Alsdorfer Ehrenring an Blüm und Berger überreicht

Alsdorfer Ehrenring an Blüm und Berger überreicht

Von: Verena Müller
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Handschlag: Bürgermeister Alfred Sonders (l.) überreicht Norbert Blüm (Mitte) und Hans Berger den Ehrenring der Stadt Alsdorf. Foto: Verena Müller

Alsdorf. Dass die Ratssitzung des vergangenen Dienstag eine in mehrfacher Hinsicht besondere war, konnte man nicht nur an der ungewöhnlich hohen Zuschauerzahl feststellen, sondern auch an einem äußerst gut gelaunten und zu Scherzen aufgelegten Bürgermeister.

Es handelte sich nicht nur um die letzte Ratssitzung in diesem Jahr, nein, Alfred Sonders (SPD) durfte seinen beiden Beigeordneten zur Wiederwahl, drei Stadtverordneten zu ihrer langjährigen Ratsmitgliedschaft und – der eigentliche Höhepunkt des Abends – zwei Ehrengästen zur Überreichung des Ehrenrings der Stadt gratulieren.

Diesen erhielten nämlich Hans Berger, ehemaliger IGBCE-Vorsitzender, und Ex-Bundesarbeitsminister Norbert Blüm (CDU), die gegenüber des Verwaltungsvorstands Platz genommen hatten. Kein Wunder also, dass der Bürgermeister strahlte und strahlte. Und strahlte.

„Viele, viele Mitstreiter“

In seiner Ansprache blickte Sonders 25 Jahre zurück, nämlich auf den 18. Dezember 1992, als „das Herz des Aachener Steinkohlereviers aufgehört hat zu schlagen“. 4200 Arbeitsplätze gingen in Alsdorf verloren. „Das sind Zahlen. Doch hinter diesen Zahlen stecken Menschen, ihre Familien und ihre Schicksale“, so der Bürgermeister weiter.

Nach einer kurzen Bilanz, welche positiven Veränderungen sich seitdem in Alsdorf vollzogen haben – Sonders Lieblingsstelle bei Reden wie diesen –, schwenkte er zu den Persönlichkeiten, die „einen herausragenden Beitrag dafür geleistet haben, dass mit der tiefen Zäsur durch das Bergbauende kein sozialer Kahlschlag verbunden gewesen ist“.

Der Name des damaligen NRW-Ministerpräsidenten Johannes Rau durfte an der Stelle natürlich nicht fehlen, der eine Atmosphäre der Zuversicht geschaffen habe. Gemeinsam mit Rau hätten sich Berger und Blüm im Vorfeld der Zechenschließung stark gemacht. „Es herrschte Sorge, dass es nicht gelingen könne, für alle Beschäftigten eine Anschlussbeschäftigung und eine sozialverträgliche Lösung zu finden“, so Sonders.

Wie es Berger und Blüm gelang, für die 600 Alsdorfer ohne Perspektive doch noch eine Lösung zu finden, erläuterte Berger im Anschluss selbst: Ausgleichsleistungen für Frühpensionierte habe es lange nicht gegeben. Aber genau darauf wirkte Berger hin. „Darüber haben wir nicht sehr laut und sehr groß geredet, das wäre nämlich schädlich gewesen“, sagte er in seiner Dankesrede.

Da nicht alle Bergleute in der Steinkohle untergebracht werden konnten, galt es, für so viele in der Braunkohle Vorruhestandsregelungen zu finden wie aus den geschlossenen Zechen in die Braunkohle wechseln würden.

Berger betonte, dass es sich nicht um die Leistung einzelner handele, sondern „vieler, vieler Mitstreiter“. Ohne diese hätte er die Auszeichnung der Stadt Alsdorf gar nicht entgegennehmen können. Mit den Worten „Es gibt Dinge, die kennen keine Parteigrenzen, vor allem, wenn es ordentliche Leute sind“, bereitete er den Teppich für Norbert Blüm.

Dessen zentrale Botschaft lautete Solidarität. Die habe er innerhalb der IGBCE immer bewundert. „Ohne Vertrauen und Solidarität lässt sich eine Gesellschaft nicht organisieren“, sagte er auch mit Blick auf das Hier und Jetzt, in dem er diesen Grundsatz bedroht sieht. Egoismus sei anstrengend. Sicher könnten viele Aufgaben wie die Altenpflege Roboter übernehmen, und vieles laufe automatisiert. Aber zu welchem Preis?

„Eine Gesellschaft glücklicher Idioten ist möglich“, folgerte er mit einem Augenzwinkern. Aber nicht erstrebenswert, hätte Loriot an dieser Stelle vermutlich hinterhergeschoben. Berger habe nie ökonomische Vorträge gehalten, sondern auf die Gesichter hingewiesen, die hinter den Zahlen stehen. Das habe er so an seinem Weggefährten geschätzt. Nach dem Eintrag ins Goldene Buch der Stadt war der festliche Teil besiegelt, der Abend klang mit einem Umtrunk aus.

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