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Alter Römerweg ist nicht breit genug

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
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Ein Lastwagen kommt selten allein: Martin Hellhammer liegt mit der Stadt Alsdorf im Clinch. Foto: Stüber

Alsdorf. Martin Hellhammer ist sauer. Seit fast 40 Jahren wohnt er im Alten Römerweg 1B in Alsdorf-Begau.

Doch der Schwerlastverkehr, der in letzter Zeit die Straße in dem Wohnviertel mit vielen Einfamilienhäusern als Schleichweg von der Mariadorfer Straße aus Richtung Eschweiler zu einem Betriebsgelände an der St.-Jöris-Straße in zunehmendem Maße frequentiert, bereitet ihm und Anwohnern immer mehr Verdruss.

Betroffen von der vermeintlichen Abkürzung sind auch die Eigenheimbesitzer der Gartenstraße, die parallel zur St.-Jöris-Straße liegt und von manchem Kraftfahrer irrtümlich angefahren wird: „Ortsfremde glauben, sie landen bei Geradeausfahrt im Feld und biegen zu früh ein - und kommen dann nicht mehr vor und zurück, weil die Straße so eng ist”, mussten Hellhammer und Anwohner mehrfach erfahren.

Ärgerlich für die Fahrer und die Bewohner der Gartenstraße. Eigentlich seien diese Aufreger - die Siedlergemeinschaft Alsdorf-Begau spricht gar von „gravierenden Unfällen”, in einem Fall mit dem Tatbestand der Fahrerflucht - aber nicht nötig.

Schwerlastverkehr

Verbotsschilder für Fahrzeuge über 3,5 Tonnen, die ursprünglich einmal an den Einfahrten zum Alten Römerweg aufgestellt waren, könnten dem Schwerlastverkehr Einhalt gebieten, meint der pensionierte Postbeamte Hellhammer und teilte dies der Stadtverwaltung mit. Im Anhang seines Schreibens: eine Liste mit rund 40 Unterschriften von Anwohnern Alter Römerweg und Gartenstraße.

Die Verwaltung allerdings sieht das nicht so. Schließlich war man mit Berufung auf eine Änderung der Straßenverkehrsordnung aus dem Jahr 2002, die die Kommunen beauftragt, „alle unnötigen Verkehrszeichen entfernen zu lassen”, diesem Auftrag lediglich nachgekommen. Eine Überprüfung der Situation in Begau, unter anderem durch eine Verkehrszählung und Geschwindigkeitskontrollen in der Tempo-30-Straße, führte zu dem Schluss, dass „eine Sperrung nicht mehr erforderlich ist”. Die Verkehrssituation habe sich im Laufe der Zeit verändert.

Mit Zollstock Breite gemessen

So ist Hellhammer seit rund einem halben Jahr im Clinch mit dem Rathaus. Die Verkehrssituation habe sich in der Tat verändert, sagt der Pensionär, allerdings zum Schlechteren, nämlich zu mehr Durchgangsverkehr. Die Breite der Straße sei konstant geblieben, nämlich zu eng für etwa zwei sich begegnende Lkw oder einem Bus und einem Lkw, sagt Hellhammer und greift zum Zollstock: 4,50 Meter misst er aus, an anderen Stellen 4,20 Meter, ohne Bewässerungsrinne, die nicht Bestandteil der Fahrbahn ist.

Als ehemaliger Beamter kennt Hellhammer sich aus in Verordnungen, Gesetzen und Erlassen und zückt die „Empfehlungen für die Anlage von Erschließungsstraßen - EAE 85 -” vom Bundesministerium für Verkehr. Die Empfehlung gibt Richtlinien zu Raumbedarf, Fahrzeugart, Geschwindigkeit und Sicherheitsabständen. „Ein einziger Blick auf die Empfehlung zeigt, dass ein Begegnungsverkehr auf dem Alten Römerweg völlig ausgeschlossen ist und verkehrslenkende Maßnahmen zwingend geboten sind”, konstatiert Hellhammer.

So sage die Empfehlung aus, dass der Raumbedarf bei zwei sich begegnenden Lkw bei einer Geschwindigkeit von 40 Stundenkilometern mindestens 5,50 Meter betragen müsse, bei zwei Bussen gar 6 Meter. Da dies nicht gegeben sei, wichen Lkw und Pkw auf die ohnehin sehr schmalen Gehwege aus, was zu Schäden in den Vorgärten führe - Hellhammer hat dies mit Fotos dokumentiert - oder zu Gefahren für Fußgängern werde.

Nein, sagt dazu die Verwaltung, die von Hellhammer gemessene Breite treffe nicht zu, die Fahrbahnbreite betrage durchgehend 4,55 Meter, in manchen Bereichen sogar 5,50 Meter. Auch dem Ansinnen der Anwohner, die Straße nur für Anlieger freizugeben, könne man nicht nachkommen, dies sei „aus polizeilicher und rechtlicher Sicht nicht empfehlenswert”, heißt es in einem vom Ersten Beigeordneten Ralf Kahlen unterzeichneten Schreiben.

Vorgeschobene Anliegergründe seien kaum zu widerlegen, lautet die Einschätzung in dem Schreiben. „Mangels rechtlicher und tatsächlicher Voraussetzungen ist die erneute Sperrung für Lkw bis 3,5 t nicht beabsichtigt.” Das bringt Martin Hellhammer auf die Palme: „Mangelnde rechtliche und tatsächliche Voraussetzungen? Wer legt die fest? Das Recht und die Tatsachen, oder die Herrn im Rathaus?” Den Gang zum Gericht schließt er nicht aus.
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