Behinderte stoßen in Alsdorfer Innenstadt schnell an Grenzen

Von: phb
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Nach welchen Kriterien in Deutschland eine Einstufung als „behindert” vorgenommen wird, wird offensichtlich sehr unterschiedlich gehandhabt. Foto: Ilona Rütten-Sieben

Alsdorf. Kurze Grünphasen an Ampeln, schmale Gehwege mit losen Steinplatten und fehlende Rampen an Geschäften. Was für viele Menschen kein Problem darstellt, ist für Menschen mit Mobilitätsbehinderung oftmals eine große Herausforderung.

„Wie komme ich in die Bank? Wie soll ich es mit dem Rollstuhl rechtzeitig auf die andere Straßenseite schaffen?” Es gibt viele solche, oftmals unscheinbare Schwachpunkte, wo Menschen mit Behinderung an ihre Grenzen stoßen. Nicht aus Boshaftigkeit der Verursacher, vielmehr aus Unwissenheit.

Deshalb wurde jetzt gemeinsam mit Mitgliedern des Fördervereins Stadtmarketing Alsdorf und Betroffenen, eine Begehung der Alsdorfer Innenstadt gemacht. Jürgen Müller, selbst an den Rollstuhl gebunden und Beirat des Rates der Stadt Alsdorf für Menschen mit Behinderung, berichtete: „Wir betreiben Bewusstseinsbildung, denn allen Menschen muss bewusst werden, dass morgen schon der Rollstuhl für sie das einzige Fortbewegungsmittel sein kann oder eine andere Behinderung ihr Leben verändert.”

Ob es Busfahrpläne sind, die einfach zu hoch hängen, oder fehlende Absenkungen an Gehsteigen, vieles würde sich mit geringem finanziellem Aufwand ändern lassen, wenn man denn wollte: „Wir wollen Politiker, Geschäftsleute und Privatpersonen dazu animieren, Gebäude, Straßen, Plätze, Kinos und Säle Rollstuhl- und Rolatorgerecht zu gestalten.

Denn man sollte sich bewusst sein, dass jede Stufe, jeder zu enge Gebäudeeingang uns ausschließt und uns sagt: Hier kannst du nicht hinein, vielleicht sogar: Hier bist du nicht erwünscht”, erklärte Müller.

Zwölf Prozent aller Menschen, so auch hier in Alsdorf, müssen mit einer Behinderung leben, informiert Müller. „Wir versuchen, den Schwerpunkt unseres Lebens nicht auf das zu lenken, was wir nicht mehr können, sondern auf das, was wir noch können. Wir wollen Beispiel sein und Menschen mit Behinderung dazu anregen, auch am öffentlichen Leben teilzuhaben.”

Wie wichtig eine vernünftige Auseinandersetzung bei solchen Anliegen ist, erklärte Peter Steingass, Geschäftsführer des Fördervereins Stadtmarketing Alsdorf und selbst beruflich mit der Verkehrsplanung beschäftigt: „Sinn ist nicht die Stadt schlecht zu reden. Sie liegt uns am Herzen. Deshalb ist es auch unser Anliegen, konstruktive Vorschläge einzubringen. Wir haben bereits jetzt viel erreicht, aber wir können bestimmt noch viel mehr verbessern - und das mit oftmals geringem finanziellem Aufwand.” Dennoch scheitere es häufig an einfachen Kleinigkeiten oder an einer Kompromissfindung: „Die Mobilität muss vereinfacht und nicht weiter eingeschränkt werden. Dabei kann man es natürlich nicht jedem recht machen: Menschen mit Sehbehinderung hätten gerne kontrastreiche Übergänge, wer schlecht oder gar nicht laufen kann wünscht sich stattdessen eine vollständige Niveauangleichung.”

Dennoch hofft Steingass Lösungen zu finden, die alle Betroffenen zufrieden stellen. Die ausgearbeiteten Kritikpunkte und Lösungsansätze sollen als Antrag formuliert und bei der Stadt eingereicht werden, sodass vieles vielleicht schon bald umgesetzt werden kann.

Schließlich kann jeder irgendwann einmal vor der Frage stehen: „Wie komme ich sicher auf die andere Straßenseite?”
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