200 Jahre alte Linde soll Naturdenkmal werden

Von: Beatrix Oprée
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Kämpfen für den Baumriesen in der Innenstadt: Dr. Bernd Fasel und Stefanie Weskott. Foto: Beatrix Oprée

Herzogenrath. Mehrere Meter beträgt der Umfang des mächtigen Stammes, der sich in zwei Metern Höhe V-förmig teilt und in zwei stattlichen Trieben weit über die angrenzende Wohnbebauung hinauswächst. Offenbar ist die alte Linde einst als Kopfbaum gezogen worden.

Ihr Blätterdach ist so dicht, dass man den Himmel nicht mehr sehen kann. „Ein Zeichen, dass der Baum gut im Saft steht”, sagt Grünen-Stadtverordneter Dr. Bernd Fasel. So gut, dass die Ziegelmauer daneben Risse aufweist und sich schon bedenklich zur Seite neigt.

Fällantrag liegt vor

Auf mindestens 200 Jahre schätzt Anwohnerin Stefanie Weskott das Alter des markanten Baumriesen, der sich auf dem Hinterhof des Hauses Kleikstraße 93 zwischen der Bebauung am Schürhof bis jetzt behauptet hat. Doch seine Tage scheinen gezählt.

Denn der Hauskomplex ist verkauft worden, ein Fällantrag liegt der Stadt bereits vor, ebenso ein Abbruchantrag für die darauf stehenden Gebäude, wonach das Grundstück auf fast seiner gesamten Fläche bebaut werden soll. Bei der Aufstellung des Bebauungsplans für den Bereich Kleikstraße/Schürhof war der Baum seinerzeit nicht als schützenswert eingetragen worden.

„Ein Versäumnis”, wie Dr. Fasel feststellt, der sich zudem ärgert, „dass wir als Politiker erst durch eine Anwohnerin erfahren, was hier offenbar geplant ist. Aber leider ist es in Herzogenrath oft so, dass Bäume, die im Weg stehen, einfach abgesägt werden.”

Den immer noch kraftstrotzenden Zeugen aus Zeiten, als das Gebiet des heutigen „Eurode” tatsächlich noch eins war - nämlich das Land von Rode -, unter dem vielleicht sogar noch die Bockreiter entlang geritten sind, möchte Stefanie Weskott auf alle Fälle weiter wachsen sehen. Deswegen hat sie einen Antrag gestellt, die Linde als Naturdenkmal auszuweisen. Seitens der Stadt Herzogenrath wurde sie dazu an die zuständige Untere Landschaftsbehörde der Städteregion Aachen verwiesen.

Die Linde, sagt sie, sei mittlerweile der älteste Baum im Wohnumfeld der Burg. Alle anderen alten Bäume hätten aus unterschiedlichen Gründen, „meist Bauvorhaben”, weichen müssen.

„Noch nicht zu spät”

„Gerade durch die innerstädtische Verdichtung sind diese Sauerstoffproduzenten enorm wichtig für die Bewohner”, stellt sie weiter fest. Im Zuge der Euregionale seien zwar auf dem Gelände der Burg jede Menge Bäume gepflanzt worden, die jedoch noch viel zu jung seien, um eine entsprechende Sauerstoffmenge zu produzieren. Zudem sei die Linde durch ihre reiche Blütenbildung eine wichtige Nahrungsquelle für Bienen, daher für die Artenvielfalt von besonderer Bedeutung. Weskott: „Ich kann nicht glauben, dass ein verabschiedeter Bebauungsplan die Inschutznahme eines Baumes unmöglich machen kann.”

Das will auch der Technische Dezernent Rüdiger Staron so nicht sehen: „Warum die Unterschutzstellung seinerzeit versäumt wurde, entzieht sich meiner Kenntnis. Aber noch ist es ja nicht zu spät.” Der Fällantrag werde ohnehin erst bearbeitet, wenn ein genehmigungsfähiger Bauantrag vorliege, und das sei noch nicht der Fall.

Auf nunmehr viele zu klärende Einzelfragen weist Holger Benend von der Pressestelle der Städteregion hin. Dazu werde die Untere Landschaftsbehörde in Bälde Kontakt zur Stadt Herzogenrath, dem neuen Grundstücksbesitzer und der Antragstellerin aufnehmen. Ziel ist, eine für alle tragbare Lösung zu finden. Geprüft werde von den Experten natürlich auch, ob die altehrwürdige Linde die Kriterien für ein Naturdenkmal erfüllt.
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