Behinderte stoßen in der Alsdorfer Innenstadt an Grenzen

Von: phb
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Zu hoch: Den Busfahrplan kann Jürgen Müller vom Rollstuhl aus kaum erkennen.

Alsdorf. Kurze Grünphasen an den Ampeln, schmale Gehwege mit lockeren Steinplatten, fehlende Rampen an Geschäften: Was für viele Menschen kein Problem darstellt, ist für Menschen mit Mobilitätsbehinderung oftmals eine große Herausforderung. Auch in Alsdorf.

Es gibt viele, oftmals unscheinbare Schwachpunkte, wo Menschen mit Behinderung an ihre Grenzen stoßen. Jüngst haben Mitglieder des Fördervereins Stadtmarketing Alsdorf und Behinderte die Innenstadt genau unter die Lupe genommen.

Jürgen Müller, selber an den Rollstuhl gebunden und Beirat des Rates der Stadt Alsdorf für Menschen mit Behinderung: „Wir betreiben Bewusstseinsbildung, denn allen Menschen muss bewusst werden, dass morgen schon der Rollstuhl für sie das einzige Fortbewegungsmittel sein kann oder eine andere Behinderung ihr Leben verändert, aber es dennoch eine Zukunft mit der Behinderung gibt.”

Ob es Busfahrpläne sind, die einfach zu hoch hängen, oder fehlende Absenkungen an Gehsteigen - vieles würde sich mit geringem finanziellem Aufwand ändern lassen. „Wenn man denn wollte. Wir wollen Politiker, Geschäftsleute und Privatpersonen deshalb animieren, Gebäude, Straßen, Plätze, Kinos und Säle Rollstuhl- und Rolatorgerecht zu gestalten. Denn man sollte sich bewusst sein, dass jede Stufe, jeder zu enge Gebäudeeingang uns ausschließt und uns sagt: Hier kannst du nicht hinein, hier bist du nicht erwünscht!”

Schwerpunkt

Zwölf Prozent aller Menschen müssten mit einer Behinderung leben, so Müller. „Wir versuchen den Schwerpunkt unseres Lebens nicht auf das zu lenken, was wir nicht mehr können, sondern auf das, was wir noch können. Wir wollen Beispiel sein und Menschen mit Behinderung dazu anregen, auch am öffentlichen Leben teilzuhaben.”

Wie wichtig eine vernünftige Auseinandersetzung bei solchen Anliegen ist, erklärt Peter Steingass, Geschäftsführer des Fördervereins Stadtmarketing Alsdorf und selber beruflich mit der Verkehrsplanung beschäftigt.

„Sinn ist nicht, die Stadt schlecht zu reden. Sie liegt uns am Herzen. Deshalb ist es auch unser Anliegen, konstruktive Vorschläge einzubringen. Wir haben bereits jetzt viel erreicht, aber wir können bestimmt noch viel mehr verbessern - und das mit oftmals geringem finanziellem Aufwand.”

Dennoch scheitere es häufig an Kleinigkeiten oder an einer Kompromissfindung. „Die Mobilität muss vereinfacht und nicht weiter eingeschränkt werden. Dabei kann man es nicht jedem Recht machen: Menschen mit Sehbehinderung hätten gerne kontrastreiche Übergänge, wer schlecht oder gar nicht laufen kann wünscht sich stattdessen eine vollständige Niveauangleichung.”

Dennoch hofft Steingass darauf, Lösungen zu finden, die alle Betroffenen zufrieden stellen. Die ausgearbeiteten Kritikpunkte und Lösungsansätze sollen als Antrag formuliert und bei der Stadt eingereicht werden, so dass vieles vielleicht schon bald umgesetzt werden kann. Schließlich kann jeder einmal vor der Frage stehen: „Wie komme ich sicher auf die andere Straßenseite?”
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