Bauernhof soll zum Kraftwerk werden

Von: Jule Klieser
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Besuch auf der Baustelle: Seine Pläne für das Kraftwerk hat Energieberater Michael Heerde (Mitte) auch Architekten vorgestellt. Foto: Jule Klieser

Würselen. Michael Heerde hat viel zu tun. Noch bis März wird es wohl dauern, den Wohnbereich in seinem neuen Haus herzurichten. Doch er hat noch mehr vor mit dem stattlichen Bauwerk an der Luciastraße 9. Den ehemaligen Bauernhof will der Bauingenieur und Energieberater zu einer ganz besonderen Energiequelle machen.

„Eine extrem interessante Situation”, beschreibt der Bauherr sein Objekt. Dort gibt es maroden Putz, Feuchtigkeit und Schimmel im Haupthaus. Heerde ist seit Wochen dabei, alles gründlich zu sanieren.

Der Mann hat Energie und ist voller Optimismus. Ins Haupthaus möchte er selber einziehen, eine Wohnung soll vermietet werden. Der Clou des Ganzen: Die ehemaligen Stallungen sollen ein mit Hackschnitzeln betriebenes Blockheizkraftwerk (BHKW) aufnehmen, dessen Kapazität auf mehrere Gebäudeeinheiten ausgelegt ist.

Gerne würde Heerde auch die nahe Kirche, das Pfarrheim, den Kindergarten und die Sporthalle in der Nachbarschaft mit Wärme versorgen. Gespräche habe er bereits geführt, und die erste Resonanz sei positiv. „Alle Beteiligten, auch die Würselener Stadtverwaltung, finden die Idee prima. Umweltfreundliche, regionale Energieversorgung kommt überall gut an.” Für das Verlegen der Leitungen gebe es öffentliche Zuschüsse, den Rest der Finanzierung würde er übernehmen.

Zwar sei die Kirchengemeinde aufgrund der derzeitigen Umstrukturierung zurzeit nicht entscheidungsfähig, doch erwarte er langfristig Zustimmung. „Die können gar nicht anders, als mein Angebot anzunehmen”, sagt er voller Enthusiasmus.

Die geplante musterhafte Energieversorgung auf dem Hof hat jüngst eine Gruppe von Architekten angezogen. Die 15 Leute sind derzeit arbeitslos und machen eine Zusatzausbildung zum Energieberater. Sie hatten mit dem Bauherrn einiges zu diskutieren. Ob beispielsweise in Altbauten eher eine Außen- oder eine Innendämmung der Mauern Sinn ergibt. Oder ob man die etwa zehn Jahre alten Doppelglasfenster so belassen sollte.

Mehr Kraft als Kohle

Durch die Kraft-Wärme-Kopplung habe ein BHKW einen Wirkungsgrad von mehr als 80 Prozent, sagt Heerde. Zum Vergleich: Ein Kohlekraftwerk bringe es auf 43 Prozent. Über sein geplantes BHKW gab Heerde gerne Auskunft. „Es kann Wärme in einem Umkreis von 100 Metern liefern, und es erzeugt Strom, der zunächst ins öffentliche Netz eingespeist und vergütet wird.”

Für die Hackschnitzel ist ein größerer Lagerraum geplant. „Es ist ein umweltfreundlicher und nachwachsender Rohstoff aus der Region und deshalb nicht teuer.” Verwendet werden unter anderem Grünabfälle, die von den Stadtbetrieben eingesammelt werden. „Eine Kilowattstunde vom BHKW kostet eineinhalb bis zwei Cent, mit Gas erzeugte Energie acht Cent pro Kilowattstunde”, rechnet Heerde vor.

Sein Traum ist es, mit einer eigenen Firma Energieversorger für Nahwärmenetze zu werden. Und er träumt weiter: „Es könnten demnächst auch Elektrofahrzeuge bei mir aufgeladen werden, die dann leise und sauber in der Region umherflitzen.”
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