Hückelhoven - Weltmeisterin Jessica Balogun besucht Hauptschule in der Schlee

CHIO-Header

Weltmeisterin Jessica Balogun besucht Hauptschule in der Schlee

Von: Norbert F. Schuldei
Letzte Aktualisierung:
Erdinc Ceylan ist 16, geht in
Erdinc Ceylan ist 16, geht in die 10b der Hauptschule In der Schlee und boxt beim BC Hückelhoven. Vier Amateurkämpfe im Halbschwergewicht hat er hinter sich. „Natürlich will ich Profi werden”, sagte er. Wie sie. Foto: N. Schuldei

Hückelhoven. Natürlich erlebt man so was nicht alle Tage: Wann gibts das schon mal, dass eine richtige Weltmeisterin dahin kommt, wo man sonst jeden Tag nur die gleichen Pauker und immer dieselben Kumpels trifft?

„Welche Weltmeisterin kommt überhaupt? War die schon mal im Fernsehen? Echt? Cool!” Nicht nur Yannick aus der achten Jahrgangsstufe der Hauptschule in der Schlee hatte am Montagmittag jede Menge Fragen auf Lager. Was man in dem Alter eben so fragt, wenn man jemanden noch nicht mal aus dem Fernsehen kennt: „Könnte die mich weghauen?”, so was in der Art.

Chance beim Schopf gepackt

Und dann ist sie da und steht mitten unter den Schülern, die schnell einen Pulk um sie gebildet haben: Jessica Balogun, Weltmeisterin im Weltergewicht, ist aus Aachen nach Hückelhoven gekommen, um den Hauptschülern von sich und vom Boxen und wohl auch von den Möglichkeiten zu erzählen, die der Sport jemandem bietet, der die Chance beim Schopf packt. Ja, wie sie. Im März 2010 wurde die in Nigeria geborene deutsche Boxerin Jessica „Sugar J” mit weitem Vorsprung zur Sportlerin des Jahres 2009” der Region Aachen gewählt.

Richtig hübsch sieht sie aus mit der kakaobraunen Strickmütze auf dem Kopf, in ihrer hautengen Jeans, dem blau beschrifteten Ringelpulli, den ungeschnürten halbhohen Turnschuhen - gar nicht wie eine, die ihre Fäuste besser und schneller einsetzen kann und dabei auf den Beinen flinker ist als irgendeine andere Frau auf diesem Globus. In ihrer Gewichtsklasse, dem Weltergewicht, also bis exakt 66,67 Kilogramm, versteht sich. Und sympathisch ist sie zudem, weicht nicht einer der Fragen, die von allen Seiten des Pulks auf sie einprasseln, aus: Ja, sie war auch Hauptschülerin; ja, sie hat dann doch noch den Realschulabschluss hingekriegt; ja, sie hat eine richtige Lehre gemacht, bevor das Boxen für sie zum Beruf geworden ist; ja, sie hat jetzt 23 Kämpfe als Profi im Ring hinter sich - und ja, sie hat sie alle gewonnen! „Echt cool, die Frau”, sagt Yannick mehr zu sich als zu irgendeinem anderen.

Die Autogrammkarten werden ihr förmlich aus der einen Hand gerissen, mit der anderen kann sie gar nicht so schnell ihren Namen schreiben, wie ihr der Karton wieder hingehalten wird. Und zwischendurch schnell ein Foto mit dem Handy: Ada und Sophie Arm in Arm mit der Weltmeisterin: klick. Jessica Balogun mit Lukas und Micha: klick. Alle wollen ein Bild mit einem echten Champion, ein Foto mit Jessica „Sugar J” Balogun. Fürs Album. Cool!

Ommid Mostaghim hat die 23-jährige Boxerin aus Aachen an seine Schule nach Hückelhoven geholt. „Ich habe in Aachen das ,Projekt Boxen statt Straße mit ins Leben gerufen. Da hat auch Jessica mitgemacht, das war der Beginn ihrer Karriere”, sagt Ommid Mostaghim. Dass der Mann selbst mal Faustkämpfer war, kann er kaum verbergen, seine Nase spricht da Bände. Fünf Profikämpfe hat er hinter sich, heute steht er als Englisch- und Deutschlehrer vor der Klasse.

Box-AG ins Leben gerufen

Und er hat In der Schlee eine Box-AG ins Leben gerufen „20 Schüler machen da mit, fast mehr Mädchen als Jungen”, sagt Mostaghim. Und er sagt auch: „Mir selbst hat der Boxsport viel gegeben und vielleicht gibt er auch dem ein oder anderen Schüler hier was.” Du lernst Disziplin, sagt er, du kannst Aggressionen abbauen. „Aber: Man muss schon ein bisschen dafür trainieren.”

Das, muss man vermuten, hat Jessica Balogun ausreichend getan, sonst wär sie nicht Weltmeisterin, stimmts? „Natürlich muss ich hart arbeiten”, sagt sie und wirkt dabei fast ein wenig schüchtern. „Besonders jetzt vor einem großen Kampf.” Am 7. Juni will sie in Dänemark ihren Titel als Weltmeisterin im Weltergewicht verteidigen. Und da findet sie Zeit, die Hauptschule zu besuchen und mit Jugendlichen zu sprechen? „Ja, ich will denen Mut machen”, sagt Jessica Balogun. „Man kann es immer schaffen. Man muss es nur wollen.” Den Willen hat sie ganz offensichtlich. Und als sie vor das Mikrofon tritt und zu den Schülern spricht, da spürt man, dass sie auch ganz anders sein kann, als sie rein äußerlich wirkt: „Ich habe zwei Gesichter”, sagt sie. „Im Ring musst du den Instinkt haben, zu killen. Auf der Straße musst du nett zu den Leuten sein.” Yannick hört zu, fast schon gebannt. „Cool”, sagt er. „Die Frau ist echt cool.” Sie ist ja auch Weltmeisterin, die Jessica Balogun.
Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert