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„Weglaufen ist nicht”: Eine andere Perspektive aufs Leben

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Zu Gast bei der Lebenshilfe: Eindrucksvoll erzählte Felix Bernhard von seinen Erlebnissen auf dem Jakobsweg. Foto: Petra Wolters

Kreis Heinsberg. Felix Bernhard ist kein Prediger, schon gar kein Missionar. Er will keine Tipps für einen guten Lebensweg geben. Nein, „du weißt tief in dir selber, was am besten zu tun ist.” Das ist seine Botschaft.

Und die vermittelt er nicht nur in seinem Buch „Weglaufen ist nicht - Eine andere Perspektive aufs Leben.”

Am Freitagabend konnten sich in der Kantine vom Betrieb 3 der Lebenshilfe in Heinsberg an der Borsigstraße mehr als 220 Zuhörer live vom Lebensoptimismus des 37-Jährigen überzeugen, der seit 1993 nach einem Motorradunfall an den Rollstuhl „gefesselt” ist.

Die Behinderung mit Witz angehen

Gefesselt? Auch eines der gängigen Vorurteile Rollstuhlfahrern gegenüber, mit dem Bernhard ganz schnell aufräumte. Schon in dem kurzen Film, der ihn vor seinem Auftritt porträtierte. Auf die wesentlichen Inhalte ging er später selbst ein, auch in einem Gespräch mit Wolfgang Derichs, der sich immer wieder als Moderator für die Lebenshilfe engagiert.

Bei der Veranstaltung der Lebenshilfe - realisiert in Medienpartnerschaft mit dem Zeitungsverlag Aachen - versprühte Felix Bernhard zunächst aber alleine Witz pur und brachte die Zuhörer dabei auf eine ganz andere, auf seine Ebene. Er nahm sie mit in seine „andere Perspektive aufs Leben”.

Als er etwa erzählte, dass er gerne „Stand-up-Comedian” geworden wäre, dass ihm der „Coffee to go” einer berühmten Rösterei nicht wieder zum Laufen verholfen hat, dass er bisher beim Kochen nur Riechen konnte, wenn´s anbrannte, und sich jetzt einen Wok gekauft hat. „Ich würde lieber einen Freund verlieren, als einen Witz verschenken”, sagte er, gab aber auch zu, sich seinen Optimismus regelrecht antrainiert zu haben.

„Ich musste es erst akzeptieren und dann konnte ich es verstehen”, so Bernhard zu seiner Situation im Rollstuhl, die er als Schicksal nur insofern empfindet, als er mit ihm eben einen anderen Lebensweg eingeschlagen hat. „Ich erlebe heute Dinge, die würde ich ohne Rollstuhl nicht erleben, wäre nicht bei Ihnen!” Drei Phasen seien es nach seinem Unfall gewesen, die er habe durchleben müssen, bevor er sein Leben so habe akzeptieren können, wie es heute sei. Zunächst sei da Verdrängung gewesen mit dem Wunsch, den Rollstuhl gar zu zerstören. Auf Wut seien dann Trauer und schließlich Akzeptanz der Situation gefolgt. „Und als ich sie wirklich angenommen hatte, hat sich mein Leben komplett verändert.”

Sicher habe es kritische Momente gegeben, „aber an den kritischen Punkten habe ich mich auf das Stärkste gestützt, das mir zur Verfügung steht: mein unverrückbarer Glaube an Gott”, hatte Bernhard schon zu Beginn im Film betont. Mit diesem Rückhalt könne er sich Herausforderungen aktiv stellen und sie manchmal sogar suchen. „Das Leben fordert mich, aber es überfordert mich nicht.”

Sein Weg auf dem Jakobsweg sei da eigentlich nichts anderes gewesen als sein Lebensweg. Beeindruckende Erlebnisse auf diesem Weg teilte er anhand weiterer Bilder mit seinen Zuhörern. Eines zeigte ihn zum Beispiel mit Polizeieskorte auf der Nationalstraße. Dorthin war er gewechselt, weil er auf dem sandigen Anstieg des eigentlichen Pilgerweges nicht mehr vorangekommen war. Aber für einen Felix Bernhard gibt es eben kein Problem, für das es nicht auch eine Lösung gibt, die Spaß am Leben macht!
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