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Azubis haben jetzt ein Privatflugzeug

Von: Stefan Schaum
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Spanten und Rippen sind hier gut im Blick: Fachlehrer Udo Imme wirft einen Blick auf die entkleidete „Haut” der Fokker 50. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Die Landung am Mittwoch dürfte die letzte für die alte Fokker 50 gewesen sein. Oder für das, was überhaupt noch von diesem Transportflugzeug übrig ist. Ein Kran hat den vorderen Teil des Rumpfs in einen Innenhof am Alsdorfer Berufskolleg gehievt.

In der Hülle der Maschine sollen angehende Flugzeugmechaniker praktische Erfahrungen sammeln. „Für uns ist das ein Superding”, sagt Fachlehrer Udo Imme.

Solch ein Teil hatte noch gefehlt in dem Berufskolleg, das seit zwei Jahren die dreijährige Ausbildung zum Flugzeugmechaniker anbietet. Bundesweit ist es sogar das einzige, das die komplette Lehrzeit in einer Hand behält. „Andere Berufsschulen haben diese Ausbildung nur im dualen System”, sagt Imme.

Neben dem Berufskolleg sind es vor allem große Fluggesellschaften wie die Lufthansa, die die Ausbildung anbieten. Freilich seien die ganz anders ausgestattet, was die Technik betreffe, meint Imme, „aber mit dem gut neun Meter langen Teil der niederländischen Maschine sind wir jetzt in Alsdorf einen guten Schritt weiter”. Vom Maastrichter Flughafen kam der Rumpf am Mittwoch per Tieflader nach Alsdorf. Es waren seinerzeit auch die niederländischen Kollegen des Trainingscenters ROC Leeuwenborgh am Flughafen, die dem Berufskolleg eine Kooperation vorgeschlagen und damit den Lehrzweig am Alsdorfer Kolleg initiiert hatten.

Nachfrage ist riesig

Die Nachfrage sei riesig, sagt Norbert van Hall, im Kolleg Fachbereichsleiter Metall. „Drei Viertel der Bewerber müssen wir ablehnen.” Mehr Kapazität sei nicht drin, obwohl Fachkräfte gesucht sind. „Pro Jahr müssen in Deutschland rund 2000 Stellen besetzt werden, aber im ganzen Land werden nur knapp 140 Jugendliche ausgebildet.” In Alsdorf sind es derzeit 23 im ersten Lehrjahr und sieben im zweiten.

Die sollen sich nun im neuen Anschauungsmodell ein Bild vom Aufbau einer Flugzeughülle machen können und die Rippen und Spanten selbst aus- und einbauen. Ansonsten ist nicht mehr viel drin in der ausgeschlachteten Haut des Fliegers. Die meisten Instrumente und Kabel wurden längst ausgebaut. „Vielleicht basteln wir selbst wieder welche rein und machen einen kleinen Flugsimulator daraus”, überlegt Udo Imme. Auch das sei sicher eine prima Übung für die Schüler.

Dass der Rumpf nur noch aus dem Nötigsten besteht, habe ihn erschwinglich gemacht, sagt Norbert van Haal. „Wir haben ihn von den niederländischen Kollegen spottbillig zum reinen Materialpreis bekommen, sonst hätten wir uns den nie leisten können.” Noch ist der knapp 2,70 Meter breite Rumpf aber nicht im Innern der Schule.

Es wird noch ein paar Tage und einiges Geschick brauchen, ihn überhaupt durch die Doppeltüren zu bekommen. Eventuell wird dazu ein Teil der Mauer weichen müssen. Das sei die Aktion wert, findet Imme. Und per Kran abheben, da ist er sicher, wird dieser Flugzeugrest nie mehr. „Der bleibt jetzt für immer bei uns!”
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