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Bei den Ehrenamtlern schwelt es mächtig

Von: Markus Bienwald
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Neuer Ärger rund um die Feuerwehr steht ins Haus: Nicht nur, dass sich viele Wehrleute nicht ausreichend gewürdigt sehen, zudem der Nachwuchs unter den Jugendlichen schwindet – jetzt sollen die Löschzüge auch ihre Selbstständigkeit in Sachen Leitung verlieren. Foto: Markus Bienwald
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Befürchten Ungemach durch die neuen Statuten: (v.l.) Detlev Busse (Herzogenrath), Andreas Dovern (Alsdorf) und Ralf Jüsgens (Würselen) möchten die bisherige Struktur mit freiwilligen Leitern behalten. Foto: Markus Bienwald

Nordkreis. Es schwelt etwas bei den Wehrleuten in der Region. Und dabei geht es nicht einmal um persönliche Ausstattung, nicht um den Zustand von Gerätehäusern oder das Einsatzaufkommen für die rund 1500 Angehörigen der Wehren von Alsdorf über Herzogenrath bis Eschweiler, Stolberg und Würselen.

Vielmehr macht den Köpfen der Freiwilligen Feuerwehren vor Ort ein Plan des Verbands der Feuerwehren (VDF) in NRW zu schaffen. „Die geplante Novellierung des Feuerschutzhilfe-Gesetzes sagt aus, dass bei Feuerwehren mit hauptamtlichen Wachen, die Staffelstärke haben, der hauptamtliche Wehrleiter gleichzeitig gezwungenermaßen der Leiter der Freiwilligen Feuerwehr sein soll“, sagt Detlev Busse, Leiter der Freiwilligen Feuerwehr Herzogenrath.

Bisher sind beide Bereiche getrennt. Überdies müssen sich Wehrleiter aktuell alle sechs Jahre einer Anhörung stellen, um festzustellen, ob er noch der richtige Mann an der richtigen Stelle ist.

Überdies, so betonen die Aktiven, würden zurzeit selbstverständlich nur Menschen in die leitende Position gehievt, die aus Sicht der ehrenamtlichen Wehrangehörigen auch wirklich dazu geeignet seien. „Das soll jetzt in eine nur einmalige Anhörung vor der Verpflichtung geändert werden“, erklärt Busse weiter. „Im Prinzip will der VDF damit den Feuerwehren etwas aufdrücken“, bewertet das Andreas Dovern, stellvertretender Leiter der Feuerwehr in Alsdorf.

Das Mitspracherecht der Freiwilligen Wehren werde mit dieser Gesetzesnovelle gänzlich gekappt. Ralf Jüsgens von der Freiwilligen Feuerwehr Würselen betont dazu, dass hier Menschen, die ehrenamtlich ihren Dienst für den Nächsten verrichten, etwas übergestülpt werde, das das Ehrenamt an sich herabstufe.

Kameradschaft innerhalb des freiwilligen Dienstes, da sind sich alle Beteiligten sicher und sprechen ausdrücklich auch im Namen ihrer Kollegen, werde ganz groß geschrieben.

Nun sei vorgesehen, dass ein Hauptamtler in der Stadt, in der sie bei der Wehr angestellt seien auch als Ehrenamtler wirken. Da keine Residenzpflicht bestehe, der Betroffene also durchaus in einer ganz anderen Gemeinde wohnen kann, sehen die Wehrleute nun auch noch große interne Probleme auf sich zukommen. Sie sprechen davon, dass es vielleicht auch Leute geben könne, die per Gesetzesnovelle zum Wehrleiter würden, die nicht das Herzblut ehrenamtlichen Engagements in sich tragen.

Aber sie sprechen auch über neue personelle Einflussmöglichkeiten von Stadträten und Verwaltungen, die durch die Novellierung möglich würden und das bisher unabhängige Wirken für den persönlichen Einsatz einschränken könnten.

Politiker schweigen bisher

Informationen an lokale und überregionale Politiker seien zu der Thematik bereits herausgegangen, doch auch von dieser Seite habe es noch keine Reaktionen gegeben.

So wird nun nach anderen Möglichkeiten gesucht, sich gegen die neue Regelung zu wehren. Die Wehrleute haben dazu eine Petition ins Netz gestellt, auch im sozialen Netzwerk von Facebook werden die Pläne offen diskutiert. „Ich habe die Petition gerade erst online gestellt, und aktuell sind es schon über 116 Unterzeichner, die sich dafür ausgesprochen haben, keine Änderungen vorzunehmen“, freut Busse sich.

Auf der Seite der Unterstützer finden sich Kommentare, die sich mehr als eindeutig pro Ehrenamt aussprechen. „Auch wenn es vielleicht einige Personen nicht hören wollten, eine intakte Gefahrenabwehr und Prävention ist ohne eine Freiwillige Feuerwehr nicht möglich“, ist dort zu lesen. Oder: „Demokratische Elemente wie Meinungsäußerung und Meinungsbildung im Zuge von Anhörungen sollen und müssen in den ehrenamtlich basierenden Feuerwehren erhalten werden“.

Und so wünschen sich die erfahrenen Wehrleute nichts mehr, als dass ihr ehrenamtliches Engagement auch in Zukunft den Stellenwert genießt, den es eigentlich haben sollte. Die Petition im Internet findet sich unter www.openpetition.de/petition/online/keine-aenderung-des-fshg-im-bereich-der-leitung-einer-freiwilligen-feuerwehr.de.

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