Baesweiler Stadtbrandmeister warnt vor „Böllern“

Von: Stefan Schaum
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Rechnet mit Einsätzen in der Silvesternacht: Stadtbrandinspektor Dieter Kettenhofen. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Silvester ist immer auch ein Risiko. Denn für die Feuerwehren bedeuten viele Böller vor allem eines: Brandgefahr. Über häufige Einsätze und Sicherheitsregeln spricht Stadtbrandinspektor Dieter Kettenhofen im Interview.

Freuen Sie sich auf die Silvesternacht – oder denken sie schon mit Bangen an die Zeit nach Mitternacht?

Kettenhofen: Ich freue mich darauf – wie auch auf alle anderen Feiertage. Ich sitze bestimmt nicht zu Hause und denke: Gleich passiert bestimmt was! Wenn der Alarmpieper piept, dann piept er. Und dann werden wir reagieren.

Gibt es an Tagen wie Silvester eigentlich so etwas wie ein Nüchternheitsgebot für die Helfer?

Kettenhofen: Nein. Wir haben ja eine freiwillige Feuerwehr – da kann man niemanden zwingen, auf ein Glas Sekt oder Bier zu verzichten. Das muss ja auch nicht sein. Bei gut 170 Feuerwehrleuten in der Stadt finden sich immer genug, die zu einem Einsatz kommen können.

Ist denn zu erwarten, dass Sie in der Nacht raus müssen?

Kettenhofen: Ich rechne damit. In den vergangenen Jahren war eigentlich immer etwas. Ein bis drei Einsätze im Schnitt. Und immer kurz nach Mitternacht. Nur beim Jahrtausendwechsel ist es erstaunlicherweise ruhig geblieben, damals war gar nichts.

Wahrscheinlich hatten sich seinerzeit alle mit Vorräten daheim verschanzt und auf den befürchteten „Milleniums-Crash“ gewartet.

Kettenhofen: Kann gut sein (lacht).

Alle Jahre wieder wird vor unvorsichtigem Umgang mit Silvesterknaller gewarnt – und alle Jahre wieder passiert dennoch etwas. Wie kommt das bloß?

Kettenhofen: Da spielen viele Faktoren eine Rolle. Alkohol ist einer. Wer in angetrunkenem Zustand mit Krachern hantiert, ist oft zu unvorsichtig. Und die Gebrauchsanleitung liest auch kaum jemand wirklich. Das sollte man aber frühzeitig tun – und nicht erst fünf Minuten vor Mitternacht, wenn man schon etwas intus hat.

Wie steht es mit den „Import-Böllern“, die oft viel stärker sind als die hierzulande verkauften? Ist das immer noch ein großes Thema?

Kettenhofen: Oh ja, die werden immer noch eifrig gekauft und benutzt. Ob das jetzt aus Unwissenheit ist, oder weil die Leute diese Kracher ganz speziell haben wollen, spielt eigentlich keine Rolle. Aber die darf man nie unterschätzen, die haben eine wesentlich höhere Sprengkraft. Mein Tipp: Immer auf die aufgedruckten Prüfzeichen achten.

Prüfzeichen?

Kettenhofen: Ja. Wenn keine auf der Verpackung sind, sollte man ohnehin die Finger davon lassen. Ansonsten gilt: Feuerwerkskörper der Klasse I können auch von Kindern und Jugendlichen unter Aufsicht benutzt werden, die der Klasse II nur von Erwachsenen. Und wenn Klasse III oder IV draufsteht, ist das nur etwas für erfahrene Pyrotechniker. Diese Dinger würde selbst ein Feuerwehrmann nicht anpacken. Wenn wir so etwas finden, fragen wir die Polizei an, damit ein Experte verständigt werden kann.

Werden heute mehr Böller gezündet als vor ein paar Jahren?

Kettenhofen: Mehr vielleicht nicht – aber immer früher. Das Gesetz ist im Grunde klar: Silvesterkracher dürfen ab Mitternacht bis zum Neujahrsmorgen gezündet werden. Aber mittlerweile hört man schon Tage vor dem Fest immer wieder mal Kracher. Vielleicht sind das noch Restbestände aus dem vergangenen Jahr oder Sachen, die jemand im Internet bestellt hat. Das erhöht natürlich das Risiko, dass schon vor der Silvesternacht etwas passiert.

Was sind denn aus Sicht der Feuerwehr die größten Risiken?

Kettenhofen: Gefährlich wird es immer dann, wenn ein Kracher nicht richtig kontrolliert wird. Der klassische Fall: Eine Rakete oder ein Böller driftet ab und landet auf einem Balkon, auf dem etwas Brennbares liegt. Das bekommt niemand mit – und schon steht da etwas in Flammen. Solche Einsätze beschäftigen uns häufiger.

Auch Schlimmeres?

Kettenhofen: Vor ein paar Jahren hatten wir einen Wohnungsbrand gleich nach Mitternacht. Die genaue Ursache wurde zwar nie geklärt – aber auch da können Knaller im Spiel gewesen sein.

Wie kann man sich denn vor solchen „Irrläufern“ schützen?

Kettenhofen: Es ist sinnvoll, schon tagsüber nachzuschauen, ob rund um das Haus oder die Wohnung Sachen liegen, die leicht entflammbar sind. Wenn da ein Querschläger reinhaut, ist schnell was passiert. Vorsicht auch bei Dachflächenfenstern: die sollte gut verschlossen sein. Andere Fenster natürlich auch. Und wer zum Feiern um Mitternacht auf die Straße geht, sollte schauen, dass im Haus keine Kerzen unbeaufsichtigt mehr leuchten. Vorsicht auch mit Silvesterdeko: Papiergirlanden sind immer auch ein Brandrisiko. Das sind alles Dinge, die man im Grunde weiß – aber irgendwie neigen Menschen dazu, sie im Lauf des Jahres zu vergessen.

Wie sieht es bei Ihnen mit Silvesterknallern aus? Zünden sie um Mitternacht auch ein paar Raketen?

Kettenhofen: Nein. Ich geb‘ dafür kein Geld aus.

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