Wassenberger „Plattdütsch” auf 176 Seiten

Von: Verena Müller
Letzte Aktualisierung:
Herausgeber Walter Bienen, Kai
Herausgeber Walter Bienen, Kai Hilger, Ida Bienen, Sepp Becker und Bürgermeister Manfred Winkens (v.r.) bei der Buchvorstellung von „Dr Wasseberjer Plattdütsch-Oavend”. Foto: Verena Müller

Wassenberg. Wer einmal erlebt hat, wie groß der Andrang bei den Wassenberger Plattdeutsch-Abenden ist, der mag es vielleicht nicht für möglich halten, dass die hiesigen Dialekte in spätestens zwei Generationen ausgestorben sein werden. Aber so ist es, da sind sich diejenigen, die sich am engagiertesten für die Pflege dieses Kulturguts einsetzen, einig.

Walter Bienen, Herausgeber der soeben erschienenen Sammlung „Dr Wasseberjer Plattdütsch-Oavend”, sieht diese Entwicklung zwar nicht ohne Bedauern, weiß aber auch, dass sich daran nichts ändern lässt. „Es bringt nichts, das in Schulen als Pflichtfach einzuführen”, sagte er am Dienstag bei der Vorstellung seines Buches im Wassenberger Rathaus. Bürgermeister Manfred Winkens pflichtete ihm bei, er habe in seiner Zeit als Lehrer versucht, Plattdeutsch-Kurse an der Schule anzubieten, das Interesse sei gleich null gewesen.

Unerfreulich eigentlich, all das, klagen wollten Walter Bienen, dessen Frau Ida Bienen, die Fotos zum Band beigesteuert hatte, Autor Kai Hilger, Sepp Becker vom Heimatverein Wassenberg und der Bürgermeister aber nicht. Stattdessen entwickelte sich ein Gespräch über verloren gegangene Worte, Unterschiede zwischen den Ortschaften und Herausforderungen bei der Verschriftlichung der „Stökskes uut et Wasseberjer Lank”. Verwässern würden die unterschiedlichen Dialektfärbungen nicht, meinte Bienen, die Sprache werde konserviert, da es meist dieselben Menschen seien, die sich miteinander unterhielten. „Und die jüngere Generation spricht kein Platt mehr.”

91 Geschichten, Gedichte und Lieder hat Bienen zu Papier gebracht, 20 Autoren haben Beiträge, die sie zwischen 1998 und 2011 bei den Plattdeutsch-Abenden zum Besten gegeben haben, beigesteuert. „Wichtig war mir bei der Auswahl, dass das Texte sind, die wirklich aus der Feder der Autoren stammen”, sagte Bienen, und dass es sich um Anekdoten aus dem Wassenberger Ortsgeschehen handele. „Die Geschichten müssen unter die Leute”, sagte er weiter. Gesichtet hatte er das Material in Form von Aufzeichnungen von den Plattdeutsch-Abenden, dann die Beiträge verschriftlicht und mit den Autoren Rücksprache gehalten. Allein schon, weil viele der Autoren schon älter sind und mit dem Computer nicht so gut umgehen können, habe er sich für diese Herangehensweise entschieden.

„Priorität hatte, dass alles so geschrieben wird, wie die Autoren es aussprechen würden” - damit auch die Unterschiede, die Lautverschiebungen etwa, zwischen den Orten erhalten bleiben. Anweisungen, wie die Worte zu lesen seien - „sp” als „schp” beispielsweise - stehen am Anfang, leichter wird es dadurch aber nicht unbedingt. „Ich empfehle jedem, die Texte laut vorzulesen, dann geht es einfacher”, sagt Bienen. Stimmt.

Bienen moderiert seit Anfang dieses Jahres die Plattdeutsch-Abende, er sagt von sich selbst, dass er erst während seiner Tischlerlehre Platt gelernt habe, „Esperanto-Platt”, also kein reines, sondern eine Mischform. Sepp Becker lernte übrigens in derselben Schreinerei, als Geselle von Bienen. Die Karriere von letzterem endete dort nicht. Über den Umweg Zollbeamter wurde Bienen Lehrer am Berufskolleg Gelsenkirchen und Geilenkirchen, wo er bis 2009 blieb.

Mit Spannung erwartet der Pensionär, welche Auswirkung die Buchveröffentlichung auf den nächsten Plattdeutsch-Abend haben wird. „Ich fürchte, dass die Räumlichkeiten in der neuen Begegnungsstätte auch nicht ausreichen”, meinte er am Dienstag. Knapp 200 Plätze gebe es da, „hoffentlich müssen wir nicht wieder Besucher wegschicken”, so Bienen.

Der nächste Termin ist am Dienstag, 10. Januar, um 19 Uhr in der neuen Begegnungsstätte am Pontersonplatz.

Der Sammelband „Dr Wasseberjer Plattdütsch-Oavend - Stökskes uut et Wasseberjer Lank” von Walter Bienen (Hrsg.) ist in einer Auflage von 200 Stück im Selbstverlag erschienen. Ein Exemplar kostet 8,95 Euro und ist nur bei Bienen selbst, Tel. 02432/5349 und über den Heimatverein Wassenberg, Sepp Becker, Tel. 02432/7932 erhältlich.

Auf 176 Seiten sind 91 Geschichten, Gedichte und Lieder unterschiedlicher Autoren zusammengefasst. Die Farbfotografien mit Motiven vom Wassenberger Land stammen zum größten Teil von Ida Bienen.

Die in dem Buch abgedruckten Lieder von Karl Lieck sind auch als CD erhältlich (19 Lieder, 9,80 Euro). Diese ist ebenfalls über Walter Bienen käuflich erwerbbar.

Leserkommentare

Leserkommentare (0)

Sie schreiben unter dem Namen:



Diskutieren Sie mit!

Damit Sie Artikel kommentieren können, müssen Sie sich einmalig registrieren — bereits registrierte Leser müssen zum Schreiben eines Kommentars eingeloggt sein. Beachten Sie unsere Diskussionsregeln, die Netiquette.

Homepage aktualisiert

Finden Sie jetzt neue aktuelle Informationen auf unserer Startseite

Wieder zur Homepage

Die Homepage wurde aktualisiert