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An die lange Geschichte der Würselener Synagoge erinnert

Von: ehg
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Licht als Erinnerung: Der Opfer in Würselen gedachte der Arbeitskreis „Kein Vergessen“. Foto: W. Sevenich

Würselen. Anlässlich der 75. Wiederkehr der Pogromnacht hatte der Arbeitskreis „Kein Vergessen“ zu einer Gedenkstunde vor und in der ehemaligen Synagoge am Lindenplatz eingeladen.

Zu Beginn wurden in einer kurzen Regenpause Lichter rund um die dort in Form eines Davidssterns verlegten neun Stolpersteine aufgestellt. Damit wurde nicht nur an die neun Opfer des Holcausts aus Würselen, deren letzte Adresse in Würselen nicht mehr bekannt ist, erinnert.

Vielmehr auch an die Zerstörungen, die auch in Würselen in der Reichspogromnacht erfolgten. Genannt wurden die Namen der auf den neun Stolpersteinen „verewigten“ Opfer. Von dem, was sich damals in Herzogenrath „abspielte“, berichtete als Zeitzeugin die 1925 geborene Lucia Schaffrath, die im Seniorenzentrum St. Sebastian wohnt. Auch Bürgermeister Arno Nelles nahm an der Gedenkstunde teil.

Als Sprecher des Arbeitskreises mahnte Jürgen Hohlfeld, die Augen nicht davor zu verschließen, dass in einigen Städten unserer Republik wieder Pogromstimmung aufgekommen ist, „diesmal nicht gegen die Juden, sondern gegen Ausländer allgemein. Wehret den Anfängen!“

Denn: „Wenn Häuser brennen, brennen bald auch Menschen!“ Die Geschichte der 1925 zum letzten Mal genutzten Synagoge zeichnete Ursula Best nach: 1855 genehmigte die Regierung in Aachen eine jüdische Filialgemeinde im Synagogenbezirk Aachen. 1871 zählte diese insgesamt 280 Mitglieder. Feierlich eröffnet wurde sie am 25. Mai 1875 am Lindenplatz. Hinter der Synagoge befand sich in einem kleinen Gebäude die jüdische Elementarschule.

Das 50-jährige Bestehen der Synagoge wurde am 23. Mai 1925 mit einem großen Festakt gefeiert. Noch im selben Jahr wurde sie aufgegeben, „weil die Zahl der in Würselen wohnenden Juden auf 30 zurückgegangen war“. Sie wurden in der Folgezeit von der jüdischen Gemeinde in Hoengen mit betreut. 1938 wurde das Synagogengebäude für 2000 Reichsmark an einen Würselener Wagenbauer verkauft. Infolge dessen sei – so Ursula Best – das Gebäude in der Pogromnacht 1938 nicht zerstört worden.

Nach dem Krieg war die ehemalige Synagoge zunächst Auto- und Karosseriewerkstatt, dann Tapetenmarkt, später Obst- und Gemüsehandlung sowie Ausstellungsraum für Sportboote. Seit 1981 wurde in ihr eine Spielhalle betrieben. „Proteste gegen diese Nutzung hatten keinen Erfolg “, monierte Best. Die Würselener Jungsozialisten beantragten die Aufnahme des Gebäudes in die Denkmalliste der Stadt. Der damalige Eigentümer habe gegen die Eintragung zunächst erfolgreich Einspruch erhoben. Später seien Teile des Gebäudes in sie aufgenommen worden.

Glasvitrine

Seit 2008 befindet sich das Gebäude im Besitz der Stadtentwicklungsgesellschaft der Stadt, die den Neubau für „Betreutes Wohnen“ erstellte. Der Arbeitskreis „Kein Vergessen“ habe einen Entwurf favorisiert, „der das Gebäude in seinem ursprünglichen Grundrissen und in seiner damaligen Höhe mit einer neuen Nutzung erhalten wollte, so dass die ehemalige Synagoge außen von allen Seiten hätte begangen werden können.“ Auf diese Weise wäre auch die westliche Giebelfront von Außen sichtbar geblieben.

Best beklagte, „dass die Reste der ehemaligen Synagoge bis auf die östliche Giebelfront umbaut worden sind“. So könne der westliche Giebel nur noch aus dem Treppenhaus in Augenschein genommen werden, der östliche auch von Außen. Nicht zuletzt verwies Ursula Best auf die Glasvitrine im Eingangsbereich des Seniorenwohnhauses, in der jüdische Texte ausgestellt sind, die auf dem Dachboden der alten Synagoge gefunden worden sind.

Zum Thema Holocaust lasen Angela Ortmanns-Dormann, Jürgen Hohlfeld und Susanne Hendess Gedichte vor, „O die Schornsteine“ von Nelly Sachs, „Todesfuge“ von Paul Celan und „Sch‘ma“ von Primo Levi.

Zwischen den Vorträgen spielte Harald Classen auf der Klarinette. Zum Abschluss der Gedenkstunde wurden die Namen der Opfer des Holocausts in Würselen verlesen und für jedes Opfer wurde ein Stein der Erinnerung auf die Fenstersimse der Giebelfront gelegt.

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