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Alsdorf: Im Fußballcamp kicken autistische und hyperaktive Kinder

Von: Stefan Schaum
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Gleich wird wieder Fußball gespielt. Auch ruhige Momente gehören für die teils hyperaktiven Kinder des Fußballcamps zum Training. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf. Klar, ein paar Tore fallen auch. Es wird schließlich fleißig gedribbelt, geflankt und gebolzt. Doch um fußballerisches Können geht es gar nicht mal in erster Linie. Es geht darum, dass aus Einzelgängern Teamplayer werden. Dass Kinder miteinander klarkommen, die sonst mit niemandem spielen wollen oder die von anderen stets links liegen gelassen werden.

Bei einem besonderen Fußballcamp auf dem Sportplatz an der Alsdorfer Gesamtschule stehen in dieser Woche zwar auch ein paar Kinder auf dem Feld, die man gemeinhin als „normal” bezeichnen würde. Doch die Mehrheit der 39 Spieler bringt eine Leidensgeschichte mit.

Ein paar sind Autisten, die Mehrheit schlägt sich mit dem Aufmerksamkeitsdefizit-Syndrom und Hyperaktivität durch ihr junges Leben. „Das sind Kinder, die in einem normalen Verein oft keine Chance haben. Wenn es mal zu Konflikten kommt, werden sie einfach rausgeschmissen.”

David Lenneper weiß, wovon er da spricht. Denn der 30-jährige Ergotherapeut war lange Zeit Trainer in Fußballvereinen, hat im vergangenen Jahr etwa den Nachwuchs der Aachener Alemannia gecoacht. Er kennt etliche junge Fußballbegeisterte, die ihre Krankheit dazu antreibt, auf dem Platz ständig Mitspieler zu beschimpfen, sie anzurempeln oder zu treten.

Deshalb hat er vor drei Jahren erstmals ein Fußballcamp initiiert, wo die Teilnehmer mit AD(H)S nicht ausgegrenzt werden. Weil die anderen ihr Schicksal teilen. „Hier steht der Leistungsgedanke überhaupt nicht im Vordergrund”, sagt er, „es geht um den integrativen Aspekt.”

Auch mal ruppig

In Sachen Integration tut sich einiges. Zwar wird der Ton der Drei- bis 16-Jährigen untereinander auch mal ruppig, doch raufen sich alle rasch wieder zusammen. Auch, weil neben den Fußballtrainern sieben Ergotherapeuten den Kleingruppen zur Seite stehen.

Und erhitzen sich die Gemüter doch mal zu sehr, dann können die Kinder eine Auszeit nehmen und sich am Spielfeldrand an paar Minuten lang beruhigen. Lenneper: „Das funktioniert gut. Hier entstehen ganz neue Freundschaften. Ein paar der Kinder öffnen sich plötzlich und lassen Nähe zu.”

Auch bei einem Ausflug nach Aldenhoven oder dem Besuch des Alsdorfer Taekwondo-Trainers Gerd Stein hat die Gemeinschaft sich bewährt. Für den 16-jährigen Florin, der bereits zum zweiten Mal dabei ist, ist das eine Selbstverständlichkeit. „Wenn es hier mal Reibereien gibt, dann steht die Gruppe zusammen und beruhigt die Situation.”

Eltern treten gegen ihre Kinder an

Zum Abschluss des Fußballcamps am Freitag, 10. Juli, soll es ein besonderes Event geben. Um 14 Uhr treten auf dem Sportplatz Am Klött die Eltern gegen ihre Kinder an. Zuschauer sind bei diesem Spiel herzlich willkommen.
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