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Alfred Reimund sammelt alles über die Stadt Alsdorf

Von: Karl Stüber
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Auch Einzelschicksale gehören zur Geschichte der Stadt Alsdorf: Alfred Reimund mit dem Flugbuch von Hermann Heinz, der im Februar 1944 fiel. Foto: Karl Stüber
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Der Krieg erreicht Warden: Ein verlassenes deutsches Sturmgeschütz zeugt von den Kampfhandlungen.
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Ein Checkpoint der Amerikaner in Hoengen: „Wir sind hier, um Euch zu helfen!“, wird der Bevölkerung signalisiert.

Alsdorf. „Was haben Sie zum Thema Zweiter Weltkrieg in Alsdorf in Ihrem Archiv?“ Kaum ist die Frage gestellt, fliegen die Finger von Alfred Reimund über die Tastatur seines Rechners, zieht er Mappen und Bücher aus dem Regal, trägt Dokumente zusammen.

Zum Vorschein kommt auch ein Flugbuch des Hermann Heinz, der in Alsdorf im Jahre 1922 geborene Flieger fiel im Krieg. Der letzte Eintrag bezieht sich auf den Flug mit einer zweimotorigen Junkers JU-88.

Alfred Reimund ist leidenschaftlicher Sammler, vor allem in Sachen Alsdorf. Im ersten Stock seines Hauses in Zopp hat er sein persönliches kleines Reich geschaffen, dessen Bestände er aber gerne der interessierten Öffentlichkeit zeigt. Mittlerweile hat der 63-Jährige die achte Ausstellung aus seiner Sammlung bestückt. Schüler und Kindergartenkinder schauen sich bei ihm um, um Heimatkunde zu betreiben. Immer wieder wird ihm historisches Material angetragen, oft aus Nachlässen.

Auslöser für seine Sammelleidenschaft war vor rund zehn Jahren der Wetterexperte Jörg Kachelmann. Da seien bei den Wettervorhersagen im Fernsehen immer Landschaften und -marken genannt worden, die seien Neugier weckten, erzählt Reimund. Was ist mit der Uckermark verbunden, wie sieht es im Teutoburger Land aus? Reimunds machte sich via Internet auf die Reise, sammelte Bücher, Dokumente und mehr. Hinzu kamen Infos zu Städten inklusive Wappen und vieles andere mehr.

„Da hat mich vor ein paar Jahren der Heimatdichter Toni André besucht und gesagt: ,Junge, Du verzettlest Dich. Konzentriere Dich doch auf Alsdorf‘“, berichtet Reimund. Gesagt, getan. Täglich sitzt Reimund ein bis zwei Stunden in seiner Hobby-Etage und frönt seiner Leidenschaft. Alles wird penibel katalogisiert. Sieben Terabyte Datenmenge hat er bereits angelegt. Die Dateien sind mehrfach hinterlegt. Nicht auszudenken, wenn ein Softwarefehler oder ein mechanischer Schaden die Fleißarbeit zunichte machen würde.

Veränderungen im Blick

Der gelernte technische Zeichner, der später seinen Techniker „machte“, als Marktbeschicker unterwegs war und mit seiner Frau, einer Floristin, einen Blumenladen betrieb, ist seit einem Jahr in Rente. Langweile kommt nicht auf. Reimund beschränkt sich nicht nur aufs Sammeln von Dokumenten, sondern dokumentiert mit seiner Kamera Veränderungen in Alsdorf, so etwa den Bau des „Stadttor“-Hauses am Bahnhofsplatz. Ärger mit seiner Frau bekommt er nicht, solange er mit seinem Hobby auf der oberen Etage bleibt. Reimund ist auch wichtiger Aktivposten des Bergbaumuseumsvereins Grube Anna 2 in Alsdorf. Dort kümmert er sich zweimal in der Woche um den Ausbau des Fotoarchivs.

Zurück zum eigentlichen Anlass des Besuchs in seinem Archiv: Alsdorf, das im Jahr 1944 nach der Zeit der Bombenangriffe alliierter Flieger zum direkten Kampfgebiet wurde. Natürlich hat Reimund auch viele Beiträge unserer Zeitung gesammelt, die sich mit dem Thema befasst haben, so die Serie „Schlachtfeld Rheinland“ aus den 1970er Jahren oder „Trecks ins Ungewisse“, die sich im Jahre 1990 mit der Evakuierung des Grenzlands 1944/45 befasste.

Hauptquartier auf Anna I

Alsdorf wurde nach wochenlangen Kämpfen durch Einheiten der US-Armee am 7. Oktober 1944 besetzt. Der Versuch der Rückeroberung durch deutsche Truppen scheiterte. Die Amerikaner richteten nach Besetzung der Stadt ihr Hauptquartier im Verwaltungsgebäude der Grube Anna I ein. „Die Offiziere, die nun von der Grube aus die Verwaltung übernahmen, gehörten zum G-5, das heißt zum speziellen Stab der Militärverwaltung. Diese vorläufige Besatzungsverwaltung sollte die militärischen Operationen unterstützen und die Sicherheit der Invasionstruppe gewährleisten, sie hatte aber auch für eine Normalisierung der Verhältnisse bei der Zivilbevölkerung zu sorgen“, schreibt Ruth Pohlmann-Schillings in den Jahresblättern des Alsdorfer Geschichtsvereins, Ausgabe 1996/97. Zu dieser Phase der Alsdorfer Geschichte sind bei Alfred Reimund natürlich auch Dokumente zu finden.

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