Welche Zentren machen dicht? TÜV hält sich bedeckt

Von: Norbert F. Schuldei
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In der ehemaligen Bergberufssc
In der ehemaligen Bergberufsschule fand eine Belegschaftsversammlung der TÜV Nord Bildung statt. Nach außen drang Foto: Koenigs

Hückelhoven. Mehr als drei Stunden waren die Tore zur ehemaligen Bergberufsschule an der Sophiastraße für Außenstehende verschlossen: Der TÜV Nord hatte die Mitarbeiter seiner Bildungszentren in der Region zu einer Belegschaftsversammlung geladen.

Aus Essen war Geschäftsführer Hermann Oecking nach Hückelhoven gekommen, um die Mitarbeiter über den Stand der Dinge zu informieren. Hintergrund: Seit einigen Tagen ist klar, dass der TÜV Nord als Träger der Bildungseinrichtungen auch in Hückelhoven, Aachen, Erkelenz, Alsdorf, Stolberg, Geilenkirchen und Heinsberg, wie Konzernsprecher Sven Ulbrich es in einer Stellungnahme vom Mittwoch dieser Woche formuliert, „eine ganze Reihe von Standorten aus wirtschaftlichen Gründen nicht weiterführen” könne.

Die TÜV Nord AG hatte zum 1. Juli vergangenen Jahres die Nachfolge als Eigentümerin der RAG Bildung GmbH angetreten. „Seither ist weniger als ein Jahr vergangen”, stellt der Gesamtbetriebsrat der TÜV Nord Bildung und der IG BCE in einer Mitarbeiter-Information fest, „in dem sich die Situation der heutigen TÜV Nord Bildung wirtschaftlich so dramatisch verschlechtert hat, wie wir es uns vor knapp einem Jahr nicht hätten vorstellen können”.

In einem Schreiben „An alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der TÜV Nord Bildung GmbH & Co. KG” werden die „negativen Auswirkungen der Sparpolitik der Bundesregierung” für die dramatische Verschlechterung des Trägers der Bildungszentren verantwortlich gemacht. „Die Mittelzuweisungen an die Bundesagentur für Arbeit wurden deutlich gesenkt, was sich direkt auf die von der öffentlichen Hand geförderten Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen auswirkte und noch heute auswirkt”, heißt es in dem Schreiben weiter. Die wirtschaftlich Schieflage der TÜV Nord Bildung hat im Deutschen Bundestag zu einer Kleinen Anfrage geführt: Abgeordnete der Fraktion Die Linke wollten so von der Bundesregierung Auskünfte über „Kürzungen in der Arbeitsmarktpolitik und die Entwicklung der beruflichen Weiterbildung” erhalten. Die Antwort füllt 33 DIN-A-4-Seiten. Fazit der beiden Fraktionsvorsitzenden der Linke im Düsseldorfer Landtag, Bärbel Bauermanns und Wolfgang Zimmermann: „Wir fordern die Bundesregierung auf, die Mittel für die Aus- und Weiterbildung zur Verfügung zu stellen”. Und weiter: „Solange dies nicht geschieht, erwarten wir von der TÜV-Gruppe, diese Mittel so zu kompensieren, dass keine Nachteile für die Beschäftigten entstehen.”

Etwa 1500 Mitarbeiter hatte die TÜV Nord Bildung von der RAG Bildung GmbH übernommen. Zwischen Stolberg und Hückelhoven sind rund 125 Mitarbeiter für TÜV Nord Bildung, in der Regel in der Leitung von Kursen im Rahmen der Aus- und Weiterbildungsmaßnahmen, die von der Bundesagentur für Arbeit gefördert werden, beschäftigt. „Wir gehen davon aus, dass wir 1000 Arbeitsplätze erhalten können”, sagt Konzernsprecher Sven Ulbrich. Was im Umkehrschluss bedeutet, dass man sich von 500 Mitarbeitern trennen wird. Ulbrich bestätigt gleichzeitig, dass „eine ganze Reihe von Standorten aus wirtschaftlichen Gründen nicht weitergeführt werden” könnten.

Über Konzepte, wie die Arbeit künftig mit wie vielen Beschäftigten an welchen Standorten fortgeführt werden kann, soll ein „runder Tisch” aus Vertretern von Unternehmensleitung, Belegschaft und Gewerkschaft gemeinsam beraten. „Voraussichtlich”, so die Pressestelle der TÜV Nord Bildung, „werden Ende Juni/Anfang Juli erste Ergebnisse vorliegen”.

Nach der Versammlung in Hückelhoven jedenfalls sickerte gar nix nach außen: Die Mitarbeiter hielten sich nicht nur bedeckt, sie hüllten sich in eisernes Schweigen. Der größte Teil von ihnen verließ die Bergberufsschule durch den Hinterausgang.
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