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Baesweiler Geschichtsverein: Wie groß war Karl der Große wirklich?

Von: mas
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Großes Interesse am „Mythos Karl“: Professor Max Kerner referiert beim Geschichtsverein Baesweiler. Foto: Sigi Malinowski

Baesweiler. Max Kerner bringt es unter einen Hut. Fachliche Brillanz und eine ureigene wie erfrischende Art von Entertainment. Die Vorträge des Aachener Geschichtsprofessors sind nicht einfach nur selbige. Der RWTH-Professor bringt sein Wissen mit Esprit ans Publikum. So auch in Baesweiler, als er im Restaurant „Zur Alten Schmiede“ unter dem Titel „Mythos Karl – Wie die Nachwelt Karl den Großen sieht“ referierte.

Zwischen historisch belegbaren Fakten und künstlichen Gestaltungen über das Leben des Kaisers bewegte sich Max Kerner eine gute Stunde. Zuvor hatte sich Geschichtsvereins-Vorsitzender Alexander Lohe – der Baesweiler Geschichtsverein hatte Kerner eingeladen – geäußert: „Diese Veranstaltung, so glauben wir, müssen wir einfach machen“. Denn schließlich sei das auch eine Einstimmung auf das Karlsjahr, das 1200 Jahre nach dem Tod des Kaisers „gerade in unserer Region besonders gefeiert wird“.

Max Kerner erinnerte sich eingangs, „ich war doch schon mal bei Ihnen. Damals mit der Päpstin. Jetzt ist es Karl, das ist ja ein traumhaftes Tandem“, hatte der RWTH-Lehrstuhlinhaber direkt die Lacher auf seiner Seite. Im wesentlichen stützte sich Professor Kerner auf den jüngst in unserer Zeitungen gedruckten und umfangreichen Beitrag. Max Kerner räumte zu Beginn seines fast 90-minütigen Referates aber auch frank und frei ein, „ein Teil der Fragen ist nicht zu beantworten“.

Dazu zählt er unter anderem, „wir wissen beispielsweise bis heute nicht, wo er begraben ist“. Es gibt „verschiedene Orte, die in Frage kommen“, sagt Professor Kerner. Außerdem ist der „Sarkophag so kostbar, den steckt man nicht einfach in die Erde“. Nach seiner Meinung hat man ein Hochgrab angelegt. Wo kann die Gruft gelegen haben? Auch zu diesem Thema „gibt es so viele nette Geschichten, die erzählt werden“.

Max Kerner gliederte sein Referat in drei Blöcke auf. Er tauchte in die Karlsdebatte von gestern und heute ein, um dann „gleichsam wie Ansichtskarten“ drei ausgewählte Karlsbilder kultisch, literarisch und ideologisch anzubieten. Dabei zeigte Max Kerner beispielsweise auf, „die Schlacht von Cordoba hat es nie gegeben. So weit ist Karl der Große nie gekommen“. Außerdem riet der Referent seinen Zuhörern, „wer wissen will, warum Karl heilig ist, muss die Geschichten, die auf dem Schrein abgebildet sind, kennen“.

Viele Gedanken widmete Max Kerner auch dem im Jahr 2013 gedrehten Karlsfilm. Die Regie hatte Kerner eigens nach München eingeladen, um seine Sichtweisen in das Werk mit einzubinden. Doch der komplette Aachen-Teil des Films wurde seinerzeit gestrichen. Zum Thema Analphabetismus beim Kaiser, bemerkte Professor Kerner. „Schreiben war eine handwerkliche Tätigkeit. Für einen Kaiser war es nicht unüblich, schreiben und verlesen zu lassen“. Er fügte an, „die Menschen im Mittelalter stellen ganz spezielle Typen in eigenen Persönlichkeiten dar“.

Die Frage Kerners an Alexander Lohe, „wie viel Zeit habe ich noch“, wurde aus dem Publikum beantwortet: „Bis Morgen früh“. So lange mochte er dann doch nicht auf die Fragen der Besucher antworten. „Ob er tatsächlich 1,80 Meter groß war, interessierte die Zuhörer beispielsweise. Max Kerner befindet: „Das lässt sich so genau nicht deuten.“ Ganz deutlich sind jedoch die Urteile zur Veranstaltung. Dr. Günther Mohr oder auch Buchautor Günter Pesler, beide dem Geschichtsverein zugehörig, waren sich einig: „Ein ganz toller Abend“.

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