Würselen - Asylsuchende mehr in die Mitte holen

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Asylsuchende mehr in die Mitte holen

Von: Elisa Zander
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Den Raum auf Vordermann gebracht: Hier soll das Kommunikationszentrum entstehen. Foto: Elisa Zander

Würselen. Sie wollen Deutsch lernen. Doch die wenig guten Kurse, die es gibt, sind schnell belegt. Asylsuchende sind mitunter zweieinhalb Jahre in Deutschland, bevor ihnen der Status eines Asylbewerbers oder Flüchtlings zugesprochen wird. Erst dann haben sie ein Anrecht auf diese professionelle Unterstützung.

 Zweieinhalb Jahre, in denen sie hier im Nordkreis leben und nur rudimentär deutsche Wörter aufschnappen. Dem wollen Jürgen Hohlfeld und Hildegard Hüring vom Freundeskreis Asyl entgegenwirken.

Häuser der SEW

Mit einem Projekt der Hilfe zur Selbsthilfe. „Die Leute brauchen direkt Hilfe“, betont Hildegard Hüring. Der Freundeskreis knüpfte Kontakt zur Volkshochschule und nun sollen künftig Deutschkurse stattfinden. Die Räumlichkeiten dazu in ehemaligen Ladenlokale richten die Asylsuchenden derzeit selbst her. Die Wohnungen, in bislang leer stehenden Häusern der Stadtentwicklungsgesellschaft Würselen (SEW), in denen sie derzeit an der oberen Kaiserstraße leben, sind auf Höhe der Einkaufsstraße mit zwei Ladenlokalen ausgestattet. Die Gebäude sollen weichen, wenn die Singer-Höfe erschlossen werden. Nun sollen aber auch die Geschäftslokale vorübergehend genutzt werden. Eine Renovierung dafür ist notwendig. Und bei der packen die Asylsuchenden beherzt mit an.

Laminat verlegt

Christian Knies, der in einer entsprechenden Fachfirma tätig ist, zeigte ihnen an einem Samstag ehrenamtlich, wie Laminat verlegt wird. „Die ersten Bretter gingen noch schwer“, erinnert sich Jürgen Hohlfeld. „Aber dann ging es ganz fix.“ Am Montagnachmittag war der gesamte Bodenbelag fertig. Hand in Hand arbeiteten die Männer, die etwa aus Ghana, Eritrea und dem Iran flüchteten.

Hier zeigt sich das, was der Freundeskreis stets an Eindrücken der Treffen mitnimmt: Die Asylsuchenden wollen arbeiten, wenn man sie denn ließe. „Sie wollen nicht rumhängen. Aber das ist eben dieses Prinzip“, ärgert sich Hohlfeld, der sich eine Anerkennungskultur wünscht.

Helle, einladende Räume entstehen hier, Kommunikationszentren so das Ziel des Freundeskreis Asyl. Deutsche sollen an diesem Ort leicht mit Asylsuchenden in Kontakt, ins Gespräch kommen. „Es ist wichtig, dass die Menschen eine Betreuung haben, mit ihnen geredet wird, man mit ihnen unterwegs ist“, sagt Jürgen Hohlfeld. Das passiert derzeit alles ehrenamtlich.

„Eigentlich müssten das aber sozialpädagogische Fachkräfte machen“, findet Jürgen Hohlfeld. Die meisten Asylsuchenden seien traumatisiert, bräuchten professionelle Hilfe.

Mit dem Kommunikationszentrum soll ein Schritt in diese Richtung getan werden. Während ein Raum mit Büchern und Unterlagen als Lernzentrum konzipiert wird, soll der andere ein Treffpunkt sein, Tische und Stühle stehen bereit. Im angrenzenden Garten könnten Grillfeste veranstaltet werden.

Freude, etwas tun zu können

Während Hohlfeld und Hüring diese Ideen skizzieren stehen die Männer und eine Frau daneben und lächeln verhalten. Deutsch verstehen und sprechen sie nur wenige Worte. Man verständigt sich anders untereinander. Mit Englisch, Französisch, notfalls mit Händen. Nach zu Hause fühlt es sich nicht an, sagen sie. Aber sie fühlen sich gut aufgehoben. Und sie freuen sich, etwas tun zu können.

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