Würselen - Beim „Fitathlon” ist Köpfchen gefragt

Beim „Fitathlon” ist Köpfchen gefragt

Von: Daniel Gerhards
Letzte Aktualisierung:
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Das Ziel fest im Visier: beim Bogenschießen brauchen die Fitathleten Ruhe und Ausgeglichenheit.

Würselen. 1980 boykottierten viele westliche Staaten die Olympischen Spiele in Moskau. Das war die Geburtsstunde des Fitathlon. Damals beschloss Elano Boddenberg, mit Freunden eine eigene Olympiade zu veranstalten - den Bretonischen Zehnkampf.

Die jungen Männer trafen sich auf der französischen Insel Belle Ile und maßen sich in Disziplinen wie Speerwerfen mit selbstgeschnitzten Astspeeren, Kajakrennen auf dem Meer oder Diskuswerfen mit runden Frühstücksbrettchen.

Nun stellte Altmeister Boddenberg seine Fitness erneut unter Beweis. Allerdings nicht mehr mit Astspeer und Wurfbrett, sondern bei den neu ausgerichteten Disziplinen des Fitathlon.

Der Lehrer des Alsdorfer Gymnasiums hat den Urwettkampf weiterentwickelt und so für mehr Attraktivität gesorgt. Dauerte der Bretonische Zehnkampf noch zehn Tage, so finden die Fitathleten ihren Sieger heute an einem einzigen Tag. Die Disziplinen sind zwar immer noch exotisch, die Sportgeräte sind aber etwas moderner geworden. Beim Abschluss der Saison, dem Wurmtal-Fitathlon rund um den Teuterhof, standen Softminton, Steinstoßen, Golf-Annäherung, Denksport und ein 3000-Meter-Lauf auf dem Programm. Neben dem Vater der jungen Sportart traten die Führenden der Weltrangliste und der Weltmeister an.

Nicht nur die richtige Technik und die Regeln hat Boddenberg dem Fitathlon-Nachwuchs beigebracht, auch in Sachen Ehrgeiz und Motivation macht er den jungen Athleten um den Alsdorfer Weltmeister Marcel Bause noch einiges vor: Vor seinem letzten Versuch beim Steinstoßen feuert er sich selbst mit einem Urschrei an. Denn er will den Sechs-Kilo-Stein unbedingt weiter als neun Meter stoßen. Die Motivation hat gewirkt: Der Stein landet jenseits der Neun-Meter-Marke. Dass die Besten rund 13 Meter weit stoßen, ist zweitrangig. „Für mein Alter und meine Größe ist das sehr gut”, sagt Boddenberg zufrieden.

Eine starke Leistung in einer Disziplin macht allerdings noch keinen Fitathlon-Meister. Beim Softminton - die Sportart ähnelt dem Badminton - kommt es auf Schnelligkeit und Ballgefühl an. Wer beim Annäherungsgolf eine gute Figur machen will, muss sich konzentrieren und braucht die richtige Technik. Beim Steinstoßen sind Kraft, Technik und Explosivität gefragt. Danach muss man sich sofort fürs Bogenschießen sammeln. Dabei brauchen die Athleten Ruhe und Ausgeglichenheit. „Das gibt ein sehr gutes Gefühl körperlicher und geistiger Einheit”, erklärt Boddenberg.

Die unterschiedlichen Anforderungen der Sportart reizen auch die Athleten. Marcel Bausen: „Die Vielseitigkeit ist das schöne am Fitathlon. Wenn man in einer Sportart nicht so gut ist, kann man das in den anderen wieder aufholen.” Matthias Zowislo, der Weltranglistenerste, schätzt die Kombination der ausgefallen Sportarten. „Softminton, Golf oder Bogenschießen macht man nicht jeden Tag.” Zudem: „Man kennt die Leute langsam, ist den ganzen Tag zusammen und hat viel Spaß. Wenn der Konkurrenzkampf dazu kommt, wird es richtig spannend.”

Nach acht Stunden intensiver sportlicher Anstrengung ist beim Fitathlon Köpfchen gefragt. Die Fitahleten müssen ihr Können in den Bereichen Allgemeinbildung, Visuelles und Logik unter Beweis stellen. Und die Fragen sind ganz schön knifflig. Sie lauten etwa: „Zu welcher Kunstrichtung gehörten Monet und Manet?” Oder: „Wann wurde das World Wide Web erfunden?”

Zum Abschluss wird es noch einmal richtig spannend. Die Athleten haben in allen Disziplinen Zeitgutschriften gesammelt. So ergibt sich die Startfolge für den abschließenden 3000-Meter-Lauf. Wer zuerst durchs Ziel läuft, hat den gesamten Wettkampf gewonnen. Da heißt es, noch mal Kraft und Motivation sammeln. Zowislo: „Nach dem Denksport ist man schlapp. Dann muss man noch mal alle Kräfte mobilisieren.”

Das gelang Andreas Kraut aus Münster beim „Wurmtal-Fitathlon” am besten. Er siegte vor Niklas Mannheims aus Aachen und Frank Beckers aus Warendorf.
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