Bald auch Stolpersteine für Baesweiler?

Von: Stefan Klassen
Letzte Aktualisierung:
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Wird in der kommenden Woche in der Stadt Nideggen 19 Stolpersteine verlegen: Künstler Gunter Demnig.

Baesweiler. Sein Markenzeichen ist der breitkrempige Hut, seine Spuren hat er bereits mehr als 32.000 Mal in ganz Europa hinterlassen: Gunter Demnig, Kölner Künstler und Vater der so genannten Stolpersteine. Er erinnert mit seinen Werken – in den Gehweg eingearbeitete Gedenktafeln aus Messing – an die Opfer des Nationalsozialismus.

Seine Auftraggeber kamen bislang unter anderem aus Alsdorf, Herzogenrath und Würselen. Nun soll auch die Stadt Baesweiler hinzustoßen.

Dienstagabend berät und befindet der Ausschuss für Kultur, Partnerschaft, Sport und Vereinsförderung darüber, ob Demnig demnächst auch die Namen jüdischer Menschen aus Baesweiler und Setterich in Messingtafeln einarbeiten soll. Die SPD-Fraktion hatte beantragt, dass die Stadtverwaltung ein solches Vorhaben prüfen und eine Beteiligung der Stadt am Stolperstein-Projekt in die Wege leiten möge.

„Noch eine ganze Menge Arbeit“

„Es ist sehr positiv, dass die Stadt so etwas machen will“, sagt Klaus Peschke, der Geschäftsführer des Baesweiler Geschichtsvereins. Er und seine Kollegen sowie der Geschichtsverein Setterich haben in den vergangenen Wochen auf Anregung der Stadt hin in teils aufwendiger und akribischer Archiv-Arbeit die Namen von zehn jüdischen Familien mit 42 Personen sowie von zwei Einzelpersonen recherchiert, die dem Terror des nationalsozialistischen Regimes zum Opfer gefallen waren. Diese Menschen wurden verschleppt und ermordet, sollen aber nicht vergessen werden – weshalb auch Heinz-Josef Keutmann, Vorsitzender des Geschichtsvereins Setterich, das Stolperstein-Projekt unterstützt: „Wir haben im Verein lange darüber gesprochen und sind dafür, dass diese Menschen einen Namen bekommen.“

Es sei wichtig, die Schicksale der NS-Opfer herauszuarbeiten und der Nachwelt darzustellen. „Das ist aber noch eine ganze Menge Arbeit“, betont Keutmann. Er und seine Kollegen hatten zu diesem Thema bereits eine Ausstellung konzipiert, die 2009 in den Rathäusern gezeigt wurde. Auf den deshalb vorliegenden Daten können die Geschichtsforscher- und Heimatforscher nun aufbauen. Die Erkenntnisse könnten nicht nur dem Stolperstein-Projekt zugute kommen, sondern auch in ein Buch einfließen, das der Geschichtsverein plant. Auch ein spezieller Arbeitskreis ist gegründet worden. Genau solche Prozesse will die Baesweiler SPD mit ihrem Stolperstein-Antrag anstoßen: „Im Gegensatz zu anderen Städten auch in unserer Region wird in Baesweiler noch zu wenig getan, um die Erinnerung an die Opfer zu bewahren“, begründet die Fraktionsvorsitzende Gabi Bockmühl. Demnigs Stolpersteine seien „ideal, um Menschen in ganz alltäglichen Situationen im öffentlichen Raum an dieses dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte zu erinnern“.

Ganz wichtig: Die Schulen, so schlägt es die SPD in ihrem Antrag ebenso wie die Stadtverwaltung in ihrer Vorlage für die heutige Fachausschuss-Sitzung vor, sollen in das Projekt mit einbezogen werden. Am Städtischen Gymnasium etwa gibt es bereits Erfahrung mit dem Themenkomplex: Dort war vor einigen Jahren von einer Politik-AG „Das Leben der jüdischen Familie Rosenblatt in Baesweiler“ , die Im Kirchwinkel wohnte, nachgezeichnet worden. Auch darauf kann man hervorragend aufbauen. Klaus Peschke jedenfalls mag sich vorstellen, das Stolperstein-Projekt nicht nur mit anzuschieben, sondern „sehr, sehr gerne weiter zu begleiten. Geschichte lebendig zu halten, das ist unsere Aufgabe“, betont der Geschäftsführer des Geschichtsvereins Baesweiler. Für ihn steht fest: „Wir würden uns freuen, von der Stadt daran beteiligt zu werden, und werden gerne mitmachen.“

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