Würselen - Auf Demenz im Anfangsstadium richtig reagieren

CHIO-Header

Auf Demenz im Anfangsstadium richtig reagieren

Von: eli
Letzte Aktualisierung:

Würselen. Das Essen ist fast fertig, der Mann deckt schon einmal den Tisch und setzt sich hungrig auf den Stuhl. „Wo ist denn das Besteck?”, fragt seine Frau, als sie den Teller hinstellt.

Der Mann lacht. „Ich dachte, wir essen heute mal mit den Händen.” Eine Woche später wiederholt sich diese Situation bereits zum dritten Mal. Mittlerweile lacht keiner der beiden mehr darüber, auch Ausreden fallen dem Mann nicht mehr ein. Drei Wochen danach sind Freunde zu Besuch, man unterhält sich über die Kinder. Plötzlich kann der Mann die Frage nach dem Geburtsdatum der Tochter nicht mehr beantworten.

Es sind Situationen, wie sie jeder erleben kann. Unter Stress können einfachste Fragen nicht beantwortet werden, alltägliche Dinge werden vergessen. Doch sobald sich der Stress verringert, fällt die Antwort ein. Und wenn doch nicht?

„Dann kann dies ein Hinweis auf eine Demenz im Anfangsstadium hinweisen”, weiß Theodor Maas. Der evangelische Pfarrer und Selbsthilfebeauftragter des Medizinischen Zentrums (MZ) der Städteregion leitet ebendort eine Selbsthilfegruppe für Angehörige von Demenzkranken. Nun möchte er eine weitere Gruppe für Erkrankte mit Demenz im Anfangsstadium etablieren.

Häufig gestehen sich sowohl die Betroffenen als auch deren Angehörige die Auffälligkeiten nicht ein. Krankheitsansätze werden mit Humor überspielt, Nachfragen lösen Scham und Aggressionen beim Betroffenen aus. „Der Kranke merkt, dass etwas nicht stimmt”, erklärt Theodor Maas. „Aber Gehirnkrankheiten sind immer noch ein Tabu-Thema.”

Und das, obwohl die Zahl der Betroffenen stetig ansteigt. So versteckt man sich lieber, versucht die Aussetzer in einen normalen Rahmen einzuordnen, sich die Welt so zu stricken, dass sie in Ordnung ist. „Sie wollen schlicht nicht in eine Situation gelangen, wo sie wie ein Depp dastehen”.

Vorsorge treffen

Verhärtet sich der Gedanke, dass sich hinter den Gedächtnislücken eine Krankheit verbergen könnte, scheiden sich die Betroffenen in zwei Gruppen: Jene, die es von sich weisen und Auffälligkeiten leugnen. Und andere, die in die Gedächtnissprechstunde gehen und nach einer potenziellen Diagnose beginnen, Vorsorgen zu treffen.

Dazu gehört auch, den Verwandten- und Bekanntenkreis einzuweihen. „Mit dem Fortschritt der Demenz verliert der Kranke das Zeit- und Raumgefühl. Da ist es wichtig, dass beispielsweise Nachbarn aufmerksam werden, wenn der Erkrankte allein über die Straße läuft.” Theodor Maas betont, die Relevanz der notwendigen Sensibilität gegenüber Demenzkranken.

Die Emotionen bleiben

Im Gegensatz zur Fortgeschrittenen oder gar sich im Endstadium befindenden Demenz bekommen beginnende Kranke den Verlust ihrer Erinnerungen durchaus mit. Emotionen hingegen bleiben weiter ausgeprägt. „Ein Demenzkranker kann weiterhin Angst empfinden. Er versteht teilweise die Welt nicht mehr, der Boden droht unter seinen Füßen zu entgleiten.” Häufig entstehen daraus Aggressionen, die sich insbesondere auf den gesunden Partner entladen.

Seit Jahren wird mit Hochdruck Ursachenforschung betrieben, immer wieder neue Überlegungen präsentiert, doch der richtige Durchbruch blieb bislang aus. Von einem hoffnungsvollen Ansatz kann Theodor Maas jedoch berichten.

Am Deutschen Zentrum für Neurodegenerative Erkrankungen in Bonn hat man mit Unterstützung des Hamburger Wissenschafts-Ehepaares Eva-Maria und Eckhard Mandelkow anhand von Tests mit Mäusen herausgefunden, dass offenbar die Wirkung des Tau-Proteins, das zum charakteristischen Merkmal von Morbus Alzheimer gehört, weitgehend verschwindet, wenn das entsprechende Tau-Gen „abgeschaltet” wird.

Aber: „Das ist noch kein Grund zur Euphorie”, betont Theodor Maas, da noch nicht bekannt ist, ob die verabreichten Medikamente auch bei Menschen zu dem gewünschten Erfolg führen.

Gedächtnisuntersuchung

Bis es soweit ist, empfiehlt Theodor Maas eine Gedächtnisuntersuchung bei einem Spezialisten. Denn mit entsprechenden Medikamenten kann der aktuelle Krankheitszustand zumindest für zwölf bis 14 Monate „eingefroren” werden. „Je später diese Tabletten eingenommen werden, desto schlechter ist der Zustand, den man verlängert.”

Mut, Unterstützung und eine Enttabuisierung sind die Schlüssel, die dazu führen, dass zumindest ein Stück weit den Betroffenen und deren Angehörigen geholfen werden kann, um ihnen die Angst zu nehmen und den Schritt machen, Hilfe anzunehmen. Eine Herausforderung, die, insbesondere mit Blick auf den demografischen Wandel, jedoch dringend angenommen werden sollte.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert