Würselen - 60 Jugendliche aus Morlaix besuchen die Partnerstadt Würselen

60 Jugendliche aus Morlaix besuchen die Partnerstadt Würselen

Von: Lars Odenkirchen
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„Familientreffen”: Auch in diesem Jahr freuen sich Anne Vockrodt-Niessen (v.l.) mit ihrer Tochter Lea (ganz rechts) und ihr Mann Ralf über den Besuch von Marion und Maiwenn. Foto: Lars Odenkirchen

Würselen. Besuch aus Frankreich! Der gehört für Familie Vockrodt-Niessen mittlerweile ins Jahr wie Weihnachten oder Ostern. Seit acht Jahren sind die Würselener mit Begeisterung dabei, wenn Jugendliche aus der Partnerstadt Morlaix nach Deutschland kommen.

Die Gastfreundschaft trägt Früchte: Schon seit 1992 unterhält der Schulchor des Würselener Gymnasiums einen regen Austausch mit den „Babsingers” aus Morlaix, was zum einen dem großen Engagement des Chorleiters Bernhard Wiesemann, zum anderen aber natürlich auch der Bereitschaft der vielen Gastfamilien zu verdanken ist.

Marion (18) und Maiwenn (17) heißen die beiden Französinnen, die bei Familie Vockrodt-Niessen zu Gast sind. Die Familie kennen sie gut, denn die beiden Mädchen verbringen schon zum dritten Mal den Austausch bei Anne, Ralf und ihren drei Kindern Inga (22), Lea (17) und Paul (13).

„Never change a winning team”, kommentiert Familienvater Ralf den erneuten Besuch, „mit den beiden passt es gut und sie fühlen sich hier wohl, warum sollten wir also etwas ändern?” Für ihre Lieblingsgäste hat die fünfköpfige Familie eigens ein Zimmer frei geräumt, und auch sonst hat Anne Vockrodt-Niessen ein paar Vorkehrungen getroffen: „Im Flur steht ein Tisch mit Getränken, Süßigkeiten und Müsliriegeln - es ist ja für die Beiden nicht schön, wenn sie immer nach allem fragen müssen.”

Natürlich werden die jungen Frauen auch sonst in den Familienalltag fest eingebunden: Etwa beim Frühstück, dass die Familie jeden Samstag gemeinsam verbringt. „Für uns ist es ungewohnt, dass man zum Frühstück Wurst und Käse ist”, stellt Marion fest. Was in Frankreich sonst üblich ist? „Vor allem süße Sachen”, erzählt Maiwenn, „aber nicht immer Croissants - die gibt es höchstens am Wochenende.” Auch sonst unterscheiden sich Deutsche und Franzosen was das Essen angeht.

„In Frankreich gibt es meistens vier feste Zeiten für die Mahlzeiten, und hier essen die Leute, wenn sie hungrig sind”, meint Marion. Auf Essen beschränken sich die Unterschiede aber natürlich nicht. „Als wir das erste Mal in Würselen waren, ist mir sofort aufgefallen, dass die Straßen hier sauberer sind”, erinnert sich Maiwenn, und ihre Freundin Marion ergänzt: „Würselen und Morlaix sind zwar ungefähr gleich groß, aber irgendwie wirkt Würselen für uns mehr wie eine Großstadt: So viele Geschäfte und Imbisse, das kennen wir von zu Hause nicht. Da gibt es entweder eine große Stadt mit all diesen Sachen, oder eben nur Wohnsiedlungen.”

Anfangs war zudem die Sprache ein Hemmnis, mittlerweile sprechen die französischen und deutschen Schüler aber in einem bunten Mix miteinander. „Hauptsächlich Englisch, weil das für uns alle gleich schwer ist”, berichtet Lea, „aber ab und zu kommt dann auch mal ein deutsches oder französisches Wort mit rein. Hauptsache, man versteht sich.”

Langweile kommt für die Französinnen in der „Großstadt Würselen” jedenfalls nicht auf. Gemeinsame Feiern stehen ebenso an wie Ausflüge, in den letzten Jahren etwa nach Köln, Aachen oder Monschau. Und natürlich gehört auch das Singen zum Programm: In diesem Jahr traten die Babsingers mit dem Musical „Les Miserables” in der Aula des Gymnasiums auf, der heimische Schulchor unterstützt sie dabei. Natürlich steht für die Würselener Schüler auch ein Gegenbesuch Ende Mai an, bei dem die Studentin Inga und ihre jüngere Schwester Lea in der Vergangenheit schon mitgemacht haben.

„Frankreich”, bemerkt Inga, „ist tatsächlich so, wie man es aus den Schulbüchern kennt: Zum Beispiel das Essen und die runden Kopfkissen.” Ihre Schwester Lea mag auch die Mentalität der französischen Schüler: „Sie sind irgendwie offener, ungezwungener. Deutsche sind dagegen erstmal etwas distanziert.” Für die Chormitglieder des Gymnasiums gilt das mittlerweile nicht mehr: Aus so manchem Besuch sind echte Freundschaften entstanden. Auch Marion und Maiwenn halten während des Jahres Kontakt zu ihrer Gastfamilie, „übers Internet, das macht das Schreiben deutlich schneller und einfacher.”

Sorgen wegen des Erhalts der deutsch-französischen Freundschaften machen sich Anne Vockrodt-Niessen und ihr Mann Ralf da nur für die weitere Zukunft: „Bisher hält unser Chorleiter Bernhard Wiesemann in Gange und organisiert alles. Doch wenn er in einigen Jahren in Ruhestand geht, wird es schwer wieder jemanden zu finden, der sich so sehr engagiert.”
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