Herzogenrath - Auch Lehrer und die Justiz entdecken die Fair-Play-Liga

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Auch Lehrer und die Justiz entdecken die Fair-Play-Liga

Von: Beatrix Oprée
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Ralf Klohr kommt aus Neustadt an der Weinstraße eigens zum Kiga-Cup angereist. Foto: Jörg Krupp

Herzogenrath. Sein Name ist mit Fair Play in der Region verbunden wie kein anderer: Ralf Klohr liebt Fußball und er liebt Kinder. Dies zu einer sinnvollen Synergie zu führen, hat er sich zur Lebensaufgabe gemacht. Mit Erfolg. Der gebürtige Pfälzer, bis 2011 Jugendtrainer beim SuS Herzogenrath und immer noch Mitglied des Fördervereins „Jungfüchse“, zog es aus familiären Gründen wieder in die Heimat zurück.

Doch in Herzogenrath ist der „Erfinder“ der Fair-Play-Liga (FPL) weiter aktiv. Zum Beispiel, wenn es um den 12. Kiga-Cup geht, der er ebenfalls begründete:

Auch aus der Ferne bleibt Ihnen der Kiga-Cup ein Anliegen. Von Ihrer neuen alten Heimat Neustadt/Weinstraße werden sie zu diesem Event anreisen. Wie viele Teilnehmern sind diesmal dabei?

Ralf Klohr: Der Kiga-Cup ist mir eine Herzensangelegenheit. Ich bin sehr froh, dass die Verantwortlichen des SuS Herzogenrath mit großem Engagement weitermachen. Per Internet kann ich aus der Ferne gut unterstützen, und am 10. Mai bin ich natürlich am Fuchsberg. Bisher haben sich über 200 Kinder aus 13 Kindergärten angemeldet.

Grundgedanke des Kiga-Cups sind Freude und Fairness beim Spiel. Was war vor Jahren Auslöser für Ihre Idee, eine Fair-Play-Liga (FPL) im Kinderfußball zu begründen?

Klohr: Es ist tatsächlich so, dass viele meiner Beobachtungen und Gedanken aus dem Kiga-Cup in die Fair-Play-Liga mit eingeflossen sind. Beim Kiga-Cup kann man die unglaubliche Kraft des Fußballs spüren und aufsaugen. Man kann aber auch schon die Gefahren erkennen, die dieser emotionale Sport birgt. Viele Erwachsene leben emotional in ihren Kindern und projizieren die eigenen Wünsche in ihr Handeln.

Da kann es schon mal zu Enttäuschungen kommen, wenn sich der gewünschte Erfolg nicht einstellt. Das ist einst auch bei einem Kinderfußballspiel in der Städteregion übertrieben passiert. Es endete mit einer Schlägerei unter Erwachsenen. Leider kein Einzelfall. Die danach entstandenen drei Respektregeln – die Eltern halten Abstand zum Spielfeld, die Trainer verstehen sich als Partner und coachen aus einer gemeinsamen Zone, und die Kinder entscheiden selbst über das Einhalten der Spielregeln – sind heute bundesweit die Empfehlung des DFB für kindgerechten Fußball.

Anfangs meldeten sich aber auch Skeptiker zu Wort …

Klohr: Die gibt es heute noch. Die drei Respektregeln polarisieren natürlich. Wer Kinder nicht versteht und im Kinderfußball den Leistungs- und Siegesgedanken lebt, sieht natürlich seinen direkten Einfluss auf deren Handeln beeinträchtigt und lehnt die Fair-Play-Liga zunächst ab. An dieser Stelle erfüllt die FPL aber ihre Aufgabe und sensibilisiert die Erwachsenen jeden Spieltag aufs neue für den kindgerechten Umgang.

Mit den Fair-Play-Regeln haben Sie bundesweit Pflöcke eingerammt. Schon 2009 erhielten Sie den FairPlay-Sonderpreis des DFB. Welche Auszeichnungen und Anfragen von höherer Stelle gab es noch?

Klohr: 2011 bekam ich den Egidius-Braun-Preis und mit meinem Kerkrader Freund John Heckman das Label „Mer dan voetbal“ des holländischen Fußballverbands KNVB. Bei unseren innovativen grenzüberschreitenden Jugendprojekten – Eurode-Cup seit 2004, Team Eurode seit 2005 (gemischtes Team NL/D), Dreiländerturnier mit Regionalauswahlen aus D-B-NL und dem Team Eurode (2007), Sprachprojekt Linguacluster der Regio Maas-Rhein (EuRegioCup) 2011 bis 2013 – haben wir seit 2004 Erfahrungen mit dem schiedsrichterlosen Spiel gesammelt.

Anfragen kamen zunächst aus einzelnen Landesverbänden und ihren Fußballkreisen. 2012 war ich in Basel beim Schweizer Fußballverband. Hier sind die Regeln der FPL in der Wettspielphilosophie verankert. Nach dem furchtbaren Totschlag an dem Linienrichter in Amsterdam ist auch KNVB mit der FPL im Mai 2013 gestartet. Im DFB-Masterplan ist die endgültig flächendeckende Umsetzung der Fair-Play-Liga für 2016 festgeschrieben.

Jetzt ist die FPL sogar Projekt des Monats März des Landespräventionsrats gewesen. Wie kam es dazu?

Klohr: Das weiß ich nicht und das macht mich sehr glücklich. Entscheidend ist, dass man im Justizministerium NRW offenbar erkannt hat, was die Fair-Play-Liga noch alles leisten kann.

Und zuletzt sind Sie von der Lehrerzeitschrift „Sache – Wort – Zahl“ interviewt worden. Die FPL als Modellprojekt auch an Schulen, das wäre doch toll, oder?

Klohr: Ja, das wäre eine sensationelle Win-Win-Situation! Kinder treiben gerne Sport. Zudem besteht über die Kinder, zwischen Lehrern und Vereinstrainern, egal welcher Sportart, eine Beziehung. Sollte es gelingen, in der Schule das Thema „Werteerziehung durch Regelerziehung im Sport“ zu installieren, wäre das eine wertvolle Synergie für Bildung und Sport. Kinder wären in Verein und Schule ein großartiger Multiplikationsfaktor für die gelebte Fair-Play-Botschaft.

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