19-Jähriger macht zeitgleich Berufsausbildung und Abitur

Von: Stefan Schaum
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Alles im Griff: PC, Schule, Arbeit und bald das Studium. Philipp Laufenberg ist bereit für die frühe Karriere. Foto: Stefan Schaum

Alsdorf/Herzogenrath. Stressig? Das war es, und mitunter nicht zu knapp. Man macht eben nicht mal einfach so sein Abitur und eine Berufsausbildung gleichzeitig. Eigentlich macht man das gar nicht. Philipp Laufenberg hat sich auf das Wagnis eingelassen und es obendrein locker gemeistert.

Nun hat der Herzogenrather mit 19 Jahren sein Reifezeugnis - Schnitt 1,6 - und eine abgeschlossene Lehre als Fachinformatiker für Anwendungsentwicklung - Abschlussnote: sehr gut - in der Tasche.

Ein Vorbild sein

„Der Philipp ist der erste seiner Art, ein echter Prototyp!” Ein glänzendes Vorbild, wie Bernd Esser sagt. Ginge es nach dem zuständigen Lehrer für Begabtenförderung am Herzogenrather Gymnasium, würde es künftig viele Philipps geben.

Das Problem ist nur, dass potenzielle Kandidaten für das „Herzogenrather Modell der individuellen Begabtenförderung” rar gesät sind.

„So was hat es ja nicht ohne Grund noch nie gegeben”, sagt Esser, dem kein ähnliches Konzept bundesweit bekannt ist. Glänzende Schulnoten, Selbstständigkeit, Beharrlichkeit, hohe Frustrationstoleranz, ein straffes Zeitmanagement und mehr brauche es, um Schullehrer und Lehrherren gleichzeitig zufrieden zu stellen. Daher ahnt Bernd Esser: so einen Philipp gibt es wohl so bald nicht wieder.

Möglicherweise einmalig

Der möglicherweise einmalige junge Mann lächelt heute und hat es auch während der vergangenen drei Jahre stets getan. Trotz „wirklich vollgepackter Tage”, wie er sagt.

Denn er hat für das Abitur nicht weniger lernen müssen als seine Mitschüler. „Ich bin bloß tageweise freigestellt worden, um auch die Berufsschulen besuchen zu können.”

Die in Herzogenrath für den wirtschaftlichen und die in Alsdorf für den technischen Teil der Ausbildung. Den praktischen Part hat er an drei Tagen pro Woche für jeweils vier Stunden bei dem Alsdorfer Softwareunternehmen Veda erledigt.

Dort hatte er vor vier Jahren ein Schulpraktikum gemacht. Dr. Ralf Gräßler, geschäftsführender Gesellschafter des Unternehmens, kann sich sehr gut daran erinnern. „Und war gleich klar: Der ist ein Ausnahmetalent. Zielstrebig, motiviert, ungeheuer flexibel.”

Ein Typ, wie er heute in der Branche gefordert sei, die von Projekt zu Projekt umdenken muss. Ein Rohdiamant, bereit für den ganz frühen Schliff.

Gemeinsam mit der Schule, die im Rahmen der KURS-Kooperation der Industrie- und Handelskammer ohnehin seit 2002 Partner des Unternehmens ist, ist damals das Konzept ersonnen worden. Das „Konzept Philipp” - maßgeschneidert!

Großen Wert haben alle Beteiligten darauf gelegt, dass der Kandidat nicht zum Versuchskaninchen wird, das eventuell auf der Strecke bleibt.

„Hätte Philipp jemals unter einer Belastung gelitten, hätte das Abitur Vorrang gehabt, dann wäre Ausbildung abgebrochen worden”, sagt Gisbert Kurlfinke von der IHK.

Die Gefahr bestand nie. Philipp hat es nicht bloß geschafft, „mitunter morgens im Gymnasium eine Klausur zu schreiben und mittags eine in der Berufsschule, dann in die Firma zu fahren und ein Projekt für einen Kunden fertig zu stellen”.

Er hat auch in den Abendstunden („manchmal bis nach Mitternacht”) seinen versäumten Schulstoff nachgearbeitet. Und bei all dem hat er seine Freundin und Freunde getroffen, an den Wochenenden gefeiert und Basketball gespielt, als sei das alles gar kein Ding. „Ich habe auf nichts verzichtet”, sagt er heute.

Im Gegenteil: er hat viel bekommen. Nicht bloß ein Know-how, wie es wohl kaum ein Gleichaltriger hat. Er hat als Azubi ja auch Geld verdient. Genug für ein Moped, mit dem er zwischen den Schulen und seinem Ausbildungsplatz pendeln konnte. Genug auch für den Führerschein und später ein Auto. Sogar ein Urlaub in Barcelona war drin.

Urlaub wird er sich jetzt nicht gönnen. Am 13. Januar hat er seine Ausbildung beendet, im April wird er ein BWL-Studium in Köln beginnen.

Dazwischen arbeitet er. „Auf Philipp wollen wir doch nicht verzichten”, sagt Sabine Schmitt, bei Veda zuständig für das Personal.

„Er ist bei unseren Kunden sehr beliebt.” Auch während der Semesterferien möchte er künftig in Alsdorf arbeiten. Zielstrebig, der Mann. „Jetzt kommt die Uni, vielleicht ein Auslandssemester. Dann würde ich gerne etwas im Bereich Unternehmensforschung machen.”

Auf das Konzept des Gymnasiums sind auch die Bezirksregierung und das Schulministerium NRW aufmerksam geworden. Schulleiter Reinhard Granz: „Uns winkt dafür das Gütesiegel für individuelle Förderung.” Und wer weiß, vielleicht findet sich bald ein neuer Kandidat für die Ausbildung während der Schulzeit.” Granz: Der Weg ist bereitet. Philipp hat da eine richtige Bresche geschlagen.”
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