Alte Halle in Alsdorf zeigt zwei Gesichter

Von: Karl Stüber
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„Zwei-Klassen-Gesellschaft“: Am Fuß des alten Fördergerüsts wird die „Außenhaut“ des alten Fördermaschinenhauses Anna I, das im Besitz von NRW.Urban ist, saniert. Der Bereich des EBV (rechts) hingegen bleibt davon erst einmal unberührt. Foto: Karl Stüber

Alsdorf. Kriselt es in der Beziehung, setzt der Karikaturist schon einmal eine Reihe Kakteen in die Mitte des Ehebettes oder lässt einen Partner mit der Säge in Aktion treten. Wenn sich zwei bei einem Haus nicht einig sind, dann werden ebenfalls Unterschiede schnell deutlich. Das scheint auf den ersten Blick auch für das alte Fördermaschinenhaus Anna I am Fuß des alten Fördergerüstes in Alsdorfs Zentrum zu gelten.

Dort sind seit einigen Monaten zwei Seiten eingerüstet, während ihre „Kollegen“ von der anderen Seite nicht einbezogen werden. Die Hälfte, an der die Außenhaut saniert wird, gehört NRW.Urban GmbH & Co. KG, die andere dem Eschweiler Bergwerks-Verein (EBV), also dem ehemals dort Steinkohlenbergbau Betreibenden.

200.000 Euro werden ausgegeben

Christoph Kemperdick, der sich für NRW.Urban um die Vermarktung im Bereich Annapark kümmert, bedauert dies auf Nachfrage ausdrücklich. Leider sei der EBV bislang nicht dazu zu bewegen gewesen, seinen Teil ebenfalls zwecks Erhalt des denkmalgeschützten Gebäudes und zur Steigerung der Attraktivität ebenfalls gleichermaßen zu „liften“. NRW.Urban, Nachfolgegesellschaft der LEG Stadtentwicklung, hat es sich im Auftrag des Landes zum Ziel gesetzt, Partner für Städte und Gemeinden zu sein, um die kommunale Entwicklung voranzutreiben und Gewerbe- und Industriebrachen zu revitalisieren.

Die Gesellschaft lässt sich ihren Teil an der Sanierung des Fördermaschinenhauses immerhin 200.000 Euro kosten. Schadhafte Steine der Fassade werden ausgetauscht, die Fugen erneuert. Im Zeitplan hinkt man etwas hinterher. Das lag an der Frostperiode zu Anfang des Jahres. Im Inneren wurden die beiden alten Turbinen nebst weiteren Metallteilen entrostet und neu gestrichen, der Innenputze ausgebessert. Aus Sicht von Kemperdick gut angelegtes Geld, denn letztlich gelte es auch, die Liegenschaft für Investoren bzw. Betreiber attraktiv zu machen.

Sozialen Brennpunkt entschärfen

Wie sollte das Gebäude genutzt werden? Kemperdick könnte sich eine Gastronomie vorstellen. Die Realität sieht derzeit anders aus: Gestrandete unserer Gesellschaft setzen gerne im Bereich des Gebäudes die Flasche an den Hals oder Härteres ein, um der Realität einen himmelblauen Anstrich zu verleihen, was Ordnungsamt und Polizei ebenso mit Interesse also auch mit Bedauern zur Kenntnis nehmen. Wenn es endlich gelingt, das Gebäude zu vermarkten und zum Beispiel Gastronomie dort einziehen zu lassen, dürften die Zeiten dieser Form der Druckbetankung allerdings vorbei sein.

Eine Belebung des kritischen Bereichs des Annagelände dürfte zur Verdrängung besagter Klientel führen, was nicht das Problem der Hilfsbedürftigen lösen würde. Schön wäre es, wenn diese Menschen am Rande die gerade erst geschaffenen Angebote des Projekts „Soziale Stadt Alsdorf-Mitte“ annehmen würden. Wie dem auch sei. Mit Erschließung und Nutzung des Gebäudes dürfte die Aufenthaltsqualität für Normalbürger deutlich erhöht – und die Sicherheit und das Empfinden darüber. Nachts ist bislang nur der dort unterwegs, der nicht anders kann – oder der nicht selten Probleme mit der sinnvollen Nutzung seiner Freizeit hat.

Ohne Unterstützung durch den EBV dürfte es schwierig werden, das Gebäude neu zu nutzen. In der Hälfte von NRW.Urban stehen die Turbinen, die Seite des EBV ist frei und könnte Tische und Stühle aufnehmen.

Christoph Kemperdick will nicht aufgeben und das Gespräch erneut mit dem zurückhaltenden „Partner“ suchen.

Und wie steht besagter EBV dazu? EBV-Projektmanager und -entwickler Thomas Hofmann mit Sitz in Hückelhoven schaute sich auf Grund der Nachfrage unserer Zeitung das Fördermaschinenhaus nochmals an und blätterte zusätzlich in den Akten. „Unsere Seite des Gebäudes ist offenbar vor ein paar Jahren bereits einmal erneuert worden.“ Der Teil sei in einem guten Zustand. Er sehe deshalb dort für den EBV keinen Renovierungsbedarf. Einer anderen Nutzung steht eine noch Jahre bindende Vermietung an die Energie- und Wasser-Versorgung GmbH (EWV) entgegen. Hofmann signalisierte, dass der EBV grundsätzlich offen für eine andere Lösung ist, wenn etwa jemand das Objekt kaufen wolle.

Allseits Gesprächsbereitschaft

EWV-Sprecherin Michaela Humphries sagte auf unsere Nachfrage, dass in dem fraglichen Gebäudeteil eine Trafostation untergebracht ist, um den Bereich Willy-Brandt-Ring mit Strom zu versorgen. Diese könnte durchaus ins Umfeld verlegt werden, wobei allerdings erhebliche Kosten anfallen dürften. Auch gelte es, hierfür eine geeignete Flächen zu finden. Der EWV sei in dieser Sache durchaus gesprächsbereit.

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