B 258 nein: „Hier wird mit Zahlen jongliert”

Von: Heiner Hautermans
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2013 kommt der Bundesverkehrswegeplan, in dem die umstrittene B258n recht hoch eingestuft ist, auf den Prüfstand. Landwirt Dieter Lanckohr vom Geuchter Hof, Ulrich Pathe, Bettina Herlitzius (MdB) und Ralf Spilker (v. l.) hoffen, das Projekt kippen zu können. Foto: Ralf Roeger

Aachen. Die erlösende Nachricht gab es am Mittwoch noch nicht, aber die Bürgerinitiative B 258 nein ist sich ziemlich sicher, dass sie nicht mehr allzu lange auf sich warten lässt: Die Nachbewertung der umstrittenen Schnellstraße und die sich anschließende kleine Anfrage der Grünen hätten ihr nämlich eine Reihe von zusätzlichen Argumenten an die Hand gegeben.

Besonders gravierend laut Sprecher Ralf Spilker: „Die Wirtschaftlichkeit des Projekts hat sich gegenüber der Bewertung 2003 deutlich verschlechtert.” So liege der Nutzen des Projekts jetzt nicht mehr beim Sechsfachen der Kosten, sondern nur noch beim 2,8-Fachen, bedingt durch die enorme Zunahme der Kosten. Statt der ursprünglich veranschlagten 6,6 Millionen Euro für den Abschnitt auf deutscher Seite (Richterich bis Kerkrade) würden jetzt 20 Millionen angenommen, dazu summieren sich noch 13 Millionen für den Anschluss an den niederländischen Buitenring.

Doch selbst diese Zahlen seien noch schöngerechnet. So sei nämlich der Nutzen auf niederländischer Seite einbezogen worden, die Kosten wurden jedoch außen vorgehalten. Beziehe man diese ein, dann sinke das Kosten-Nutzen-Verhältnis auf nahezu eins. Außerdem seien die Kosten für die erforderlichen zehn Brücken mit zehn Millionen Euro nur pauschal und wahrscheinlich zu niedrig angesetzt. Allein die Querung des Crombachtals und der Bahnstrecke werde wahrscheinlich vier bis fünf Millionen Euro erfordern, schätzt Architekt Ulrich Pathe von der Bürgerinititive.

Grünen-Politikerin Bettina Herlitzius sieht in dieser Entwicklung aber auch eine Chance: „Der Bundesverkehrswegeplan ist hoffnungslos unterfinanziert, deshalb müssen Projekte gestrichen werden.” Eine Neubewertung stehe für das Jahr 2013 an, bis dahin, so hofft die Bundestagsabgeordnete, könne die rot-grüne Landesregierung in Düsseldorf ihren Einfluss geltend machen.

Eigentlicher Entscheider nämlich ist der Deutsche Bundestag, in dessen Auftrag der Landesbetrieb Straßenbau die Planungen weiterbetreibt. Herlitzius hat auch den lange in Aachen politisch tätigen Landesverkehrsminister Harry K. Voigtsberger (SPD) zu einem Ortstermin im Heydener Ländchen eingeladen: „Diese Straße ist so unwichtig und bringt auch regional nichts.” Um weniger als zehn Prozent würde nämlich nur die Roermonder Straße in Herzogenrath entlastet, genau um 2500 Kraftfahrzeuge pro Tag. Dafür würden diese sich an anderer Stelle wieder stauen: auf der Kohlscheider Straße zwischen dem Anschluss Roermonder Straße und dem Autobahnanschluss, einem jetzt schon oft überlasteten Abschnitt, der möglicherweise mehrspurig ausgebaut werden müsste.

Sprecher Ralf Spilker: „Bei der Bürgerinitiative B 258 nein verfestigt sich der Eindruck, dass hier beliebig mit Zahlen jongliert wird, um ein gewünschtes - und scheinbar mathematisch eindeutiges - Ergebnis zu erhalten.”
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