Selfkant - Zukunft des Selfkants „in Szene” gesetzt

Zukunft des Selfkants „in Szene” gesetzt

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Prof. Dr. Martina Fromhold-Eisebith (3.v. links) und ihre Studenten offenbarten den Bürgermeistern der drei Selfkant-Gemeinden ihre Visionen für das Jahr 2020. Foto: agsb

Selfkant. Wie könnte er aussehen, der Selfkant im Jahr 2020? Welche Entwicklungschancen hat die Wirtschaft? Wie könnte sich die Infrastruktur verändern? Was wird aus den Menschen, die hier Leben? Werden Deutsche und Niederländer zu einer Bevölkerungseinheit verschmelzen?

Mit diesen und anderen Fragen beschäftigte sich eine Studie, die der Lehrstuhl für Wirtschaftsgeographie der RWTH Aachen im Auftrag der Kommunen Selfkant, Waldfeucht und Gangelt sowie der Wirtschaftsförderungsgesellschaft für den Kreis Heinsberg durchführte.

Unter Leitung von Prof. Dr. Martina Fromhold-Eisebith widmeten sich die Doktorandin Debora Greis sowie 16 Bachelorstudenten der Angewandten Geographie von April bis Ende August letzten Jahres dem visionären Projekt, dessen Ergebnis jetzt im Rathaus in Tüddern vorgestellt wurde.

„Die dargestellten Szenarien sind Zukunftsgeschichten, die auf Kausalitäten beruhen”, erläuterte Greis. Entwicklungen würden konsequent und logisch begründet. Als Basis dienten vor allem Befragungen von 76 Passanten eines Einkaufszentrums am Rande von Gangelt und 59 Besuchern des dortigen Wildfreigeheges.

Zudem flossen telefonische Befragungen von elf Tourismusbetrieben sowie 38 Unternehmen anderer Branchen in das Konzept ein. Auch wurden sieben Interviews mit Leistungsträgern aus der Region berücksichtigt, ebenso wie konkrete Aussagen über wesentliche Entwicklungstreiber und Trends in der Region aus verschiedenen Perspektiven.

Nach wissenschaftlicher Auswertung ergaben sich auf diese Weise in den Bereichen Gewerbeentwicklung, Tourismus, Demographiewandel und Grenzverflechtungen mit den benachbarten Niederlanden jeweils positive oder negative Visionen. Das Szenario „Bauhochzeit” beschreibt beispielsweise anschaulich, wie sehr sich die Bauwirtschaft durch öffentliche Investitionen und Organisationsunterstützung entwickelt und vernetzt, welches Potenzial von Kooperationen baubezogener Unternehmen ausgehen kann - mit der Idee, am Ende sogar ein euregional wirkendes „Zentrum für Baukompetenz” zu eröffnen.

Im Negativ-Szenario bewirken Problemfaktoren wie Fachkräftemangel und schrumpfender Mittelstand eine weitgehende Abhängigkeit der regionalen Bautätigkeit von auswärtigen Unternehmen und eine steigende Arbeitslosigkeit in der Region.

Die Tourismusszenarien beschreiben die Auswirkungen der Zusammenarbeit aller Beteiligten. Finde diese nicht statt und mache sich Egoismus breit, könnten touristische Großprojekte zwar Eigeninteressen befriedigen, die Region insgesamt aber vom Weg der sanften touristischen Entwicklung abbringen.

Auch die Notwendigkeit, den demographischen Wandel der Region aktiv zu begleiten, zeigen die Szenarien. Im besten Fall soll die älter werdende Bevölkerung bedarfsgerecht versorgt und gleichsam die junge in der Region gehalten werden. Wenn Letzteres gelingen sollte, müsste sich wohl auch etwas in Sachen ÖPNV, Bildungsangebot sowie Freizeit- und Kulturangebot tun. Denn: „In diesen Punkten waren die Befragten eher unzufrieden”, bestätigte Fromhold-Eisebith. Interessant war in diesem Zusammenhang auch eine Erkenntnis der Befragungen, die die Professorin so zusammenfasst: „Die Bürger wollen ihre Natur erhalten. Ein wirtschaftlicher Strukturwandel wird kaum gefordert.”

Schon zu Beginn der Präsentation hatte Gastgeber Bürgermeister Herbert Corsten darauf hingewiesen, dass die vorgestellten Visionen auch im Hinblick auf die Besonderheiten der Grenzsituation zu sehen seien. Dass das Verhältnis der Befragten zu den niederländischen Nachbarn von 67 Prozent als „herzlich” eingestuft wurde und 85 Prozent der Unternehmen grenzüberschreitende Beziehungen als „wichtig” einstuften, lässt für die Zukunft hoffen.

„Es ist nicht schlecht, solche Szenarien einmal gesehen zu haben für zu treffende Entscheidungen”, lobte Gangelts Bürgermeister Bernhard Tholen als Vorsitzender der Lokalen Arbeitsgruppe der Leader-Region die Arbeit der Studenten. Die Befragungen hätten zwar „keine weltbewegenden neuen Erkenntnisse gebracht”, seien aber eine Bestätigung. „Es gibt einem das Gefühl, ob man richtig liegt oder nicht. Die Szenarien ermutigen, den richtigen Weg zu gehen mit einem positiven Spirit im Kopf.”
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