Baesweiler zieht Bilanz nach dem NKF-Gesetz: 66,5 Mio. Euro Eigenkapital

Von: Silvia Kurth
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Baesweiler. „Dass wir nicht jedem kurzfristigen Wunsch Rechnung getragen haben”, zahlt sich für Baesweiler langfristig aus.

Bürgermeister Dr. Willi Linkens muss kein Orakel bemühen, um sagen zu können, dass „eine durchaus positive Weiterentwicklung möglich sein wird”. Er blickt einfach in das neue Zahlenwerk, das nun vorgelegt worden ist: die Eröffnungsbilanz nach dem „Neuen kommunalen Finanzmanagement” (NKF).

Wer von den Kommunen im Land seine Hausaufgaben gemacht hat, der hat es schwarz auf weiß, wie reich oder wie arm er ist. Denn der hat die Umstellung von der bis dato in Verwaltungen üblichen Buchführung, der Kameralistik, auf die kaufmännische geschafft, die mehr Wahrheit und Klarheit verspricht.

Sie ist durch das zum 1. Januar 2005 in Kraft getretene NKF-Gesetz verpflichtend geworden, wobei den Kommunen eine vierjährige Übergangsfrist eingeräumt worden ist.

Die Stadt Baesweiler ist die erste im Kreis Aachen, die eine Eröffnungsbilanz vorlegen kann. Wie in jedem Unternehmen üblich, zeichnet die neue doppelte Buchführung ein genaueres Bild der tatsächlichen Finanzlage als die alte Kameralistik.

Eine Stadt, die ein Gebäude verkauft, kann sich nicht mehr einfach den Erlös auf die Haben-Seite buchen - der Sachwert der Immobilie verschwindet dann natürlich auch aus der Bilanz.

Auch der Wertverlust von Gebäuden, der bislang erst schmerzlich bewusst wird, wenn unbezahlbare Sanierungsmaßnahmen anstehen, muss jetzt nachvollzogen werden.

Nach der großen Bestandsaufnahme, die der Eröffnungsbilanz vorangegangen war, werden die Werte nun jedes Jahr fortgeschrieben „und nach spätestens drei Jahren vor Ort in Augenschein genommen”, erläutert Bürgermeister Dr. Willi Linkens das Verfahren.

Fünf Jahre hat die Kämmerei unter Leitung von Leobert Schmitz in Zusammenarbeit mit den Fachämtern an der Bilanz gearbeitet, begleitet von einem Wirtschaftsprüfungsinstitut.

Das Ergebnis wird mit einem gewissen Stolz betrachtet: „Wir gehen daraus mit einem Eigenkapital von 66,5 Millionen Euro hervor”, erklärt Linkens.

Teil dieses Eigenkapitals ist die sogenannte Ausgleichsrücklage von rund neun Millionen Euro. Sie stellt eine Art bilanzierten Dispokredit dar, von dem die Stadt Baesweiler aber die Finger lassen will.

„Neun Millionen Euro sind sehr schnell weg.” Andere Städte wären froh, wenn sie soviel hätten... Auch Kassenkredite, dem Dispokredit vergleichbar, will Baesweiler in diesem Jahr nicht in Anspruch nehmen.

Mit Blick auf andere Kommunen, die ihr Konto mal eben um 60 Millionen Euro überziehen müssen, meint Linkens: „Das würde uns keine Nacht Schlaf mehr ermöglichen.”

Schlaflose Nächte haben sich die Baesweiler im wahrsten Sinne des Wortes erspart. Trotz der Millionenabschreibungen für die Abnutzung von Vermögenswerten steht für 2009 unter dem Strich noch ein Überschuss von 220.000 Euro, „nach altem Haushaltsrecht wären es 2,4 Millionen gewesen”.

Das Zahlenwerk, das nun noch in eine gründliche Prüfphase geht, bevor es endgültig den Segen des Stadtrates erhält, hat in den Augen von Kämmerer Leobert Schmitz eine geradezu moralische Aussagekraft.

„Wir können überblicken, dass wir in der Lage sind, unseren Verpflichtungen für Zinsen und Tilgung nachzukommen. Wir erfüllen die Erfordernisse der Generationengerechtigkeit.”
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