Zug der Erinnerung macht Gedenken konkret

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Der Zug der Erinnerung kommt im März in den Kreis Heinsberg: Mit einer Ausstellung wird an das Schicksal von Kindern erinnert, die von den Nationalsozialisten deportiert und in Konzentrationslagern ermordet wurden. Das Archiv-Foto aus dem Jahr 2008 zeigt den Zug der Erinnerung im Bahnhof Oranienburg in Brandenburg. Foto: ddp

Kreis Heinsberg. Durch Deutschland fährt ein Zug und sucht nach den Spuren Zehntausender Kinder. Kinder wie der 1937 in Baal geborene Ernst Kahn oder die 1930 in Heinsberg geborene Therese Kaufmann. „Es ist höchste Zeit, an die deportierten Kinder zu erinnern, weil der Hass, der Kinder in den Tod trieb, erneut Opfer sucht”, so die Veranstalter des Zuges der Erinnerung, der gleichnamige Verein, der als ein Projekt deutscher Bürgerinitiativen entstanden ist.

Der Zug der Erinnerung kommt am 23. und 24. März nach Heinsberg und am 25. und 26. März nach Geilenkirchen. Dieser Zug soll ein Zeichen gegen Geschichtsvergessenheit, Antisemitismus und Rechtsextremismus setzen. Der Zug der Erinnerung wird von einer Dampflok der 38er-Serie gezogen. Jene Lok, die sowohl Personen- als auch Güterzüge zog und damit unfreiwillig auch zum Symbol der Deportationen geworden ist.

Der Zug besteht aus mehreren Waggons, in denen die Geschichte der europäischen Deportationen in beispielhaften Biografien nacherzählt wird. Statt entsetzlicher Bilder zeigt die Ausstellung Andenken, die aus Familienalben stammen könnten. Mit der Deportation von über einer Million Kinder hat Nazi-Deutschland das Tabu des Kindermordes gebrochen.

Mit dem Zug der Erinnerung soll im Rahmen des Gedenkens an die Kinderschicksale gegen die Triebfedern der Verfolgung wie Rassismus, Antisemitismus und extreme Ideologien deutlich Stellung bezogen werden. Dazu die Ausstellungsmacher: „Wir können die Grausamkeiten nicht ungeschehen machen; aber wir können die Namen und die Gesichter der Kinder in Erinnerung rufen. Wir lassen diesen Zug fahren, damit das Gedenken konkret und praktisch werden kann.”

In diesem Zusammenhang erklärte Landrat Stephan Pusch: „Ich freue mich sehr, dass es gelungen ist, den Zug der Erinnerung auch im Kreis Heinsberg zu präsentieren.” Denn auch Menschen aus dem Kreis Heinsberg seien damals in aller Öffentlichkeit und in direkter Nachbarschaft zum alltäglichen Zugverkehr verschleppt worden.

Das Projekt Zug der Erinnerung wird in der hiesigen Region federführend vom katholischen Bistum Aachen in Kooperation mit dem Bündnis gegen Rechtsextremismus - für Demokratie und Toleranz im Kreis Heinsberg sowie dem evangelischen Kirchenkreis Jülich getragen.

Der Zug wird in Heinsberg am 23. und 24.März Station am Kreishaus auf den Gleisen der vor der Reaktivierung stehenden Bahnverbindung machen, um dann weiter zum Bahnhof in Geilenkirchen zu fahren, wo er am 25. und 26.März auf den Gleisen der ehemaligen Kreisbahn (West Energie und Verkehr ) stehen wird. Die Eröffnungsveranstaltung findet am Mittwoch, 23. März, um 9 Uhr im Heinsberger Kreishaus statt.

Um möglichst vielen Schülerinnen und Schülern den Besuch der Gedenkausstellung zu ermöglichen, hat der Landrat alle Schulen der Sekundarstufen I und II im Kreis Heinsberg auf diese Ausstellung aufmerksam gemacht und für jede teilnehmende Schülergruppe als Aufwandspauschale aus Mitteln der Bildungsoffensive gegen Extremismus eine Kostenbeteiligung von bis zu 100 Euro in Aussicht gestellt. Der Zug ist an den vier Ausstellungstagen jeweils von 8 bis 16Uhr für Schulklassen reserviert; von 16 bis 20 Uhr besteht für interessierte Bürger die Möglichkeit, den Zug zu besichtigen. Drei von den Veranstaltern beauftragte Pädagogen stehen für Informationen und Führungen während der Besuchszeiten zur Verfügung.

Für den 23.März ist zudem am Abend von der Anton-Heinen-Volkshochschule eine themenbezogene Weiterbildung für Erwachsene im Kreishaus mit anschließendem Besuch des Zuges vorgesehen.

Der Eintritt zum Zug der Erinnerung ist frei.
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