Abwrackprämie beschert dem Autohandel im Nordkreis Zuwächse

Von: Michael Giesen
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Derzeit nutzen viele Menschen die Gelegenheit, ihr Altauto gegen ein flammneues Auto einzutauschen, der Abwrackprämie sei dank. Foto: dpa

Nordkreis. Wer hätte das gedacht: Die Abwrackprämie der Bundesregierung zieht. Wenn auch nicht überall. Manche Autohäuser im Nordkreis können sich des Ansturms von Kaufwilligen nicht erwehren, in anderen herrscht eher gepflegte Ruhe.

Zum Beispiel bei Mercedes-Benz Bähr in Kohlscheid. Die Autos aus der Stuttgarter Nobelschmiede sind allesamt zu hochpreisig, als dass sie mit nur neun Jahren auf dem Buckel nur noch einen Marktwert von 2500 Euro hätten.

Denn nur dann lohnt sich der von der schwarz-roten Koalition angebotene Deal wirklich: Wenn man für das eigene Auto weniger als die 2500 Euro bekommen würde, die nun der Staat verschenkt. Der Staat - das sind wir alle.

„Die allerersten Smart sind gerade mal acht oder neun Jahre alt”, sagt Thomas Ebert, Geschäftsleiter bei Auto Bähr. Die könnten allenfalls also in Frage kommen. Aber da bewegt sich nichts. Noch nicht einmal bei der - älteren - A-Klasse.

Die schon im vergangenen Jahr spürbare Kaufzurückhaltung setze sich fort, versichert Ebert. Ende März kommt die neue - diesmal dynamisch-kantige - E-Klasse in die Verkaufsräume. Das lässt Thomas Ebert hoffen auf bessere Umsatzzeiten.

Die haben sich bei anderen Händlern durch die Abwrackprämie eingestellt. Einer will sogar nicht mit Namen genannt werden, so gut laufen die Geschäfte plötzlich. Sogar so gut, dass er nun händeringend landauf, landab nach Neuwagen sucht, um die Kundschaft zu befriedigen.

„Das ist schon ein enormer Anschub”, frohlockt Ralf-Ulrich Seeger, Geschäftsführer bei der Opel-Thüllen-Filiale in Merkstein, wo es neben den Produkten aus Rüsselsheim auch solche der französischen Löwen-Marke Peugeot zu haben gibt. Die Politiker hätten „ganz gezielt” untere Einkommensgruppen im Auge gehabt, meint der Auto-Fachmann. Seeger: „Für die, die die dicken Daimler fahren, ist das nicht gemacht.”

Mithin profitiert nicht der neue Insignia, das „Auto des Jahres 2009” davon, sondern vor allem die kleineren Corsas und Agilas aus dem Hause Opel oder auch so ein Kleinwagen wie der Peugeot 107. Vorzugsweise Pkw mit einem Neupreis von rund 10000 Euro.

Als eine von den vier Nordkreis-Städten ist Würselen mit Autohäusern nicht gerade üppig gesegnet. Immerhin ist hier der japanische Autobauer Honda vertreten. „Abwrackprämie - was ist das?”, fragt eine wohlklingende Frauenstimme am anderen Ende der Telefonleitung. Und nach einer kurzen Pause des Nachdenkens: „Ach, Sie meinen die 2500!” Nein, da tue sich gar nichts. Verwunderlich, da doch alle Welt prophezeit hat, gerade die japanischen und koreanischen Autobauer würden von der Abwrackprämie profitieren.

„Das Interesse ist sehr, sehr groß”, bestätigt hingegen Verkaufsleiter Helmut Lind vom Autohaus Lind in Baesweiler. „Viele Leute haben Angst, dass der Topf schnell wird.” Schließlich gehe es - nur - um etwa 600.000 Pkw.

„Die Jahreswagen sind alle verkauft”, sagt Helmut Lind, der mit seinen drei Brüdern das Autohaus „managed”. Das Hauptaugenmerk der Kundschaft richte sich freilich auf die Sektion „Kleinwagen”. Wie zum Beispiel bei dem älteren Ehepaar, das seinen 21 Jahre alten Escort eintauschen möchte.

Man entscheidet sich für einen Ford Fiesta. Dabei steht auch schon der flammneue Ford Ka bei Lind, dessen offizielle Präsentation bei Lind noch bevorsteht: am 14. Februar. Auch wenn es ein Zufall ist: In puncto Abwrackprämie hat der Kölner Autoproduzent mit dem Ka wohl gerade den richtigen Zeitpunkt gewählt.

Gute Karten hat derzeit auch die Renault-Tochter Dacia. Nach dem Abzug von BMW aus der Alsdorfer Dependance von Kohl Automobile vor kurzem, sind Renault und Dacia an die Stelle getreten. Offenbar mit Erfolg.

Geschäftsleiter Dietmar Oetterer eilt von Verkaufsgespräch zu Verkaufsgespräch, ist nur schwer zu erreichen und bleibt schließlich am Telefon kurz angebunden: „Hier brennt im Moment die Hütte.”
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