Wildtiere haben mit Eis und Schnee kein Problem

Von: Andreas Gabbert
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Geilenkirchen. Während wir Menschen es uns bei den derzeitigen Witterungsbedingungen vor dem warmen Ofen mit einem heißen Getränk schön gemütlich machen können, müssen sich die Tiere in der freien Wildbahn auf andere Strategien besinnen, um den Winter zu überstehen.

Rehe und Hirsche etwa reduzieren ihre Körpertemperatur, um Energie zu sparen. Oft stehen sie bewegungslos in der Landschaft herum. „Es ist wichtig im Wald auf den Wegen zu bleiben, Hunde anzuleinen und die Tiere nicht aufzuschrecken”, sagt Wolfgang von der Heiden, Revierleiter des Regionalforstamtes in Gillrath. Jede Bewegung koste Energie, die nur durch zusätzliches Futter wieder „reingeholt” werden könne.

Rehe und Hirsche müssen mit ihren Reserven haushalten, da das minimale Nahrungsangebot sonst nicht zum Überleben reicht. Das knappe Nahrungsangebot macht den Tieren zu schaffen, weniger die Kälte. „Die macht den Rehen nicht viel aus”, weiß von der Heiden. Im Winter sind die Haare der Rehe hohl und isolieren sie gut gegen die Kälte.

Winterschlaf

Viele Tiere legen sich ein dickes Fell oder ein dichtes Federkleid für den Winter zu. Zwischen den Federn bzw. Haaren liegen Luftschichten, die zusätzlich isolieren und vor dem Auskühlen schützen. Zudem plustern sich viele Vögel auf, um die Luftschichten zwischen den Federn noch zu vergrößern.

Auch Säugetiere machen sich dieses Prinzip zunutze: dem Feldhasen wachsen zusätzliche Wollhaare, und die Deckhaare der Wildschweine sind bis zu 25 Zentimeter länger als im Sommer. Mit ihren Artgenossen rotten sich die Wildschweine zusammen, um sich zu wärmen. Außerdem haben sie sich eine dicke Speckschicht angefressen, um den Winter gut zu überstehen.

„Die beste Möglichkeit, durch den Winter zu kommen, ist, ihn einfach zu verschlafen”, sagt von der Heiden. Dachse und Eichhörnchen verbringen jetzt die meiste Zeit in ihren Bauten und Höhlen, sind aber noch reaktionsfähig. Sie halten Winterruhe. Igel hingegen schlafen jetzt tief und fest. Sie halten einen richtigen Winterschlaf und zehren von einer dicken Speckschicht, die sie sich vorher angefressen haben. „Werden Winterschläfer gestört, verlieren sie viel Energie. Das bedeutet meist den Tod”, erklärt von der Heiden.

Energiereserven schonen

Eine besondere Möglichkeit, ihre Energiereserven zu schonen, haben Greifvögel wie Mäusebussarde, Habichte und Falken entdeckt. Auf den Pfählen am Straßenrand hocken sie dick aufgeplustert und warten auf Beute, denn aus der Sicht eines Mäusebussards gleichen die Straßenränder oft einer festlich gedeckten Tafel. Wenn der Schnee die Wiesen und damit auch einen großen Teil der Beute begraben hat, werden überfahrene Tiere zu einer wichtigen Nahrungsquelle. Und auch Mäuse lassen sich am schneefreien Straßenrand besser finden und jagen. Unter den Greifvögeln finden sich zurzeit viele Gäste aus Skandinavien. „Die verbringen hier den Winter”, erklärt der Förster.

Viele Menschen stellen zuhause ein Vogelhaus auf oder hängen sogenannte Maisenknödel auf, um die Vögel bei der Nahrungssuche zu unterstützen. Das macht von der Heiden auch, aber weniger um den Tieren zu helfen. Vielmehr möchte er seinen Kindern zeigen, welche Arten es bei uns so gibt. „Das Füttern hilft keiner Art”, sagt der Förster. Schaden würde es aber auch nicht, solange man mit dem Füttern aufhöre, wenn die Vögel mit dem Nestbau anfingen. „Die Jungvögel können dieses Futter nicht verwerten, sie sind auf Insekten angewiesen.”

Dringende Hilfe könnten hingegen Eulen gebrauchen: „Nach einem Winter wie diesem ist mit schweren Verlusten zu rechnen.” Die Eulen finden keine Mäuse mehr unter der Schneedecke und bräuchten dringend eine Scheune oder einen Stall zum Jagen. Doch die sind heute oft hermetisch abgeriegelt.

Nicht nur die Vögel werden jetzt von den Menschen bei der Nahrungssuche unterstützt. Auch viele Säugetiere werden zusätzlich gefüttert - „es ist Notzeit”. Deshalb verteilt von der Heiden Heu im Staatswald. „Das reicht für Hasen und Rehe. Normalerweise kämen sie auch mit Brombeersträuchern zurecht, im Moment kommen sie aber schwer ran.”

Natürliche Auslese

In einem harten Winter kann von der Heiden aber auch Vorteile entdecken, da schwache Tiere durch natürliche Auslese auf der Strecke blieben. Lieber erlegt er sie aber selbst. „Das ist leichter für das Tier und das Fleisch kann man auch noch gebrauchen.”

Während es bei den Wildtieren in dieser Jahreszeit möglichst ruhig zugeht, ist bei den Förstern an eine Winterruhe nicht zu denken. Das Holzgeschäft hat jetzt Hochsaison. „Im Winter werden die Bäume gefällt, die wir im Sommer markiert haben. In dieser Jahreszeit enthält das Holz weniger Wasser und lässt sich besser verarbeiten”, erklärt von der Heiden. Verarbeitet wird es beispielsweise zu Papier oder sorgt als Brennholz für einen gemütlichen Abend vor dem offenen Kamin im heimischen Wohnzimmer.
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