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Alsdorf will „Slums des Nordkreises” verhindern

Von: Holger Bubel
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Dichte Bebauung, mangelnde Lebensqualität: Auch mit der innerstädtischen Infrastruktur geht das Handlungskonzept ins Gericht. Foto: Holger Bubel

Alsdorf. Die Bestandsaufnahme fällt eindeutig aus: „Alsdorf-Mitte ist geprägt durch einkommensschwache Haushalte und Arbeitslosigkeit”, lautet die Einschätzung im „Integrierten Handlungskonzept Soziale Stadt Alsdorf-Mitte” der Planungsgruppe MWM aus Aachen, in Auftrag gegeben von der Stadt Alsdorf.

Belegt wird diese konstatierende Äußerung von Fakten, die die Planungsgruppe in Zusammenarbeit mit den zuständigen Fachbereichen der Verwaltung ausgearbeitet hat. Stadtkämmerer Günther Jansen wird noch deutlicher: „Mit der derzeitigen Situation bewegen wir uns dahin, das Slumviertel des Nordkreises zu werden, wenn nicht bald etwas passiert.”

Zahlreiche Defizite

Das Programmgebiet umfasst das etwa 1,5 Quadratkilometer große Alsdorfer Zentrum - vom Altstadtkern mit Burg und umgebenden Wohngebieten bis zum heutigen Dienstleistungs- und Geschäftszentrum östlich und dem Stadterneuerungsgebiet Annapark.

In einer „Hauruck”-Aktion hatten Politik und Verwaltung noch fristgerecht einen Antrag beim NRW-Städtebauförderungsprogramm „Soziale Stadt NRW” des Landes eingereicht (wir berichteten). Etwa 17,5 Millionen Euro würden für das Projekt im allerbesten Fall lockergemacht, ist das Konzept denn schlüssig und ein Erfolg der ausgearbeiteten Maßnahmen zur Verbesserung des momentanen Zustands im Programmgebiet absehbar.

Allein: Der Glaube, eine Zuwendung in solcher Höhe zu erhalten, ist klein. „Köln, eine Stadt mit einer Millionen Einwohner, hat den Bedarf für sein Projekt mit etwa 23 Millionen veranschlagt”, weiß Jansen. Er hat wenig Hoffnung, den Stadtsäckel mit der benötigten Summe aufzufüllen.

Die Probleme sind also erkannt: eine sozio-ökonomisch problematische Struktur in diesem Stadtbereich, Integrationsbarrieren, die zu sozialen Ausschlüssen und Isolation führen, ein unterdurchschnittliches Einkommens- und demgemäß geringes Einkaufsniveau als auslösender Faktor für Verkaufsflächenleerstände und für den sogenannten „Trading-down-Effekt”, was nichts anderes meint als die Ansiedlung von Billigläden. Hinzu kommen stadtstrukturelle Defizite, nämlich verdichtete Bebauung mit erlebnisarmem Wohnumfeld und Gebäuden mit teilweise hohem Sanierungsbedarf.

Wer einmal einen Spaziergang durch Alsdorf-Mitte macht, erlebt hautnah, wovon das Handlungskonzept spricht. Auf der einen Seite „Hui” mit Stadthalle, aufgemöbeltem Denkmalplatz, neuer Grundschule und in Anlehnung an den Annapark neu angesiedeltem Wohngebiet, dem Energeticon... Und andererseits „Pfui” mit Blick auf wenig ansprechende Fassaden an der Bahnhofstraße und zahlreiche Leerstände.

Entscheidung Ende März

Doch wie geht es nun weiter? Einen ganzen Maßnahmenkatalog haben Stadt und Planungsbüro in ihrem Integrierten Handlungskonzept erarbeitet.

Über die Wichtigkeit, endlich zu handeln, sind sich Kämmerer Jansen und Bürgermeister Alfred Sonders einig: „Die soziale Arbeit in diesem Stadtgebiet steht im Vordergrund”, sagt Sonders. Und Günther Jansen fügt hinzu: „Handeln wir nicht zeitnah und nachhaltig, können die Folgekosten für diesen Stadtbereich explodieren.”

Wird die Stadt Alsdorf also auch kaum die anvisierten 17,5 Millionen für ihr Projekt bekommen, herrscht Einmütigkeit, dass jede sonstige Landeszuwendung „in Köpfe investiert” werden soll, sagt der Bürgermeister. Heißt: Der Sozialarbeiter vor Ort genießt Priorität und nicht der Ort an sich.

Eine erste Entscheidung über die Verteilung der Mittel erfolgt Ende März. Doch schon jetzt zeichnet sich ab, dass das Alsdorfer Programm abgespeckt werden muss. Grünanlagen, sagt Sonders, seien eben nicht so wichtig wie etwa das geplante Bildungsbüro. Da werde man also den Stift noch einmal ansetzen müssen.

„Für einen kleineren Betrag sind wir wohl vorgesehen. Dann müssen wir viele kleine Schritte unternehmen”, weiß Jansen und zeichnet ein gar nicht buntes Bild: „Wir sind uns unserer Verantwortung für Alsdorf-Mitte bewusst. Da muss so oder so etwas geschehen, damit von dort aus nicht ein sozialer Flächenbrand ausgeht.”

Die Probleme sind also im Rathaus, das - ganz nebenbei - auch ins Programmgebiet fällt, bekannt. Welche Entwicklung Alsdorf-Mitte künftig nimmt, wird sich spätestens dann zeigen, wenn das Schulzentrum am Annapark Realität wird.
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