Herzogenrath - Ausstellung: „Kunst-Wut-Rede“ wird gleich zu Beginn gehalten

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Ausstellung: „Kunst-Wut-Rede“ wird gleich zu Beginn gehalten

Von: Nina Krüsmann
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Franz-Josef Schneider präsentiert das Hauptausstellungsstück der Ausstellung „on art and beyond“ in der Villa Herzogenrath. Foto: Nina Krüsmann

Herzogenrath. „Kunst ist tiefgründiger als Design, Kunst ist zweckfreier als Handwerk, Kunst ist überzeitlicher als Mode, Kunst ist schöpferischer als Wissenschaft“, erklärt Franz-Josef Schneider, was Kunst im Unterschied zu kunstähnlichen Dingen ausmacht. Der Aachener Künstler ist jetzt seit 40 Jahren aktiv. Höhepunkt ist eine große Ausstellung mit dem Titel „on art and beyond“ im Kunst-, Kultur- und Wirtschaftszentrum (KKWZ) Villa Herzogenrath, die am Samstag, 12. Oktober, eröffnet wird.

Seit vier Jahrzehnten macht Schneider Kunst – manchmal Hand in Hand mit seinem Alter Ego (anderes Ich) „Joseph Kamikaze“, manchmal in Auseinandersetzung mit ihm. Seine neue Ausstellung ist diesem Gesamtkunstwerk gewidmet.

Während Schneider Raumgrenzen respektiert, konstruktiv mit dem Gegebenen arbeitet und mit Freude an theoretisch-konzeptioneller Arbeit Kunst inszeniert, lehnt Kamikaze jede Inszenierung als kopflastige Kunstverhinderung ab.

Der „Alias“ ist ein politischer Künstler, Provokation gibt es gratis dazu. Schneider gehört das Konzept, Kamikaze das „Jetzt“, die Momentaufnahme. Beiden gemeinsam ist die Ansicht, dass Kunst sich nicht gefällig dem Betrachter anbiedern sollte.

„Ein Kunstwerk, das farblich passend zur Couchgarnitur ausgewählt wurde hat nichts mit Kunst zu tun“, findet Schneider, der in Aachen lebt. Jede von Schneiders Präsentationen ist ein „Gesamtkunstwerk-Konzept“, wie er sagt. Dem Betrachter will er keine hübsch sortierte Auslage bieten, sondern einen Hindernisparcours, auf dem eingefahrene Wahrnehmungsgewohnheiten ins Stolpern geraten.

„Eine Anleitung gibt es für den Besucher nicht, er muss sich seine Position im Raum genauso selbst suchen wie seine Haltung zu dem, was er zu sehen bekommt“, sagt Schneider.

Seit den ausklingenden 1970er Jahren organisierte der studierte Designer immer wieder Ausstellungen und brachte große, nachhaltige Kulturprojekte mit auf den Weg. Mit der neuen Ausstellung schlägt er nun einen Bogen, der nicht nur Stationen seiner eigenen künstlerischen Entwicklung berührt.

Schneider ist sich der Fundamente bewusst, auf die er seine Kunst aufsetzt. „Es geht um Kunst als Thema von Kunst“, fasst Schneider zusammen. Der Kunsttheorie wohl bewusst, lässt er sich nicht gerne von vorgefertigten Begriffen in seiner künstlerischen Freiheit einengen.

Schneider stammt aus Neuwied am Rhein, zog zum Design-Studium nach Aachen und blieb hier hängen, wie er erzählt. Nach jahrzehntelanger Tätigkeit in der Druckindustrie ist er nun als freischaffender Künstler tätig, möchte sich in nächster Zeit an ein Buch begeben, um sein Handwerkszeug auch dem künstlerischen Nachwuchs zu vermitteln.

Anhand seines ausgefeilten Raumkonzepts für die Ausstellungsräume ist zu sehen, dass Schneider auch als Galerist und Ausstellungsmacher gearbeitet hat. Er verfolgt in seiner Werkschau die Befreiung der Kunst, Malereien hängen hier einmal nicht an der Wand.

Stattdessen gibt es bemalte Leinwände einmal in neuer Form: als Malobjekt mitten im Raum. Auch auf Namen für seine Werke verzichtet der Künstler weitgehend in seinem Gesamtkunstwerk-Konzept.

„Eckensteher“

„Ein Bild sagt mehr als tausend Worte – aber verschweigt oft das Wesentliche“, sagt Schneider, der in Kohlscheid eine Serie solcher kunstbezogener Sprüche und kontroverser Begriffe wie „wahr oder falsch“, „1 oder 0“, „an oder aus“ zeigt.

Schneiders Werke korrespondieren mit dem Raum, hängen nicht einfach irgendwie an der Wand. Alles hat ein lange durchdachtes Konzept. So werden die aneinander gereihten Schrifttafeln von „Eckenstehern“ eingerahmt, welche die Tafeln zu einem Gesamtkunstwerk vereinen.

Die Ausstellung „on art and beyond“ in der Villa Herzogenrath an der Roermonder Straße 63 wird Samstag, 12. Oktober, um 18 Uhr unter anderem mit einer eindrucksvollen „Kunst-Wut-Rede“ Joseph Kamikazes, dargeboten durch den Rezitator Andreas F. Grude, eröffnet und ist danach bis 26. Oktober zu sehen.

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