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12. Alsdorfer Stadtgespräch: Energiewende beginnt in den Köpfen

Von: Holger Bubel
Letzte Aktualisierung:
Stadtgespräch
Die Energiewende ist kein technisches Problem, sondern ein Akzeptanzproblem.

Alsdorf. Dass Energie das Thema der Zukunft ist und der Weltfrieden eher durch dessen Mangel denn durch religiöse oder ideologische Beweggründe gefährdet ist, das betont Harald Richter, Geschäftsführer der Energeticon gGmbH, nachdrücklich.

Naheliegend war es dann auch, dass der Geschäftsführer und (Mit-)Macher der Erlebnisausstellung Energeticon in seiner Heimstätte das 12. Stadtgespräch unserer Zeitung und der Aktionsgemeinschaft Stadtmarketing an der Seite von Karl Stüber, Redakteur unserer Zeitung, moderierte.  Der Abend in der Energeticon-Kraftzentrale stand unter dem Titel „Zündende Ideen – leuchtende Beispiele. Die Energiewende vor Ort“.

Global denken, lokal handeln hätte das Motto der gut besuchten Veranstaltung auch lauten können, wie Dr. Christian Haag, Diplom-Ingenieur und Geschäftsführer von FEN (Flexible Elektrische Netze), in seinen Ausführungen zur Einstimmung erläuterte: „Die mit der politischen Brechstange durchgesetzte Energiewende braucht verschiedene Ansatzlösungen – und diese müssen lokal auch passen“, sagte Haag.

Die Energiewende sei kein technisches Problem – „Das ist machbar“ –, sondern habe ein Akzeptanzproblem. Daran seien auch die Medien nicht ganz unschuldig, betonte Haag: „Energie ist ein Reizthema, das durch eine Negativberichterstattung – besonders über steigende Kosten für den Einzelnen – belastet wird.“ Ja, räumte der Wissenschaftler ein, die Kosten für grüne Energie würden steigen, aber: „Bei einem vernünftigen Umgang mit ihr kann man aber die Kosten reduzieren.“ Dazu müsse jeder Einzelne seine Bequemlichkeit ablegen und über seinen eigenen Schatten springen: „Durch einen bewussten Umgang mit Strom, Wasser oder Gas kann jeder bis zu 40 Prozent Energie einsparen.“

Oder durch Investitionen, die sich amortisierten. Dazu konnte Hans-Willi Grümmer, Inhaber des  Euregio-Solarzentrums Alsdorf, beipflichten. Seit über 20 Jahren ist er rührig, die Idee der Stromproduktion über Photovoltaikanlagen in die Köpfe der Menschen zu tragen.
Dass es derzeit der Kommune an Investitionsmitteln zur Stromgewinnung mittels Photovoltaik fehle, musste Alsdorfs Bürgermeister Alfred Sonders einräumen: „Aber wir stellen die Dächer öffentlicher Gebäude gerne zur Verfügung, wenn private Investoren solche Anlagen installieren wollen“, appellierte Sonders.

Neben der Nutzung des Dachs als „Stromquelle“ listete Hans- Willi Grümmer weitere Sparmaßnahmen für das private Lebensumfeld auf: Einsatz von Energiesparleuchten, Innentemperaturregulierung oder die Umstellung der Heizung von Öl oder Gas auf Holzpellets. „Man muss nur den ersten Schritt machen, um das Haus und sein Verhalten zu ändern.“

Lobende Worte fand er auf Nachfrage durch Harald Richter für Alsdorf: „Die Stadt hat bereits einiges in Sachen alternativer Energiequellen und Energieeinsparung gemacht. Die Straßenbeleuchtung ist auf einem sehr hohen energetischen Niveau. Und das Kultur- und Bildungszentrum wird eine Holzpellet-Anlage erhalten“, zählte Grümmer auf.


Nicht Holzpellets, sondern Biogas nutzt Walter Lamberts, Betreiber des gleichnamigen Spargelhofs  aus Würselen-Birk, also in unmittelbarer Nachbarschaft zu Alsdorf. Dort beabsichtigt Walter Lamberts  seine Anlage noch effektiver zu machen, den Leistungsabruf variabler zu gestalten: „Dann kann der Strom gezielt nach Bedarf eingespeist, die Nutzung flexibler gestaltet werden.“ Dazu plant Walter Lamberts den Bau eines weiteren Gasspeichers.

Zu Wort kamen an dem kurzweiligen und abwechslungsreichen Abend aber nicht nur die ausgewiesenen Profis in Sachen Energie. Auch Schüler der Gustav-Heinemann-Gesamtschule und des Dalton-Gymnasiums wurde eine Plattform geboten, ihre Vorstellungen von der Thematik zu erläutern und Schulprojekte, die auf Nachhaltigkeit abzielen, zu präsentieren.

Gesamtschülerin Lena David erklärte, dass Umwelt- und Energiepolitik fächerübergreifend Unterrichtsgegenstand sei. Die enge Verbundenheit zum Energeticon als außerschulischen Lernort betonte Schulleiter Martin May.
Schüler haben recherchiert.

Für das Gymnasium erläuterten die Schülerinnen Mara Kaminski, Viktoria Müller und Mulima Inambao mit ihrer Lehrerin Anissa Schiffer ihre Teilnahme am „Going-Green-Projekt“. Eine der Kernfragen dabei: Wie stehen die Menschen zur Nachhaltigkeit? Ergebnis  der Schüler-Recherche: „Die Leute handeln nicht wirklich umweltbewusst.“

Auch der ethische oder religiöse Aspekt des Abendthemas wurde beleuchtet. Der evangelische Seelsorger Pfarrer Ulrich Eichenberg räumte dabei auf mit dem missverstandenen Gotteswort „Macht euch die Erde untertan“. „Wir müssen abkommen von der Ansicht, der Mensch sei die Krone der Schöpfung. Die rücksichtslose Ausbeutung der Erde muss gestoppt werden.“ Die Kirche begrüße das „neue Denken“, es dürfe aber nicht sein, dass die Armen an den Folgen des Energiewandels durch höhere Kosten leiden müssten.

Zum Staunen und zu begeistertem Applaus des Publikums trugen immer wieder die spektakulären Experimente des Teams von „Wissenschaftlich Technische Beratung und Entwicklung“ aus Mönchengladbach bei. Ob durch ein Geysir-Model, das brodelnd die Kraft des unterirdischen Drucks erklärte, und durch des Ritters Arthur Kampf mit den Blitzen sowie der Power von einer Million Volt zur Erzeugung von Tönen oder gar Musikstücken – von Klassik bis Rock – wusste Mitarbeiter und Experimentator Eric Siemes aus dem Wissenschaftsteam zu begeistern. Unter dem Strich war es ein kurzweiliger und in Sachen Energie „elektrisierender“ Abend im Energeticon.


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