Geilenkirchen - West Energie und Verkehr stellt Güterverkehr in Geilenkirchen ein

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West Energie und Verkehr stellt Güterverkehr in Geilenkirchen ein

Von: Georg Schmitz
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Das einzige für den Güterverkehr verbliebene Teilstück der ehemaligen Geilenkirchener Kreisbahn soll still gelegt werden. Die Waggons mit Kalisalz gehören ab sofort der Vergangenheit an.

Geilenkirchen. Eine 114 Jahre währende Ära der Geilenkirchener Eisenbahngeschichte geht in diesen Tagen zu Ende. Die letzte Fuhre Düngemittel wurde auf dem alten Schienenstrang der früheren Geilenkirchener Kreisbahn aus dem Waggon auf Lastkraftwagen umgefüllt. Aus wirtschaftlichen Gründen kann das Gleis nicht mehr gehalten werden.

„Wir schließen die Sparte mit einem großen weinenden Auge“, sagt Abteilungsleiter Burkhard Heine von der West Energie und Verkehr. Der in Geilenkirchen beheimatete Verkehrsbetrieb hat den Güterbetrieb abgewickelt und die von der Deutschen Bahn zugestellten Düngemittel umgeschlagen.

„Der Umschlag von Gütern und Waren war einmal ein prosperierender Wirtschaftszweig“, blickt Burkhard Heine zurück. Bei betriebswirtschaftlicher Betrachtung bleibe aber jetzt nichts anderes übrig, als diesen Geschäftsbereich einzustellen. Das Problem seien die notwendig gewordenen hohen Investitionskosten im sechsstelligen Bereich für Modernisierung und Schadensbehebung, die getätigt werden müssten, um das marode Gleisstück mit Rissen in den Schienen wieder in Schuss zu bringen. Die DB habe besonders auf die Erneuerung einer Weiche gedrängt, die aus Richtung Straßenüberführung bei Hommerschen die Waggons zum Ziel führt. Zudem habe der Auftraggeber „Kali und Salz AG“ aus Thüringen keine langfristigen Garantien von mehr als fünf Jahren für die Verladung liefern können, um somit Perspektiven für die Zukunft zu eröffnen.

Von nun an müssten die Empfänger bis Stolberg fahren, um die Düngemittel abzuholen. Für die Hauptabnehmer aus dem Bereich Mönchengladbach/Düsseldorf bedeutet dies längere Anfahrtswege.

West-Mitarbeiter Wolfgang Würfel weist beim Blick in die Eisenbahnhistorie auf das Jahr 1900 hin, als die Strecke Alsdorf-Tüddern von der Geilenkirchener Kreisbahn in Schmalspurbetrieb genommen wurde. Von diesen Tagen an rollten die Güterzüge auch auf dem Teilstück von Geilenkirchen nach Schierwaldenrath.

In den folgenden Jahrzehnten wurde dem Güterverkehr auf der Schiene eine besondere Bedeutung beigemessen. Zudem befanden sich mehrere Rampen für die Verladung von Rüben auf der über zehn Kilometer langen Strecke. Am 1. Juli 1971 stellte die Kreisbahn den Betrieb zwischen Geilenkirchen und Schierwaldenrath ein, die Gleisanlagen wurden zurückgebaut. Ein kleines Teilstück, das kurz vor der Bushalle endet, ließ die Kreisbahn auf Regelspur umbauen. In den vergangenen Jahren rollten alljährlich mehr als 600 Waggons mit Kalisalz auf das Gelände der West und wurden hier umgeladen. Unter anderem war Mechatroniker Philipp Sporn seit seinem ersten Ausbildungsjahr für die Verladung zuständig. Der 22-Jährige fährt auch am letzten Verladetag mit einem alten zum Spezialgerät umfunktionierten Traktor an den Düngemittel-Waggon heran. Über dem Trecker ist ein Förderband angebracht, das er vorne unter einen Schieber am Eisenbahnwaggon führen muss. „Das Förderband wird in Betrieb genommen, das Kalisalz fällt aus der Öffnung und wird über das Band in den daneben stehenden Lkw befördert“, erklärt Philipp Sporn das Prozedere. Der Beladevorgang auf den 26-Tonnen-Lastwagen dauert etwa eine halbe Stunde, dann kann dieser seine Rückreise nach Viersen antreten.

Die Empfänger des Düngers kommen aus dem ganzen Rheinland, ja sogar aus der Eifel und aus Münster, Belgien und den Niederlanden. Zwölf Waggons warten an diesem letzten Tag auf die Entladung. Derzeit läuft das öffentliche Stilllegungsverfahren für das kleine Teilstück in Geilenkirchen. Wenn sich während dieser Frist keine Interessenten melden, die das Teilstück betreiben wollen, endet ein Stück Eisenbahngeschichte.

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