Baesweiler - Baesweiler Fußball-Mädels kicken gegen den Trend

alemannia logo frei Teaser Freisteller

Baesweiler Fußball-Mädels kicken gegen den Trend

Von: Sigi Malinowski
Letzte Aktualisierung:
8336405.jpg
Aufwärmen in der Gruppe: Das Gemeinschaftsgefühl im FFC Baesweiler stimmt nicht nur zu Beginn der Trainingsphasen. Foto: Sigi Malinowski
8336414.jpg
Viel Ballgefühl: Sportlich sind die beiden Mannschaften gut aufgestellt – jetzt beginnt die Punktejagd.

Baesweiler. In der Sportlerszene trägt Volker Binder einen Beinamen: Der Settericher Fußballexperte ist „Der Pionier“. Binder hat nämlich den Frauenfußball in Baesweiler etabliert. Natürlich nicht allein, vielmehr umgeben von einer Handvoll Fachleuten.

Viele Jahre haben sie dafür gebraucht, bis der Mädchen- und Frauenfußball in Baesweiler überhaupt salonfähig wurde. Seit gut drei Jahren gibt es ein Fundament. Doch dort zeigen sich erste Risse.

Gebündelt ist das Ganze im Frauenfußballclub (FFC) Baesweiler. Unterstützt von der Jugend der Beggendorfer Fortuna, mit der eine Kooperation eingegangen wurde. Aber die Entwicklung stagniert. Das räumen auch Binder und Co. unverblümt ein. Zwei Wochen vor dem Start der Punktspielrunden sagt Volker Binder, Präsident des FFC, ganz unaufgeregt aber auch sehr ernst: „Der Trend zur Stagnation ist da!“ Auch wenn der FFC nicht so sehr wie die Konkurrenz von Auflösungserscheinungen betroffen ist. Andere, wie der VfR Würselen, die Übach-Palenberger, der JSV Alsdorf und weitere haben ihre Läden schon dicht gemacht und sind von der Bildfläche verschwunden. So weit ist es noch nicht in Baesweiler. Obwohl man mit strukturellen Problemen zu kämpfen hat.

Und woran krankt der Frauenfußball nun? In Baesweiler hat man da eine ganz eigene Sicht der Dinge. 2006, ausgelöst durch die WM der Männer im eigenen Lande, wurde ein Boom ausgelöst. Eine Welle, die auch den Frauenfußball positiv mitgerissen hat. Seit 2011, als die WM der Frauen in Deutschland stattfand und das Team von Bundestrainerin Silvia Neid nahezu sang- und klanglos ausschied, wurde die Aufwärtsentwicklung jedoch gestoppt – und bislang hat man nicht ernsthaft genug gegengesteuert.

So sieht man es jedenfalls beim FFC. Jörg Strothkämper, Trainer der Zweiten Mannschaft und aktives Bindeglied zum Nachwuchs, sieht aber noch einen anderen gewichtigen Grund. „Der Nachwuchs, die jüngeren Mädchenmannschaften fehlen zunehmend“. Außerdem gebe es zu wenige Sponsoren. „Wir müssen uns jeden Trikotsatz förmlich erbetteln.“ Auch das mache den Frauenfußball auf lange Sicht kaputt, sagt Andreas Kotthäuser, Chef der „Ersten“. Er sieht es mit großer Sorge. „Insgesamt bricht das Ehrenamt mehr und mehr ein.“

Die Folgekette daraus sei nachvollziehbar: Kein Ehrenamt – keine Trainer, keine Betreuer – keine Teams. Die Lasten werden auf immer weniger Schultern verteilt. Kotthäuser: „Studium, Beruf, Schule – das macht es uns zusätzlich schwer, Spielerinnen zu bekommen. Aber in Baesweiler sieht man auch Ansätze, die mageren Jahre einigermaßen unbeschadet überstehen zu können. Denn noch habe man ein stabiles Gerüst. Volker Binder: „Unser Verein ist insgesamt gesund.“ Und er schickt gleich zwei Mannschaften ins Rennen um Punkte. Die Erste tritt in der Kreisliga Aachen an, die Zweite geht – um den Wettbewerb nicht zu verwischen – mit ihrem Aufgebot in die Kreisliga A Heinsberg.

Egal ob Erste oder Zweite: die Spielerinnen haben ihren Spaß. Mädels wie Steffie Lübke, 24 Jahre. „Wir werden wohl nicht um den Titel mitspielen, aber Platz Fünf ist in Sichtweite und mal sehen, wie es im nächsten Frühjahr vor der Rückrunde aussieht. Vielleicht ist ja doch noch etwas mehr drin“, sagt sie. Die Fleischerei-Fachverkäuferin hat sich den FFC ausgesucht, „weil hier der Teamgeist absolut okay ist“. Ähnlich sieht das Jana Caroline Hoffmann. „Jay Jay“, wie sie hier genannt wird, ist wie Steffie Lübke Leistungsträgerin im Kotthäuser-Team. Sie ist Panzerschlosserin bei der Bundeswehr und auch im Personalrat aktiv – und doch findet sie Zeit für ihren Sport. Auch das zeigt, wie viel Spaß den Spielerinnen die Sache macht.

Auf Funktionärsebene sieht Jörg Strothkämper in die nahe Zukunft: „Ursprünglich hatten wir unsere sportlichen Ziele zu hoch gesteckt. Aber nun, nachdem die Spreu vom Weizen getrennt wurde, gehen wir die Dinge mit neuem Elan an.“ Strothkämper dient, wie Andreas Kotthäuser und weitere Trainer, mittlerweile auch dem Vorstand des FFC. „Das macht richtig Spaß, im Vorstand zu arbeiten“, sagt er. Die Kollegen nicken zustimmend. Der Pionier kann den Zuspruch gut gebrauchen. . .

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert