Alsdorf - Auch das Sportangebot gehört zu einer Stadtkultur

Auch das Sportangebot gehört zu einer Stadtkultur

Von: Holger Bubel
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Hier wurde nicht nur darüber geredet: Das Auditorium und die Podiumsteilnehmer wurden zur Stärkung des Sitzfleisches ermuntert, sich sportlich zu betätigen. Der Spaß kam dabei nicht zu kurz. Foto: Holger Bubel
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Fachkompetenz: Die Moderatoren Peter Steingass (r.) und Karl Stüber (l.) begrüßten (v.r.) Manfred Stimpel, Hubert Sieprath, Silke Ringens, Jürgen Jung, Sadettin Özdemir, Günter Dreßen und Josef Weitz zum Gespräch auf dem Podium. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Zumindest sportlich ist Alsdorf für die Zukunft gut aufgestellt. So lautet das vorläufige Fazit von Sportamtsleiter Hubert Sieprath am Ende des zehnten Alsdorfer Stadtgesprächs mit dem Titel „Sport in Alsdorf – was Bürger wollen, was sich die Stadt leisten kann“.

Einmal mehr zu der Veranstaltung, diesmal nahe am Thema ausgerichtet im Alsdorfer Sportforum, hatte die Aktionsgemeinschaft Stadtmarketing Alsdorf und diese Zeitung eingeladen. Der positiven Bestandsaufnahme und dem optimistischen Blick in die Zukunft des Sports in Alsdorf waren zweieinhalb Stunden Informationen, Ideen und nur wenige Klagen vorausgegangen.

Die Moderatoren des Abends, Stadtmarketings-Vorsitzender Peter Steingass und Redakteur dieser Zeitung, Karl Stüber, hatten kompetente Gesprächspartner in den Fitnessbereich des Sportforums eingeladen. Und auch das sportinteressierte Publikum beteiligte sich mit Fragen und Anmerkungen an der Diskussion.

Hubert Sieprath stellte einige Ergebnisse dar, die sein Amt mit Hilfe von Fragebögen zur sportlichen Situation in Alsdorf aus Antworten von Vereinen und nicht-organisierten Sportlern abgeleitet hat und derzeit noch weiter auswertet. Seine Erkenntnis aus dieser durchaus repräsentativen Umfrage: „Sport ist in Alsdorf ein großes Thema, aber dessen Ausübung hat sich gewandelt. Vom Vereinssport hin zum Individualsport. Darauf müssen wir reagieren. Wir müssen uns bei der derzeitigen Haushaltssituation etwa fragen, ob Sportstätten mit gerade einmal 30-prozentiger Auslastung noch zur Verfügung gestellt werden können. Oder ob vielleicht auch Fusionen ein Thema sein müssen.“

Den Individualsporttrend konnte Manfred Stimpel, Leiter des Fitnessbereichs im Sportforum, bestätigen: „Vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und sich ändernder Anforderungen in Familie und Beruf nutzen viele Leute die Flexibilität, zeitlich und örtlich, die der Individualsport bietet. Weg von den festgelegten Trainingszeiten im Verein.“ Zudem sei eine Entwicklung ab vom jeweiligen sportlichen Mainstream hin zum gesundheitsorientierten Training erkennbar, auch von Menschen, die nicht mit sportlicher Betätigung aufgewachsen sind. Diese seien durchaus eine Zielgruppe der kommerziell ausgerichteten Studios, die – wie das Sportforum – ein ganzheitliches, beratendes und begleitendes Individualtraining ermöglichten.

Eine „Vereinsflucht“, wie sie Sieprath laut Umfrage ausmachte, wollte Silke Ringens, Vorstandsmitglied des Schwimmvereins Alsdorf 1914 – einer von insgesamt fünf Schwimmvereinen – allerdings zumindest für ihren Sport nicht ausmachen. „Unsere Mitgliederzahlen sind konstant. Wir können nicht klagen“, sagte sie und räumte eber eine Befürchtung ein: „Jedenfalls solange das städtische Hallenbad nicht schließt, ein Thema, das immer wieder aufkommt.“ Denn, so weisen es die Zahlen aus dem städtischen Haushalt aus, macht das Bad jährlich immerhin rund 550 000 Euro Miese. Ein Luxus, den sich die klamme Stadt leistet? „Keineswegs“, sagte Sieprath, „mit dem Hallenbad decken wir gleich eine dreifache Nutzung ab: durch den Schul-, Vereins-, und Freizeitsport.“ Mit strukturellen Maßnahmen versucht das Sportamt seit Jahresbeginn das Defizit einzuschränken. Dazu gehören auch „moderate“ Preisanhebungen und eine Art Club-Mitgliedschaft (wir berichteten) Dass städtische Einrichtungen wie Hallenbäder aber für alle Kommunen immer Subventionsobjekte darstellten, sei ein allgemeines Phänomen.

Zufrieden mit der Sportstättensituation zeigte sich Günter Dreßen vom Leichtathletikverein 1994 Alsdorf: „Wir fühlen uns wohl auf der Anlage Am Klött, und in der Halle am Berufskolleg in den Wintermonaten haben wir ganz komfortable Trainingsvoraussetzungen.“ Zudem führe der Verein auch nicht unbedingt ein „Schattendasein“ mit seinen bis zu 100 aktiven Sportlern.

Weitaus mehr Mitglieder verzeichnet der Taekwondo-Verein Musado Alsdorf. Innerhalb der vergangenen 15 Jahre wuchs dort die Mitgliederzahl von 186 auf 536. „Ist das die Antwort der Bürger auf den Gewaltanstieg in unserer Gesellschaft“, fragte Moderator Karl Stüber den Vereinsvorsitzenden Sadettin Özdemir, der auch die Akzeptanz dieser Sportart – seit 2000 ist Taekwondo olympisch – für den Zulauf macht und betonte, dass es keine Kämpfer nach dem Taekwondo-Ehrenkodex sind, die Passanten an der Bushaltestelle krankenhausreif treten: „Der Sport beinhaltet auch mentales Training, wir bringen schon Kindern ab drei Jahren bei, ihre Körperhaltung mental zum Ausdruck zu bringen und Selbstbewusstsein heraus zu bilden.“

Immer weniger Jugendliche

Özdemir bedauert den Trend, dass sich immer weniger Jugendliche einem Verein anschließen, die Basis und Zukunftsfähigkeit des organisierten Sports damit wegbreche. Und das nicht nur für die Clubs: „Ein Verein bietet Jugendlichen Orientierung, Struktur und soziale Kompetenzen. Daran mangelt es meines Erachtens vielen Kindern und Jugendlichen“, mahnte Özdemir und regte an, Kooperationen zwischen Schulen und Vereinen zu gründen, um „die Jugendlichen abzuholen, wo sie sind. Die kommen nicht von alleine.“ Über die Sportbedingungen in Alsdorf konnte sich Özdemir nicht beklagen: „Wenn man sich ansieht, unter welchen Bedingungen etwa die italienische oder koreanische Nationalmannschaften trainieren müssen, haben wir hier nahezu paradiesische Verhältnisse.“

Wenn auch die Mitgliederzahlen bei den Fußballvereinen allgemein sinken – besonders im Jugendbereich bleibt der Nachwuchs aus – kann zumindest Josef Weitz, Vorsitzender des SV Alemannia Mariadorf nicht darüber klagen: „Unsere Plätze sind fast rund um die Uhr belegt. Eine gute Jugendarbeit bringt langfristigen Erfolg. Wirtschaftlich auf gesunden Füßen stehen wir aber auch nur aufgrund des ehrenamtlichen Engagements unserer Mitglieder.“ Weitz mahnte an, dass hier die finanzielle Unterstützung aus der Stadtkasse deutlich besser sein müsste: „Die Verhältnismäßigkeit, wie die Gelder an die Vereine verteilt werden, stimmt nicht“, klagte Weitz.

Ebbe in der Verbandskasse

Apropos Geld: Dass der Stadtsportverband in Alsdorf an Bedeutung verliere, musste dessen Geschäftsführer Jürgen Jung einräumen: „Wir haben Probleme, die Vereinsvertreter zur konstruktiven Mitarbeit zu bewegen. Viele scheuen die Doppelbelastung, neben ihrer Vereinsfunktion ein weiteres Engagement auf sich zu nehmen.“ An Attraktivität habe der Stadtsportverband auch verloren, weil die noch von ihm zu verteilenden finanziellen Mittel heute kaum noch der Rede wert seien.

Bei der freien Diskussion unter Einbeziehung des Publikums wurde angeregt, Vereine und Schulen miteinander in Kooperation zu bringen, um die Nachwuchsarbeit zu erleichtern. „Regelmäßige Veranstaltungen von Schulen und Vereinen wie etwa Stadtmeisterschaften mit anschließendem Empfang beim Bürgermeister waren früher üblich“, erinnerte Albert Claßen. Man müsse systematisch an die Verzahnung der Schulen und Vereine gehen, erwiderte Alfred Sonders: „Wir werden das nicht alleine über das Ehrenamt hinbekommen. Aber: Problem bekannt, Lösung in Arbeit“, versprach er.

Dass Kindern und Jugendlichen die Teilnahme am Vereinsleben erst wieder ermöglicht werden muss, forderte Dieter Kretschmer, Vorstandsmitglied des Hoengener Turnclubs (HTC), der mit rund 1200 Aktiven den mitgliederstärksten Verein in Alsdorf stellt: „Das Sportangebot gehört zu einer Stadtkultur. Auch für Leute, die nicht das nötige Geld haben, muss die Ausübung eines Sports erschwinglich sein.“

Richtig schwungvoll wurde es auf jeden Fall zur Halbzeit des Stadtgesprächs, als Dennis Rocholz, Trainer im Sportforum, zur Fitnesseinlage aufforderte. Die eine oder andere Schweißperle offenbarte sich nach der Sitzgymnastik. Angstschweiß beim Blick auf die Sport-Zukunft Alsdorfs ist hingegen nicht nötig.

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