Auf dem Weg zum Weltrekord: Nordic Walking rund um die Uhr

Von: Stefan Schaum
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Unterwegs bei Wind und Wetter: Auch bei Regen trainiert Dietmar Pfeiffer derzeit für seinen 24-Stunden-Nordic-Walk. Foto: Stefan Schaum

Baesweiler. Zwei paar Sportschuhe hat Dietmar Pfeiffer seit Januar schon in die Mülltonne geworfen. Völlig durchgelaufen waren die Dinger. Da muss er sich nicht weiter wundern. Schließlich will er ja täglich raus und mit seinen Nordic-Walking-Stöcken durch die Felder rund um Baesweiler.

„Mehr als 1.000 Kilometer hab‘ ich dieses Jahr schon locker runter“, sagt er. Und das werden in den kommenden Wochen ganz sicher noch etliche mehr. Und warum das alles? Um in wenigen Wochen 24 Stunden am Stück quer durch die Stadt zu „walken“. Ende Juni, einmal rund um die Uhr. „Ist schon ganz schön verrückt, oder?“

Er weiß ja selbst, dass die Idee nicht so ganz – nun ja: vernünftig klingt. Aber durchziehen will er das Ganze. So war das schon immer bei dem mittlerweile 55-Jährigen: immer weiter, immer schneller. „Früher bin ich gelaufen wie ein Weltmeister“, sagt er. Mit 20 Jahren hatte er mit Jogging angefangen. Erst ein paar Kilometer, dann Marathon, schließlich Ultra-Marathon – bis zu 60 Kilometer und mehr. „Ich hab‘ das richtig gebraucht.“ Bis sein Rücken irgendwann nicht mehr mitgemacht hat. Erst waren es bloß ein paar Beschwerden, dann Schmerzen und schließlich war Schluss mit Laufen. Aber nicht Schluss mit dem Sport.

Große Umstellung

„Vor fünf Jahren bin ich zum Nordic-Walking gekommen“, sagt der Baesweiler, der im Tiefbau tätig ist. Eine große Umstellung war das, sicher. „Du brauchst einfach deutlich länger, um auf Touren zu kommen“, sagt er. Wobei er mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von sieben, acht Stundenkilometern nun auch nicht gerade langsam unterwegs ist. Aber für längere Strecken brauche man eben auch mehr Zeit, wenn man mit Stöcken unterwegs sei. Im vergangenen Jahr war er beim „Bödefelder Hollenmarsch“. 101 Kilometer hat er dort in knapp 16 Stunden geschafft. „Das ist das Längste, was ich bislang gemacht habe.“

Gereicht hat es ihm offenbar nicht. Vor ein paar Monaten hat er nämlich von einer Frau gelesen, die im hessischen Gladenbach den Weltrekord im Dauer-Nordic-Walking aufgestellt haben soll. 30 Stunden war die Dame im vergangenen Jahr unterwegs. Und das hat den Ehrgeiz des Baesweilers geweckt. Den Rekord selbst knacken – das will Dietmar Pfeiffer jetzt. Die 24-Stunden-Tour, zu der er am Bergfoyer im Carl-Alexander-Park aufbrechen will, ist also bloß eine Art Aufwärmphase, wenn man so will. Dass es kein Spaziergang wird, ist ihm jedoch klar. „Kann ja sein, dass das Wetter total beschissen ist. Dann hab‘ ich echt ein Problem.“

Wetter hin oder her – er ist keiner, der aufgibt, bloß weil es mal etwas stärker prasselt. Dieser Tage ist er schließlich auch des öfteren im Regen unterwegs. Respekt hat er aber vor der ganzen Sache. Zumal er ja auch nachts unterwegs sein wird. „Da bleib‘ ich dann aber lieber in der Stadt“, sagt er, „draußen im Feld im Dunkeln muss ja nicht unbedingt sein.“ Er schmunzelt dabei ein wenig, der kräftige, durchtrainierte Kerl. Denn eigentlich mag er die Einsamkeit sogar ganz gern, wenn er frühmorgens unterwegs ist.

Bei Hasen und Rehen

„Wenn du da so still durch die Landschaft gehst, siehst du auch mal Rehe und Hasen. Das ist schon sehr schön.“ Ob er bei seinem Dauer-Walking wirklich oft alleine sein wird? Es sieht nicht so aus. Schließlich haben schon einige Mitglieder des Baesweiler Lauftreffs, zu dem auch er gehört, angekündigt, ihn zumindest etappenweise begleiten zu wollen. Das sollen sie ruhig tun, sagt er. Solange sie dafür bezahlen. Denn neben dem Wunsch, einmal den Weltrekord zu knacken, will er auch für Spenden werben. Wer ein Stück mitgehen möchte, soll sich anmelden und einen kleinen Betrag beisteuern. Den möchte Dietmar Pfeiffer später zum Teil der Baesweiler Bürgerstiftung zur Verfügung stellen, und darüber hinaus die Erforschung der Entwicklungsstörung „MECP2-Duplikationssyndrom“ unterstützen, unter der sein Großneffe leidet.

Damit unterwegs alles klappt und jeder Spender auch genau weiß, wann er den Walker wo findet, ist vorab einige Logistik vonnöten. Die übernimmt der Verein, damit der Star der ganzen Aktion sich ausschließlich auf sein Training konzentrieren kann. Zwei, drei Stunden sind das pro Tag. Mindestens.

Mehr als ein Hilfsmittel

Ob er als ehemaliger Läufer die Stöcke nicht eher als ungeliebtes Hilfsmittel empfindet? Da lacht er. „Nein, die sind schon richtig super. Wenn man das Ganze ordentlich machen will, dann braucht man die.“ Richtig machen – das will er. Und wer weiß: Vielleicht zieht er nach den 24 Stunden ja auch gleich die ganz große Nummer durch. „Wenn ich im Ziel ankomme und noch Lust und Kraft habe, dann mache ich einfach weiter bis zum Weltrekord!“

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