rütters ergänzte: „Das Finanzielle und die Gesetze sind ein guter Grundstein, aber in der Praxis fühlt man sich oft vergessen.“ Die Anerkennung für den Beruf ließe zu wünschen übrig. Dabei sei es schon lange nicht mehr nur „betreuen und ein bisschen spielen“, wie sie es nannte.

Früher habe man der Entwicklung der Kinder vertraut, heute werde alles mit Beobachtungsbögen klinisch genau überprüft. „Man merkt, dass sich in den letzten Jahren eine Angst bei den Eltern breitgemacht hat: Wie soll mein Kind in der Leistungsgesellschaft standhalten?“, berichtete Rütters. Es sei eine Unruhe in der Bildungslandschaft entstanden und damit die unnötige Hysterie, als könne ein falscher Kindergarten „dem Kind die Karriere nehmen“.

Kinder werden in Englisch geschult, teils in Französisch. Hinzu kommen physikalische und motorische Erziehung sowie Medienkompetenz-Schulungen. Für die Erzieher bedeute dies einen enormen Aufwand, bedauerte die Leiterin. „Darüber hinaus gibt es erweiterte Betreuungszeiten, mehr Kinder, die in der Mittagsbetreuung bleiben, Elternabende, Besprechungen, Ausflüge und so weiter.

Eine meine Erzieherinnen fragte mich vor Kurzem: Wann sollen wir denn auch noch die Vor- und Nachbereitungen machen?“ Die Zeit für Bürokratisches und das Personal seien zu knapp bemessen. Hier wünsche man sich mehr Einsatz seitens der Politik. Der jugendpolitische Sprecher der SPD-Landtagsfraktion, Wolfgang Jörg, der als Gastreferent eingeladen war, nahm sich die Anregungen zu Herzen. Er berichtete, man arbeite an einem neuen Gesetz.

Ein Referentenentwurf stehe vermutlich im Herbst 2017 fest. Darin sei auch der Punkt des Bürokratieabbaus vorgesehen. Darüber hinaus hob er vor allem den Schritt zur Elternbeitragsbefreiung in den Vordergrund. „Denn das ist wichtig und richtig“, so Jörg.

Durch den Elternbeitrag existiere eine strukturelle Benachteiligung für Familien – vor allem in der Mittelschicht. Das gelte es zu ändern. Auch für eine neue Planungssicherheit setze man sich ein. „Es kann nicht sein, dass die Planungen für den Bedarf an Plätzen in den kommenden Jahren aufgrund von Elternbuchungen berechnet werden“, argumentierte er. Trotz des demografischen Wandels erhöhe sich der Bedarf, insbesondere in der U3-Betreuung, erkennbar konstant.

Den Punkt der familiären Entlastung bestärkte auch die Landtagsabgeordnete Eva-Maria Voigt-Küppers: „Die Eltern haben meistens einen hochanstrengenden Alltag, gehen arbeiten.“ Hier müsse das Land eine größere Unterstützung bieten. Veränderungen durch einen Gesetzesbeschluss würden im August 2018 in Kraft treten. Finanzierungsmöglichkeiten wurden nicht erläutert. Zum Abschluss der Diskussion kehrte Rütters noch einmal auf den Leistungsdruck zurück: „Manchmal ist weniger mehr. Vielleicht ist der Anspruch über die Jahre viel zu hoch geworden und man sollte sich wieder auf das Wesentliche fokussieren und das Kind Kind sein lassen.“

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