Benefizkonzert:„Wunderbarer Beweis für gelebte Inklusion“

Von: Conny Stenzel-Zenner
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Machten beste Stimmung auf Burg Wilhelmstein: Die „Rasselbande“ und Kabarettist Jürgen Beckers. Foto: Conny Stenzel-Zenner

Würselen. Gänsehaut. Die gab es nicht, weil es zuerst regnete und eigentlich immer kälter wurde. Die gab‘s auf der Burg Wilhelmstein bei ziemlich vielen der rund 500 Besuchern. Gänsehaut machten nämlich die Lieder der „Rasselbande“, der Musik- und Rhythmusgruppe der Caritas Lebenswelten, die gemeinsam mit Jürgen Beckers und Alice Eßer auf die Bühne traten, um zu unterhalten.

Das Benefizkonzert zu Gunsten des Caritas-Behindertenwerks sollte Geld in die Kassen des Fördervereins spülen. Das tat es, aber es machte auch Gänsehaut.

Sie sangen und begleiteten als Rhythmus-Gruppe „Du kannst nicht immer 17 sein“, „Er gehört zu mir“ und „Flieger“. 28 erwachsene geistig behinderte Menschen rissen als „Rasselbande“ mit, machten gute Laune, verbreiteten ein Gemeinschaftsgefühl, das es nur gibt, wenn sich alle einig sind. „Bei Menschen mit geistiger Behinderung nimmt die Musik in der Regel einen sehr hohen Stellenwert ein“, wusste Werner Breuer, Vorsitzender des Fördervereins des Caritas-Behindertenwerks.

Gesungene Wörter seien klar artikulierbar und Melodien prägen sich ein und schaffen ein Wortgefühl. „Auch wenn das Rhythmusgefühl mal mehr, mal weniger ausgeprägt ist, so überwiegen die Freude und die Stimmung – und machen diese kleine Defizite wett“, erklärte Ex-Bürgermeister Breuer noch und war sich selbst schnell sicher: „Es sind gar keine Defizite mehr zu hören.“ Wie auch. Die Besucher in den Reihen sangen mit, klatschten, freuten sich und bekamen Gänsehaut.

„Wenn wir von Inklusion reden, davon, dass Behinderte und Nicht-Behinderte gemeinsam etwas erreichen, dann ist diese Veranstaltung ein wunderbarer Beweis für gelebte Inklusion“, urteilte Caritas Geschäftsführer Michael Doersch, der die Eintrittskarten für einen kurzweiligen, nicht enden wollenden Abend natürlich auch gekauft hatte. „Die Gelder des Fördervereins fließen zu einhundert Prozent den Mitarbeitern unserer Werkstätten zu“, freute sich Doersch.

Das tat er auch, als Jürgen Beckers alias Jürgen B. Hausmann auftrat. Der echte Rheinländer aus Alsdorf. „Er hat mir gesagt, falls ich ihn brauche, würde er kommen“, sagte Werner Breuer, der seinen Freund Jürgen schätze, wegen seines Humors, aber auch wegen des kostenloses Einsatzes zugunsten des Fördervereins.

Momente der Freude

Während sich die Kälte langsam über die Rücken der Besucher schlich, erzählte Jürgen Beckers vom Wetter: Von den vergangenen acht Monaten, in denen Winter war, jeder seinen Nachbarn hat Schnee schippen sehen, in denen die Männer froh waren, keinen Rasen mähen zu müssen. „Dann passierte samstags auch nichts. Das Gras konnte nicht gemäht werden, weil es noch viel zu kalt war. Weil es noch viel zu früh war. Bis ein Tuppes in der Nachbarschaft angefangen hat, den Rasen zu mähen... Und dann musste jeder raus.“

Er sprach es in der Sprache, die jeder in der Burg verstand. Er erzählte es frei heraus, erzählte über Alltägliches und erntete gute Laune. Manchmal sang er, begleitet von Harald Claßen. Beide begeisterten, wie auch Alice Eßer. Die Aachenerin, die längst in Köln wohnt, sang Lieder von Trude Herr, von Zarah Leander. Sie sang mit ihrer wandlungsfähigen Stimme und ihren eigenwilligen Interpretationen. Sie überraschte das Publikum und nahm die Mitglieder der „Rasselbande“ mit. Sie sang herzzerreißend gemeinsam mit Michael, Holger und Marcel. Die bewiesen, dass gesungene Wörter wirklich klar artikulierbar sind. Sie begeisterten nicht nur, sie machten auch Gänsehaut.

Immer wieder sprangen die Zuschauer von ihren Plätzen. Immer wieder gab es Momente der Freude. Es sollte ein Abend werden, der nicht enden sollte. „Mit dem Erlös werden gezielt Ferien- und Freizeitmaßnahmen ermöglicht, die betreuungsintensiv und durch die Ansprüche an Fahrzeuge und Unterbringungsmöglichkeiten teuer sind und ohne Förderung durch den Verein kaum möglich wären“, sagte Werner Breuer, der sich besonders über die spontanen Spender an dem Abend freute.

Aber auch über die Gänsehaut, die vor allem die Lieder mit der „Rasselbande“ machte.

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