Waldfeucht-Haaren - War es der Versuch einer Schändung?

War es der Versuch einer Schändung?

Von: Wilfried Schröders
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Wilfried Tellers (l.), Küster
Wilfried Tellers (l.), Küster und Organist an St. Johannes der Täufer in Haaren, und Kirchenvorstand Helmut Schröders stehen fassungslos vor dem beschädigten Tabernakel. Foto: Wilfried Schröders

Waldfeucht-Haaren. „Es ist wie ein Loch im Herzen”, beschreibt Antonia Schröders das Bild des inzwischen geöffneten Haarener Tabernakels zugleich im optischen und übertragenen Sinne. Bei einem Einbruch in die Haarener Kirche vor gut zwei Wochen hatten Unbekannte versucht, das Tabernakel zu öffnen, hierbei jedoch den Schlüssel zerbrochen.

In den vergangenen Tagen öffneten Aachener Fachkräfte das Tabernakel, indem sie - als einzige Möglichkeit - das Schloss herausschnitten.

„Das macht schon betroffen”, erklärt auch Küster und Organist Wilfried Tellers, der den Einbruch bemerkte, als er das Gotteshaus für die Sonntagsmesse vorbereiten wollte. Als er die Kirche betrat, stellte er fest, dass sämtliche Türen, Schlösser und Schränke aufgebrochen waren. Die Kopfreliquie des Heiligen Johannes des Täufers lag beschädigt auf dem Boden der Sakristei. „Der Schaden am Tabernakel fiel zunächst nicht auf, da es in seiner äußeren Gestalt nicht verändert war”, so Tellers.

Zugang hatten sich die Einbrecher offensichtlich von der Sakristei aus verschafft. Um zu den Opferkästen im Eingangsbereich der Kirche zu gelangen, war dies der denkbar längste Weg, der zudem durch die weitere Glastüre, die die Kirche vom Vorraum trennt, versperrt war. Auffallend war, dass außer Bargeld offensichtlich nichts mitgenommen wurde. An Bargeld hingegen kann nicht viel in den Opferkästen gewesen sein. Bei zwei wöchentlichen Messen werden die Opferkästen mindestens einmal wöchentlich geleert, so dass die Täter wohl höchstens zwischen zehn und fünfzehn Euro vorgefunden haben werden.

„Der angerichtete Gesamtschaden liegt zur Zeit im fünfstelligen Bereich”, erläutert Pfarrer Heinz-Wilhelm Vollberg. „Dass die hier gewütet haben, ist schon schlimm genug”, so Helmut Schröders, Kirchenvorstand an St. Johannes, „aber das Tabernakel!” Warum macht sich jemand am Tabernakel zu schaffen? „War es nur die Unwissenheit, die darin einen Tresor erkennen wollte? Oder war es der bewusste Versuch einer Schändung?”, fragt auch Helmut Schröders. „Zum Motiv der Tat können gegenwärtig nur Vermutungen angestellt werden”, so Pfarrer Vollberg. Das Tabernakel ist nach katholischem Verständnis der Aufbewahrungsort für das Allerheiligste und damit ein für die Allgemeinheit verschlossener Raum. In der Gestalt der konsekrierten Hostie nach der Wandlung während der Messe ist das Allerheiligste zugleich die Verkörperung der Gegenwart Christi in der Hostie. Zugang zum Tabernakel haben neben dem Priester der Diakon und durch den Bischof beauftragte Laien wie Gottesdienstleiter.

Fachleute herangezogen

„Der Einbruch in böswilliger Absicht hätte eine Entweihung bedeutet”, erklärt Pfarrer Vollberg. Die Kirche hätte dann nach einer Zeit der Schließung für die Gläubigen durch den zuständigen Bischof neu geweiht werden müssen. So weit ist es letztlich nicht gekommen, da die Einbrecher das gut 100 Jahre alte Tabernakel in der Haarener Kirche nicht haben öffnen können.

Die Symbolik des (Nicht)Erkennens (der Einbrecher) zum Bildnis auf dem Tabernakel ist offenbar: Es zeigt Jesus mit der Samariterin am Jakobsbrunnen, eine Geschichte vom dritten Fastensonntag. Die Juden verkehrten nicht mit den Samaritern, waren jedoch in Erwartung des Messias.

Im Gesprächsverlauf offenbart sich Jesus der Frau gegenüber, die ihn erkennt, und in der Folge bekennen sich die Samariter zu Christus als Messias. Inwieweit das Tabernakel wieder repariert werden kann, ist zur Zeit noch unklar. Bei der Fertigung des Hochaltares wurden Tabernakeltüren und Marmor miteinander verbacken, so dass sich die Trennung nach den ersten Eindrücken als schwierig erweist.

Jetzt wird ein fachkundiges Kunstschmiedeunternehmen die Türen prüfen. Vielleicht kann mit Hilfe eines Abdruckes vom Bildnis eine Rekonstruktion gefertigt werden - ohne das Marmortabernakel noch zusätzlich zerlegen zu müssen.
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