Alsdorf - Baumfäller-Romantik findet auch in Blumenrath Platz

Baumfäller-Romantik findet auch in Blumenrath Platz

Von: Stefan Schaum
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Markus Kohnen nimmt Maß: Der Alsdorfer schätzt es sehr, sich mit der Motorsäge sein Brennholz selbst parat zu machen. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Platz für ein wenig Baumfäller-Romantik ist selbst im kleinsten Waldstück. In der Aufforstung Blumenrath, ganz am hintersten Zipfel der Poststraße, kreischt dieser Tage beinahe ständig eine Kettensäge. Noch stehen dort zahlreiche farblich markierte Bäume, die bis Ende Februar von Hobby-Holzfällern gefällt werden dürfen.

Genauer: Von den Gewinnern der ersten Holzverlosung, die die Stadt Alsdorf gestartet hatte.

„Die Nachfrage nach Brennholz ist derzeit riesengroß”, sagt Johannes Frings, Leiter des Forstbetriebsbezirks Aachen. „Und immer mehr wollen es direkt an der Quelle beziehen.” Nicht im Baumarkt, sondern im Wald. Er ahnt, warum das so ist. „Wer sein Brennholz selbst schlägt, weiß es mehr zu schätzen.”

Vor ein paar Wochen hat Frings in dem Wäldchen zahlreiche Parzellen markiert, die vor Ort in städtischer Regie an Alsdorfer Freizeit-Fäller mit Motorsägen-Führerschein verlost worden sind. Nieten waren dabei nicht im Topf, denn den 35 Parzellen standen knapp 30 Interessierte gegenüber. Die kommen nun recht preiswert in den Genuss von Brennholz: 50 Euro kostete das Los für eine Parzelle, die genug Bäume für rund fünf Raummeter Brennholz liefern dürfte.

Zum Vergleich: Im Baumarkt kostet der Raummeter zwischen 40 und 70 Euro. Und Schweiß investieren die Fäller gern in die Aktion. „Da kommt ganz klar der Naturbursche in mir durch”, sagt Josef Clemes, der sich mit der Säge das Futter für seinen neuen Kachelofen parat macht. Auch als Ausgleich zum Bürojob schätzt er das Hantieren mit der Motorsäge. Das treibt die meisten an, die Ahorn, Esche und Kirsche zuleibe rücken und die zerteilten Stämme mit der Schubkarre zum Hänger fahren. Sie wollen zurück zur Natur.

„Das ist eine Win-Win-Situation”, sagt dazu Karl Becher, Leiter des Fachbereichs Umwelt in Alsdorf. „Die Bäume, die hier weggenommen werden, erlauben den übrigen ein besseres Wachstum. Und die Holzfäller, die hier den Wald durchforsten, bekommen günstiges Holz.” Also ein Gewinn für alle.

Weidenkätzchen aufgetürmt

Wirklich alle? Elisabeth Küppers sieht das ein wenig anders. Ihr Garten grenzt an die Aufforstung. Und sie ärgert sich über das, was sie seit ein paar Tagen dort sieht. „Jemand hat etliche Weidenkätzchen abgeholzt und zu einem Haufen aufgetürmt. Wohl nur, um seine Parzelle bequemer erreichen zu können.” Vielerorts lägen zudem größere Bündel Äste kreuz und quer verteilt, „das sieht mittlerweile unmöglich aus”. Sie zweifelt daher daran, dass es bei den Holzfällern „mit der Liebe zur Natur wirklich so weit her ist”.

Forstamtsrat Johannes Frings sieht solch einen Widerspruch jedoch nicht. „Es ist sogar gut, wenn Holzreste im Wald liegen bleiben, denn sie bieten kleineren Tieren einen natürlichen Schutz. Ein Wald sollte nie wie frisch gefegt aussehen.” Und was die Weidenkätzchen betrifft: „Die stehen nicht unter Naturschutz und wachsen sehr schnell nach. Die Holzfäller können ruhig ein paar davon wegnehmen, um ihre Parzellen zu erreichen.” Auch Karl Becher spricht davon, „dass die Fällung sehr ordentlich abläuft. Wir kontrollieren das regelmäßig. Solch eine Verlosungs-Aktion werden wir bestimmt noch einmal wiederholen”.
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